Wenn Kun­den zu viel Di­s­po­zins zah­len

Wer sein Gi­ro­kon­to über­zieht, für den kann es schnell teu­er wer­den. Vie­le Ban­ken lan­gen wei­ter­hin kräf­tig zu, kri­ti­siert die Stif­tung Wa­ren­test. Dar­un­ter sind vie­le Geld­häu­ser in Bay­ern

Friedberger Allgemeine - - Wirtschaft - VON MICHA­EL KERLER

Augs­burg Wer sich ei­ne neue Couch kauft oder die Flug­rei­se in den Ur­laub auf ein­mal be­zahlt, kennt das Pro­blem. Dann ist das Gi­ro­kon­to schnell über­zo­gen und ein ho­her Di­s­po­zins wird fäl­lig. Die De­bat­te um zu ho­he Di­s­po­zin­sen tobt seit Jah­ren. Trotz­dem lie­gen sie bei vie­len In­sti­tu­ten noch im­mer weit oben, be­rich­tet die Stif­tung Wa­ren­test in der neu­en

Wer sein Kon­to über­zie­he, müs­se im Durch­schnitt fast zehn Pro­zent zah­len, was „kei­ne gu­te Nach­richt“sei. Zwar hät­ten vie­le Ban­ken nach der kri­ti­schen Be­richt­er­stat­tung der ver­gan­ge­nen Jah­re den Di­s­po­zins ge­senkt, be­rich­tet Ste­pha­nie Pal­lasch, Fi­nanz-Ex­per­tin der Stif­tung Wa­ren­test. „Sie ha­ben sich aber zu we­nig be­wegt“, kri­ti­siert sie. Un­ter den be­son­ders teu­ren In­sti­tu­ten lie­gen vie­le in Bay­ern, auch in un­se­rer Re­gi­on.

Die Ver­brau­cher­schüt­zer ha­ben die Di­s­po­zin­sen von 1433 Ban­ken, Spar­kas­sen und Ge­nos­sen­schafts­ban­ken ver­gli­chen. Spit­zen­rei­ter war die Raiff­ei­sen­bank Ober­bay­ern Süd­ost mit 13,75 Pro­zent Zins auf zwei be­stimm­te Kon­ten (Di­rekt und Klas­sik). Es folgt die Raiff­ei­sen­bank Au­len­dorf mit 13,06 Pro­zent und auf Platz drei die VR-Bank Lands­berg-Am­mer­see aus Lands­berg am Lech, die 13,01 Pro­zent ver­langt. „Über 13 Pro­zent sind bei dem ak­tu­el­len Zins­ni­veau ab­so­lut in­dis­ku­ta­bel“, sagt Pal­lasch. Noch wei­te­re Ban­ken un­se­rer Re­gi­on sind in der Lis­te ver­tre­ten, die un­ter

ein­seh­bar ist. Dar­un­ter die Raiff­ei­sen­bank West­all­gäu mit 11,95 Pro­zent (Kon­ten In­di­vi­du­ell, Kom­fort und On­line), die Raiff­ei­sen­bank Roggenburg-Brei­ten­thal mit 11,75 Pro­zent (On­line und Kom­fort), die Raiff­ei­sen­bank Aind­ling mit 11,65 Pro­zent (On­line und Pri­vat), die Raiff­ei­sen­bank Kis­sing-Me­ring mit 11,63 Pro­zent oder die Spar­kas­se Neu­burg-Rain mit 11,60 Pro­zent (Stan­dard, On­line und Kom­fort).

Aus Sicht der Stif­tung Wa­ren­test sind ho­he Di­s­po-Sät­ze nicht markt­kon­form. Denn all­ge­mein liegt das Zins­ni­veau am Bo­den. „Auf das Geld am Spar­kon­to gibt es fast kei­nen Zins, bei Bau­spar­ver­trä­gen und Ra­ten­kre­di­ten sin­ken die Zins­sät­ze, nur im Di­s­po-Be­reich be­wegt sich we­nig“, kri­ti­siert Pal­lasch.

Die VR-Bank Lands­berg-Am­mer­see führt da­ge­gen Ar­gu­men­te für ih­ren recht ho­hen Di­s­po-Satz ins Feld. Die Be­reit­stel­lung ei­nes Dis­po­si­ti­ons­kre­di­tes sei kos­ten­frei. Kos­ten ent­stün­den nur bei ei­ner ech­ten Nut­zung. Aus Sicht des Hau­ses ist der Di­s­po-Kre­dit im Pri­vat­ge­schäft auch nur zur Über­brü­ckung ei­nes kurz­fris­ti­gen Gel­deng- pas­ses da. „Die Be­an­spru­chung soll nicht die Re­gel, son­dern die Aus­nah­me sein“, sag­te Vor­stand Ste­fan Jörg, als sein Haus be­reits letz­tes Jahr von der Stif­tung Wa­ren­test kri­ti­siert wur­de. Der Di­s­po sei ei­ne Lö­sung für kurz­fris­ti­ge fi­nan­zi­el­le Not­la­gen – bei­spiels­wei­se ein de­fek­tes Au­to im Ur­laub. Brau­che ein Kun­de län­ger als 30 bis 60 Ta­ge Kre­dit, su­che die Bank mit ihm zu­sam­men ei­ne bes­se­re Lö­sung – zu der­zeit sehr gu­ten Kon­di­tio­nen. „Un­ser Haus will durch das zu groß­zü­gi­ge Ein­räu­men bil­li­ger Dis­po­si­ti­ons­kre­di­te aber kei­ne fal­schen An­rei­ze für über­höh­ten Kon­sum schaf­fen – Stich­wort Über­schul­dung bei jun­gen Leu­ten durch Null­pro­zent­Fi­nan­zie­run­gen bei Elek­tro­ge­rä­ten oder Han­dy­ver­trä­gen“, so Jörg.

Aus Sicht des Ge­nos­sen­schafts­ver­ban­des Bay­ern zeigt die ak­tu­el­le Un­ter­su­chung, dass die Di­s­po­zin­sen so­gar ge­fal­len sei­en. Der Bun­des­bank zu­fol­ge lä­gen die Di­s­po­zin­sen für pri­va­te Haus­hal­te ak­tu­ell im Schnitt bei 8,77 Pro­zent. Da­mit sei­en sie seit dem Höchst­stand vor rund acht Jah­ren mit 12,0 Pro­zent um durch­schnitt­lich drei Pro­zent­punk­te ge­sun­ken. „Der Rück­gang ver­deut­licht den in­ten­si­ven Wett­be­werb un­ter den deut­schen Kre­dit­in­sti­tu­ten“, be­rich­tet der Ver­band auf An­fra­ge – und be­tont, dass nicht nur der Leit­zins, son­dern zum Bei­spiel auch die Bo­ni­tät des Kun­den den Di­s­po-Zins­satz be­ein­flusst.

Aus Sicht der Stif­tung Wa­ren­test lau­ern aber noch wei­te­re Fall­stri­cke im Di­s­po-Be­reich. Denn nicht im­mer sei trans­pa­rent, wie hoch der Di­s­po über­haupt ist. Zwar müss­ten al­le In­sti­tu­te seit 21. März ih­re Di­s­po­zin­sen nicht nur per Aus­hang, son­dern auch im In­ter­net ver­öf­fent­li­chen. Nicht im­mer wer­de der Kun­de aber dar­aus schlau. Die VR­Bank Er­lan­gen-Höch­stadt-Her­zo­ge­nau­rach ver­ra­te zum Bei­spiel nur, dass ein Di­s­po­zins zwi­schen 4,75 und 12,75 Pro­zent fäl­lig wer­de – ei­ne „äu­ßerst un­kla­re An­ga­be“, sagt Fi­nanz­ex­per­tin Pal­lasch.

Zur Kos­ten­fal­le könn­ten auch Pre­mi­um-Kon­ten wer­den, für die Ban­ken der­zeit ger­ne wer­ben. Die­se bie­ten zu­sätz­li­che Di­enst­leis­tun­gen, zum Bei­spiel Kre­dit­kar­ten oder nied­ri­ge Di­s­po­zin­sen. „Ein Di­s­po­zins von fünf Pro­zent ist si­cher ein tol­les An­ge­bot“, sagt Pal­lasch. Der Nach­teil: re­la­tiv ho­he Kon­to­ge­büh­ren. „In ei­ni­gen Fäl­len fährt man mit dem Pre­mi­um­kon­to schlech­ter als mit ei­nem nor­ma­len Kon­to“, warnt des­halb die Ex­per­tin.

Üb­ri­gens gibt es auch In­sti­tu­te mit nied­ri­gen Di­s­po­zin­sen. Hin­ter der Deut­schen Skat­bank mit 4,24 Pro­zent (Trumpf­kon­to) folgt bald die Augs­bur­ger Ak­ti­en­bank mit 4,8 Pro­zent (Ser­vice­kon­to).

Fo­to: Jens Bütt­ner, dpa

Und plötz­lich ist das Kon­to im Mi­nus und es wird teu­er. Ho­he Di­s­po­zin­sen sind aus Sicht der Stif­tung Wa­ren­test ein Är­ger­nis.

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