Ein his­to­ri­scher Sprung

Zum ers­ten Mal seit 1912 holt wie­der ein Deut­scher ei­ne Me­dail­le vom Drei-Me­ter-Brett. Das ist auch gut für die Bi­lanz

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janei­ro Bron­ze­me­dail­lenge­win­ner Patrick Haus­ding und Was­ser­sprung-Bun­des­trai­ner Lutz Busch­kow staun­ten um die Wet­te, als ihnen die his­to­ri­sche Di­men­si­on des Er­fol­ges be­wusst wur­de. „Was? 1912? 104 Jah­re...“, sag­te Haus­ding über die letz­te deut­sche Olym­pia­Me­dail­le in die­ser Dis­zi­plin und lach­te. „Das war wie ges­tern.“

Erst­mals seit dem Tri­umph vor dem ers­ten Welt­krieg ju­bel­te wie­der ein deut­scher Kunst­sprin­ger in der Kon­kur­renz vom Drei-Me­ter-Brett bei ei­ner Sie­ger­eh­rung. Für den Re­kord­eu­ro­pa­meis­ter war es die ers­te Ein­zel­me­dail­le au­ßer­halb ei­ner Eu­ro­pa­meis­ter­schaft.

„Ist das wirk­lich wahr?“, frag­te sich Haus­ding, als er zu spä­te­rer St­un­de die Me­dail­le im wie­der blau­en Was­ser tauf­te. „Ich bin so oft vor­bei­ge­schrammt“, sag­te der 27-Jäh­ri­ge nach vier Welt­meis­ter­schaf­ten und nun drei Olym­pi­schen Spie­len er­leich­tert. „Jetzt war es ge­nau der rich­ti­ge Mo­ment, um Mal Bron­ze ab­zu­sah­nen.“

Nach ei­nem so­li­den Vor­kampf und ei­nem Halb­fi­na­le mit zwei ver­korks­ten Sprün­gen zeig­te der Syn­chron­sprung-Welt­meis­ter von 2013 im Fi­na­le vom Brett sei­ne viel be­wun­der­te Ner­ven­stär­ke.

Wie Frei­was­ser­schwim­mer Tho­mas Lurz 2012 in Lon­don be­wahr­te nun Haus­ding den Deut­schen Schwimm-Ver­band vor der zwei­ten olym­pi­schen Null­num­mer nach 1932. „Fel­sen, Fel­sen sind ge­fal­len. Der Druck ist na­tür­lich groß“, ge­stand Busch­kow.

Der am Jah­res­en­de frei­wil­lig aus dem Amt schei­den­de Leis­tungs­sport­di­rek­tor war in sei­ner Dop­pel­Funk­ti­on als Was­ser­sprung-Bun­des­trai­ner na­tür­lich froh, dass aus­ge­rech­net aus sei­ner Spar­te die Olym­pia-Pla­ket­te kam. „Deutsch­land juchzt nach Me­dail­len und da ist es für uns wich­tig, dass wir un­se­ren Bei­trag leis­ten.“

Die Was­ser­sprin­ger ha­ben dank Haus­ding ihr Olym­pia-Ziel er­füllt, die Frei­was­ser­schwim­mer nach dem Lurz-Rück­tritt im Rah­men der Er­war­tun­gen ab­ge­schnit­ten.

Blei­ben die er­nüch­tern­den Auf­trit­te im Be­cken, wor­über es zwi­schen Busch­kow und Chef­bun­des­trai­ner Hen­ning Lam­bertz schon ein „Vier-Au­gen-Ge­spräch“gab, wie der Leis­tungs­sport­di­rek­tor sag­te. Wei­te­re grund­le­gen­de Ge­sprä­che ste­hen an.

Aber in der Nacht zum Mitt­woch war erst ein­mal Fei­ern an­ge­sagt. Und das „nicht nur mit ei­nem bra­si­lia­ni­schen Kalt­ge­tränk“, wie Busch­kow ver­riet. Die letz­te olym­pi­sche Ein­zel­me­dail­le der Sprin­ger hat­te Dör­te Lind­ner (Bron­ze) 2000 in Syd­ney ge­holt – eben­falls vom Drei­Me­ter-Brett. Haus­ding ge­wann 2008 in Pe­king ge­mein­sam mit Sa­scha Klein Sil­ber im Syn­chronsprin­gen vom Turm.

Nach drei vier­ten Plät­zen bei Olym­pia fand der Ber­li­ner sei­nen Auf­tritt im Ma­ria Lenk Aqua­tics Cent­re ein­fach nur „geil“. Nach sei­nen Bles­su­ren im Vor­feld war die Pla­ket­te für ihn und sei­nen An­hang be­son­ders viel wert. Für den vier­ein­halb­fa­chen Vor­wärts­sal­to kas­sier­te der 27-jäh­ri­ge Haus­ding mit 98,8 Punk­ten die höchs­te Wer­tung der ge­sam­ten Kon­kur­renz.

Fo­to: dpa

Patrick Haus­ding hat es ge­schafft und holt Bron­ze.

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