Sil­ber er­freut erst spä­ter

Der Ach­ter mit Ma­xi­mi­li­an Rei­nelt auf Platz zwei

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 - VON PE­TER DEININGER

Rio de Janei­ro Die Me­dail­le hat ei­ne an­de­re Far­be. Nicht Gold wie 2012 in Lon­don, son­dern Sil­ber. „Aber das ist den­noch ein groß­ar­ti­ger Er­folg, den las­se ich mir auch nicht klein­re­den.“Ma­xi­mi­li­an Rei­nelt vom Ul­mer Ru­der­club hat wie­der strah­len ge­lernt. Ge­ra­de kommt er von der Sie­ger­eh­rung. Als er die Glück­wün­sche von IOC-Prä­si­dent Tho­mas Bach ent­ge­gen­ge­nom­men hat, ist in ihm und sei­nen acht Kol­le­gen samt Steu­er­mann of­fen­sicht­lich die Er­kennt­nis ge­reift, dass der Deutsch­land-Ach­ter wie­der ei­nen gu­ten Job ge­macht hat.

Di­rekt nach dem Ren­nen hat­te das noch an­ders aus­ge­se­hen. Als sie mit ih­rem lan­gen Boot an­leg­ten, hat­ten ei­ni­ge lan­ge Ge­sich­ter, an­de­re hock­ten sich hin und schau­ten tod­trau­rig auf den Bo­den. Der Ach­ter aus Groß­bri­tan­ni­en hat­te ih­nen Rang eins von Lon­don ab­ge­jagt.

Be­reits auf der ers­ten Hälf­te der 2000 Me­ter hat­ten die Welt­meis­ter ei­ne knap­pe Län­ge Vor­sprung auf den Olym­pia­sie­ger. „In so ei­nem Fi­na­le muss man sich dar­auf ein­stel­len, dass je­der früh Gas gibt. Das Hoch­ge­fühl des Vor­sprungs, die Hän­de schon an der Me­dail­le zu ha­ben, das lässt sich kei­ner mehr neh­men“, be­tont der 27-jäh­ri­ge Me­di­zin­stu­dent, der seit Jah­ren am Olym­pia­stütz­punkt in Dort­mund trai­niert. „Wir ha­ben bei 1000 Me­ter ver­sucht, Druck zu ma­chen, ha­ben die Bri­ten aber nur vor uns her­ge­scho­ben. Zum Glück konn­ten wir den Kampf um Sil­ber ge­gen die Nie­der­lan­de und Neu­see­land mit ei­nem Spurt für uns ent­schei­den.“

So rich­tig über­rascht hat Rei­nelt das Er­geb­nis nicht. „Wir wuss­ten, dass die Bri­ten stark sind und ge­ra­de zum Sai­son­hö­he­punkt noch ein­mal rich­tig was raus­ho­len kön­nen.“Rei­nelt will sich nicht auf ei­ne Dis­kus­si­on ein­las­sen, dass die Gold­mann­schaft von 2012 mehr Zu­sam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl ent­wi­ckelt ha­be. „Je­des Team ist an­ders. Da tref­fen neun un­ter­schied­li­che Cha­rak­te­re auf­ein­an­der. Wir wa­ren ähn­lich stark wie in Lon­don, un­ser Trai­ner Ralf Holt­mey­er hat ei­nen gu­ten Job ge­macht, aber es hat eben nur zu Rang zwei ge­reicht.“

Auf den ers­ten Blick kann sich die Bi­lanz der deut­schen Ru­de­rer se­hen las­sen. „Wir sind auf Platz zwei in der Me­dail­len­wer­tung hin­ter Groß­bri­tan­ni­en. Das hat­ten wir seit vie­len Jah­ren nicht. Wie sind zu­frie­den“, so Chef­trai­ner Mar­cus Schwarz­rock. Zwei­mal Gold, ein­mal Sil­ber. Aber nur die­se drei Boo­te er­reich­ten den End­lauf. „Die Ka­der­brei­te bei den Bri­ten ist sehr viel grö­ßer“, be­män­gelt Ach­ter-Trai­ner Holt­mey­er und hat Sor­ge, dass ihm ein Teil sei­ner Ru­de­rer aus be­ruf­li­chen Grün­den dem­nächst ab­han­den kommt und der Nach­wuchs fehlt. „Wir kön­nen die Ru­de­rer nicht lang­fris­tig bin­den wie die Bri­ten.“

Ma­xi­mi­li­an Rei­nelt hat noch kei­ne Ent­schei­dung ge­trof­fen, wie es mit ihm sport­lich wei­ter­geht. „Jetzt wird erst ein­mal ge­fei­ert.“Aus Ulm sind sei­ne El­tern an­ge­reist. Auch die Freun­din und de­ren Fa­mi­lie sind in Bra­si­li­en. „Mit dem schö­nen Er­folg im Rü­cken ist man na­tür­lich in der Ver­su­chung, noch ei­ne Sai­son dran­zu­hän­gen. Doch es gibt auch die kal­ten Ta­ge im Win­ter: Die Stim­mung ist schlecht, der Ka­nal friert gleich zu, da denkt man schon: Jetzt reicht es aber.“

Bis­lang war Ru­dern die Num­mer eins, das Me­di­zin­stu­di­um mehr im Hin­ter­kopf. „Das dua­le Sys­tem ist für mich das Rich­ti­ge, aber es gibt si­cher Ge­sprächs­be­darf wie man die Mit­tel bes­ser ein­set­zen kann.“

M. Rei­nelt

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