Hum­mels fei­ert bei al­ten Ka­me­ra­den

Der FC Bay­ern ge­winnt mit ei­nem 2:0-Sieg in Dort­mund sei­nen ers­ten Sai­son­ti­tel. Al­ler­dings gab es auch Är­ger. Da­bei stand vor al­lem Ri­bé­ry im Mit­tel­punkt

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 | Sport -

Dort­mund Welt­mann Car­lo An­ce­lot­ti klopf­te sich das Kon­fet­ti läs­sig von der Schul­ter sei­nes fei­nen An­zugs. Den Ju­bel sei­ner neu­en Pro­fis ver­folg­te der Ita­lie­ner als stil­ler Be­ob­ach­ter ne­ben dem Sie­ger­po­dest. Nach dem 2:0 (0:0) im Su­per­cup bei Bo­rus­sia Dort­mund und sei­nem ers­ten Ti­tel mit dem FC Bay­ern Mün­chen wirk­te er nicht wirk­lich eu­pho­risch. Da­ge­gen emp­fand Tho­mas Mül­ler die­bi­sche Freu­de. „Es ist ein schö­nes Er­leb­nis, beim BVB zu ge­win­nen. Das Schöns­te, was es für uns Bay­ern im deut­schen Fuß­ball gibt“, kom­men­tier­te der bei der EM glück­lo­se Na­tio­nal­spie­ler sei­nen be­frei­en­den Tref­fer.

Nach zu­letzt drei Fi­nal­nie­der­la­gen in Se­rie über­wand der FCB den Su­per­cup-Fluch und setz­te zwei Wo­chen vor dem Bun­des­li­ga­start ein ers­tes Aus­ru­fe­zei­chen. Die spie­le­ri­schen Män­gel sei­nes Teams in der ers­ten Halb­zeit konn­te An­ce­lot­ti an­ge­sichts der To­re von Ar­turo Vi­dal (58. Mi­nu­te) und Mül­ler (79.) lo­cker ver­schmer­zen.

Der neu­for­mier­te Geg­ner aus Dort­mund ge­wann zwar die meis­ten Sta­tis­ti­ken, ver­lor aber das Spiel. Selbst die Ru­brik „Bal­l­ak­tio­nen“, von je­her ei­ne Do­mä­ne der Bay­ern, ging mit 54 Pro­zent an den Re­vier­klub. Doch der leicht­fer­ti­ge Um­gang mit Tor­chan­cen, vor al­lem in der ers­ten Hälf­te, brach­te das Team von Tho­mas Tu­chel um den Lohn. Den­noch zog auch der BVB-Coach ein po­si­ti­ves Fa­zit: „Wir ha­ben ei­nen wei­te­ren Schritt ge­macht auf ei­nem Weg, der aber noch lang ist. Ich bin be­geis­tert von dem, was die Mann­schaft in­ves­tiert und ge­zeigt hat.“

Die pha­sen­wei­se hoch­klas­si­ge Par­tie war Was­ser auf die Müh­len all je­ner, die den BVB auch in der kom­men­den Sai­son als ärgs­ten Wi­der­sa­cher der Münch­ner se­hen. „Wir hät­ten die­ses Spiel nicht ge­braucht, um zu wis­sen, dass Dort­mund un­ser Haupt­kon­kur­rent ist. Sie ha­ben ei­ne Top­mann­schaft“, lob­te Mül­ler. Dar­an kön­ne auch der gro­ße Um­bruch mit acht Neu­zu­gän­gen nichts än­dern. Doch bei al­ler Ge­nug­tu­ung über den Er­folg sieht der An­grei­fer bis zum ers­ten Sai­son­spiel ge­gen Wer­der Bre­men noch Hand­lungs­be­darf: „Wir müs­sen noch an ei­ni­gen Stell­schrau­ben dre­hen.“

Gleich­wohl ge­noss Mül­ler das En­de sei­ner lan­gen Tref­fer­flau­te mit ins­ge­samt zehn Pflicht­spie­len für sei­nen Ver­ein und die Na­tio­nal­mann­schaft: „To­re sind im­mer gut für mich. Sie ge­ben mir Ru­he vor ner­vi­gen Fra­gen und ma­chen Spaß.“

ge­hör­te zur Dra­ma­tur­gie des Spiels, dass aus­ge­rech­net der ehe­ma­li­ge Dort­mun­der Mats Hum­mels die Vor­la­ge zu die­sem Tref­fer gab. Den­noch war des­sen Freu­de ein we­nig ge­trübt. Schließ­lich wur­den die meis­ten sei­ner Ak­tio­nen von lau­ten Pfif­fen der BVB-Fans be­glei­tet. Die­se Re­ak­ti­on ver­an­lass­te Kar­lHeinz Rum­me­nig­ge zu deut­li­chen Wor­ten: „Un­dank ist der Wel­ten Lohn – Ka­ta­stro­phe. Wenn sich je­mand acht Jah­re so die Kno­chen auf­ge­ris­sen hat wie er und dann so emp­fan­gen wird, ist das ent­täu­schend“, klag­te der Münch­ner Vor­stands­chef.

An­ders als Hum­mels kam Ma­rio Göt­ze nicht zum Ein­satz. Ein ers­ter Stim­mungs­test, wie der Dort­mun­der An­hang auf die Rück­kehr des vor drei Jah­ren nach Mün­chen ge­wech­sel­ten Na­tio­nal­spie­lers re­agiert, blieb aus. Tu­chel ließ zwar fünf der acht Neu­zu­gän­ge spie­len, Göt­ze aber auf der Bank. „Un­se­re Vor­be­rei­tung war und ist nicht dar­auf aus­ge­legt, die Spie­ler, die als letz­tes ein­ge­stie­gen sind, mit die­sem Spiel zu be­las­ten“, be­grün­de­te der Trai­ner.

Schlecht zu spre­chen war Tu­chel auf Franck Ri­bé­ry. Zum wie­der­hol­ten Mal gin­gen dem Münch­ner in ei­nem Du­ell mit Dort­mund die Ner­ven durch. Nur mit viel Glück wur­de sein Ell­bo­gen-Ein­satz ge­gen den Dort­mun­der Pass­lack in der ers­ten Halb­zeit von Schieds­rich­ter Welz nicht als Tät­lich­keit ge­wer­tet. Zum Ver­druss des Dort­mun­der Trai­ners: „Man muss nur die Bil­der an­schauEs en, dann gibt es kei­ne Zwei­fel, wie die Sze­ne zu be­ur­tei­len ist. Heu­te stan­den Li­ni­en­rich­ter, vier­ter Of­fi­zi­el­ler und Schieds­rich­ter im Drei­eck aus 15 Me­tern Ent­fer­nung. Im Po­kal­fi­na­le hat der vier­te Of­fi­zi­el­le ei­nen Fin­ger aus dem Au­ge von Gon­za­lo Cas­tro ge­zo­gen. Der glei­che Spie­ler, die glei­che Ak­ti­on, heu­te wie­der.“(dpa) Dort­mund Bür­ki – Pass­lack, So­kra­tis, Bar­tra, Schmel­zer – Cas­tro, Ro­de – Ra­mos (69. Weigl), Ka­ga­wa, Dem­bé­lé (68. Schürr­le) – Auba­meyang (78. Mor) FC Bay­ern Neu­er – Lahm, Hum­mels, Ja­vi Mar­ti­nez, Ala­ba – Vi­dal (71. Kim­mich), Xa­bi Alon­so, Thia­go – T. Mül­ler (86. Ra­fin­ha), Ri­bé­ry (65. Co­man) – Le­wan­dow­ski To­re 0:1 Vi­dal (58.), 0:2 Mül­ler (79.) Schieds­rich­ter Welz (Wies­ba­den) Zu­schau­er 81 360 (aus­ver­kauft)

Fo­to: im­a­go, Horst­mül­ler

Er­folg­rei­che Rück­kehr: Mats Hum­mels (links ) ge­wann mit dem FC Bay­ern in Dort­mund mit 2:0. Nach dem Schluss­pfiff um­armt er sei­nen ehe­ma­li­gen Mit­spie­ler Mar­cel Schmel­zer.

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