Wer bei ei­nem Po­ké­mon-Unfall zahlt

Men­schen, die sich mit dem Spiel auf Mons­ter­su­che be­ge­ben, blen­den oft ih­re Um­welt aus. Kommt es zu ei­nem Zu­sam­men­stoß mit an­de­ren Pas­san­ten, La­ter­nen oder Au­tos, hilft die pas­sen­de Ver­si­che­rung

Friedberger Allgemeine - - Geld & Leben -

Jun­ge wie äl­te­re Fuß­gän­ger fan­gen beim Han­dy­spiel Po­ké­mon Go be­geis­tert klei­ne Mons­ter. Die fri­sche Luft tut gut, aber die Auf­merk­sam­keit lei­det häu­fig un­ter dem Spiel – je­den­falls mit Blick auf die un­mit­tel­ba­re Um­ge­bung. Zu auf­se­hen­er­re­gen­den Zu­sam­men­stö­ßen muss es zwar nicht un­be­dingt kom­men. Aber: Was – wenn doch? Kom­men Ver­si­che­run­gen für Po­ké­mon-Go-Un­fäl­le auf? Und wel­che Ver­si­che­rung zahlt für wel­chen Scha­den?

Pri­va­te Haft­pflicht: Ob aus Leicht­sinn, Miss­ge­schick oder Ver­gess­lich­keit: Wer ei­nen Scha­den ver­ur­sacht, in­dem er et­wa „spie­len­der­wei­se“ei­nen Pas­san­ten um­rennt, der muss da­für ge­ra­de­ste­hen. Wer aber über ei­ne Pri­vat­haft­pflicht­ver­si­che­rung ver­fügt (sei es die ei­ge­ne oder ei­ne der El­tern) und ver­se­hent­lich ei­nen Scha­den an­rich­tet, der muss sich um sei­nen Ver­si­che­rungs­schutz – und da­mit die Über­nah­me der ver­ur­sach­ten Kos­ten – nicht sor­gen. An­ders wä­re es nur, wenn der Scha­den vor­sätz­lich her­bei­ge­führt wor­den wä­re. Doch wer woll­te das schon nach­wei­sen?

Pri­va­te Un­fall­ver­si­che­rung: Ein schwe­rer Unfall zieht oft­mals an­hal­ten­de ge­sund­heit­li­che und/oder fi­nan­zi­el­le Fol­gen nach sich: Hier greift die pri­va­te Un­fall­ver­si­che­rung – falls sie vor­han­den ist und nicht erst „nach­her“ab­ge­schlos­sen wird. Wer Po­ké­mon Go spielt und da­bei ei­nen Unfall er­lei­det, der ist als Ver­si­cher­ter in der Re­gel ge­schützt. Denn auch hier spielt es grund­sätz­lich kei­ne Rol­le, ob der Ver­si­cher­te leicht­sin­nig oder grob fahr­läs­sig ge­han­delt hat, als er sich ver­letz­te. Kfz-Ver­si­che­rung: Die Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung ei­nes Au­to­fah­rers zahlt grund­sätz­lich, wenn bei ei­nem Ver­kehrs­un­fall ein Fuß­gän­ger zu Scha­den kommt. Nicht aus­ge­schlos­sen ist je­doch, dass durch das „geis­tes­ab­we­sen­de“Spie­len des Fuß­gän­gers die­sen un­ter Um­stän­den ein Mit­ver­schul­den trifft. Ob, und in wel­cher Hö­he ein sol­ches Mit­ver­schul­den vor­liegt, hängt na­tür­lich von den kon­kre­ten Um­stän­den des Ein­zel­fal­les ab. Liegt Mit­schuld vor, wird die Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung die Zah­lun­gen min­dern.

Für Au­to fah­ren­de Po­ké­monGo-Spie­ler gilt: Kann ei­nem Un­fall­fah­rer nach­ge­wie­sen wer­den, dass er am Steu­er Po­ké­mon Go ge­spielt hat, fällt das un­ter gro­be Fahr­läs­sig­keit – dann dürf­te der Ver­si­che­rungs­schutz der Voll­kas­ko­ver­si­che­rung un­ter Um­stän­den ent­fal­len. Die Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung kommt al­ler­dings selbst für Schä­den an Drit­ten auf, die bei ei­nem Ver­kehrs­un­fall ent­stan­den sind, in des­sen Vor­feld der Fah­rer das Han­dy be­nutzt hat – ob mit oder oh­ne Po­ké­mon Go. An­ders als beim Fah­ren un­ter Al­ko­hol­ein­fluss kann die Haft­pflicht­ver­si­che­rung in die­sem Fall den Ver­si­che­rungs­neh­mer nicht in Re­gress neh­men.

Fo­to: Al­f­re­do Est­rel­la, dpa

Wer Po­ké­mon Go auf dem Han­dy spielt, ist oft ab­ge­lenkt.

Ma­ik Heit­mann ist un­ser Ex­per­te rund ums Recht. Der Fach­jour­na­list be­fasst sich seit fast 20 Jah­ren mit Ver­brau­cher­fra­gen.

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