End­lich Edel­me­tall: Ös­ter­reich ju­belt

Nach der Null­num­mer von Lon­don ha­ben die Sport­ler der Al­pen­re­pu­blik ei­ne er­neu­te Bla­ma­ge ver­hin­dert. Doch die Kri­tik an den Som­mer­sport­lern der Win­ter­sport­na­ti­on wird lau­ter

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 -

Wi­en Die Win­ter­sport-Na­ti­on Ös­ter­reich fei­ert ih­re ers­te Rio-Me­dail­le. Ein drit­ter Platz im Se­geln sorg­te für über­schwäng­li­che Schlag­zei­len in der Al­pen­re­pu­blik. „Flücht­lings­kind ret­tet Ös­ter­reich“, „End­lich!“, „Ös­ter­reichs Er­lö­sung in Bron­ze“, lau­te­ten die Über­schrif­ten am Mitt­woch. Tho­mas Za­jak, 30, des­sen El­tern aus Po­len stam­men, und Tan­ja Frank, 23, hat­ten in der Na­cra-17-Klas­se hin­ter Ar­gen­ti­ni­en und Aus­tra­li­en den drit­ten Platz be­legt.

Da­mit ging ein lan­ges War­ten zu En­de: 2923 Ta­ge ist es her, dass am 15. Au­gust 2008 in Pe­king Vio­let­ta Ob­lin­ger-Pe­ters im Ka­nu-Sla­lom die bis­lang letz­te Me­dail­le bei Olym­pi­schen Som­mer­spie­len für Ös­ter­reich er­rang. „Es ist ei­ne rie­si­ge Er­leich­te­rung für die gan­ze Sport­na­ti­on“, sag­te Ös­ter­reichs de Mis­si­on Chris­toph Sie­ber. Die als Bla­ma­ge emp­fun­de­ne Null­num­mer von Lon­don ist da­mit schon ein­mal ver­hin­dert. Mit 71 Sport­lern ist Ös­ter­reich in Rio ver­tre­ten, 41 da­von sind Hee­res­sport­ler. Ein Um­stand, der die An­we­sen­heit von Sport- und Hee­res­mi­nis­ter Hans Pe­ter Do­sko­zil (SPÖ) in Rio um­so lo­gi­scher er­schei­nen lässt.

Des­sen Mi­nis­te­ri­um hat­te vor vier Jah­ren 20 Mil­lio­nen Eu­ro in die Sport­för­de­rung ge­pumpt, da­mit Ös­ter­reichs Sport­ler im Kreis der bes­ten Ath­le­ten zu­min­dest manch­mal aufs Trepp­chen kom­men. Ziel wa­ren und sind in Rio drei bis fünf Me­dail­len. Doch an­ge­sichts der me­dail­len­lo­sen bis­he­ri­gen Wett­kampf­ta­ge ver­brei­te­ten die Sport­kom­men­ta­to­ren viel Kri­tik. Das För­der­sys­tem sei völ­lig in­ef­fek­tiv. Von ei­nem Eu­ro blie­ben an­ge­sichts der Ver­wal- tungs­kos­ten nur sechs Cent wirk­lich üb­rig. „Das gab es nicht ein­mal in der DDR – und die war gut ver­wal­tet“, hieß es im Bou­le­vard­blatt

spöt­tisch. Der Blick war nei­disch auf das ein­woh­ner­mä­ßig et­was klei­ne­re Nach­bar­land Schweiz ge­rich­tet. Die Eid­ge­nos­sen ha­ben mit ei­nem Team aus 109 Ath­le­ten be­reits fünf Me­dail­len ge­won­nen und da­mit ih­re Ziel­vor­ga­be er­füllt.

Die Me­dail­le der ös­ter­rei­chi­schen Seg­ler war folg­lich Bal­sam auf Ös­ter­reichs See­le. Das er­folg­rei­che Duo, das seit 2012 zu­sam­men se­gelt, wur­de hoch­ge­lobt: Za­jak ha­be sich trotz der Schmer­zen seit sei­nem Klet­ter­un­fall 2009 durch­ge­bis­sen. Und die 23-jäh­ri­ge Frank kön­ne nicht nur se­geln, son­dern sei auch be­son­ders ge­scheit: Ihr wird ein In­tel­li­genz­quo­ti­ent von 137 be­schei­Chef nigt. Schon mit 14 Jah­ren ha­be sie an­ge­fan­gen, Bio­lo­gie zu stu­die­ren.

Sol­che Vor­zei­ge­ath­le­ten hät­te die Al­pen­re­pu­blik gern noch mehr in ih­ren Rei­hen. Denn auch im Win­ter­sport ist die rot-weiß-ro­te Welt nicht mehr ro­sig. „Die un­um­stöß­li­che An­nah­me, Ös­ter­reich sei ein­fach ei­ne Win­ter­sport-Na­ti­on, ist nicht nur kurz­sich­tig, son­dern falsch“, be­merk­te die Zei­tung So ha­be das Land bei den Win­ter­spie­len von Sot­schi 2014 zwar 17 Me­dail­len er­run­gen, aber nur in sechs der 15 Sport­ar­ten.

Ent­war­nung sieht auch im Fall Rio an­ders aus. „Für die bei­den ist die Bron­ze­ne ein ech­ter Traum – für ganz Ös­ter­reich bleibt aber ei­ne ein­zi­ge Me­dail­le nach ein­ein­halb Olym­pia-Wo­chen ein Alb­traum“, schrieb die zum Ab­schnei­den des Teams.

Fo­to: dpa

Tho­mas Za­jak und Tan­ja Frank las­sen Ös­ter­reich ju­beln. Die Seg­ler ha­ben Bron­ze ge­won­nen und da­mit ei­ne er­neu­te Null­num­mer ver­hin­dert.

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