Auch der Per­lach­turm muss sa­niert wer­den

Der Zu­stand des obers­ten Stock­werks über der Be­su­cher­platt­form ist schlech­ter als ge­dacht. Ein Gut­ach­ten schlägt vor, die­sen Be­reich kom­plett ab­zu­tra­gen und neu auf­zu­bau­en. Dies bremst auch ein an­de­res Pro­jekt aus

Friedberger Allgemeine - - Region Augsburg - VON STE­FAN KROG

Das Augs­bur­ger Rat­haus ist noch bis Herbst ein­ge­rüs­tet, dem Per­lach­turm könn­te es frü­her oder spä­ter ähn­lich ge­hen. Im Be­reich ober­halb der Be­su­cher­platt­form ist der 70 Me­ter ho­he Turm, der im ver­gan­ge­nen Jahr 400 Jah­re alt wur­de, mas­siv ge­schä­digt. Ein Gut­ach­ten, er­stellt von ei­nem Sta­tik­bü­ro, schlägt vor, den obers­ten Be­reich Stein für Stein ab­zu­tra­gen und in Ab­stim­mung mit dem Denk­mal­schutz wie­der auf­zu­bau­en.

Die Stadt Augs­burg hat­te im ver­gan­ge­nen Herbst ein In­ge­nieur­bü­ro mit ei­ner ge­nau­en Un­ter­su­chung be­auf­tragt, nach­dem fest­ge­stellt wor­den war, dass ei­ne Säu­le an der Be­su­cher­platt­form be­schä­digt ist. Die Ex­per­ten lie­ßen sich mit dem Au­to­kran in ei­nem Korb in 60 Me­ter Hö­he hie­ven, um al­les zu un­ter­su­chen. Mitt­ler­wei­le liegt auch die Stel­lung­nah­me ei­nes Sta­tik­bü­ros vor.

Dem­nach ma­chen Ei­sen­tei­le, die im obe­ren Be­reich in die Säu­len aus Na­tur­stein ein­ge­baut sind, Pro­ble­me. Sie ros­ten und qu­el­len da­durch auf. Das Er­geb­nis: An den St­ein­säu­len plat­zen durch den Druck im In­ne­ren Tei­le ab. Ei­ne der Säu­len ist schon seit über ei­nem Jahr mit ei­ner Stützman­schet­te ver­se­hen – das blaue Band, das auch von un­ten aus sicht­bar ist, soll ver­hin­dern, dass wei­te­re Schä­den auf­tre­ten.

Auf Dau­er wird das aber wohl nichts hel­fen. Mo­men­tan wer­den die Kos­ten für die Sa­nie­rung durch Ab- und Wie­der­auf­bau er­mit­telt. Ent­schie­den ist aber noch nichts. Bis­her war der Perlach kein The­ma im Stadt­rat. Wann die Sa­nie­rung kommt, ist da­mit auch un­klar. „Mo­men­tan ist der Turm we­der in sei­ner Stand­si­cher­heit noch in der Ver­kehrs­si­cher­heit ge­fähr­det“, sagt Tho­mas Streu­bel vom Hoch­bau­amt. Das heißt: Es gibt kei­ner­lei Ein­schrän­kun­gen bei der Be­nutz­bar­keit und es droht auch kei­ne Ge­fahr durch her­ab­fal­len­de St­ein­trüm­mer.

Dass die Sa­nie­rung so auf­wen­dig aus­fal­len wür­de, liegt dar­an, dass die Ei­sen­tei­le mit­ten in den Säu­len lie­gen. Wür­de man sie öff­nen, blie­be nicht viel von der tra­gen­den Säu­le üb­rig. Die Me­tall­tei­le, die in der Säu­le zur Sta­bi­li­sie­rung ver­baut sind, wür­den dann aus Edel­stahl ge­fer­tigt wer­den, um ei­nen er­neu­ten Rost­be­fall zu ver­mei­den. Die jet­zi­ge Ge­ne­ra­ti­on ist wohl auch nicht die ers­te, die das Pro­blem mit den ros­ten­den Me­tall­tei­len hat. Schon 1910/11 wur­de das obers­te Ge­schoss er­neu­ert. Das lag dar­an, dass der Zu­stand der St­ei­ne Pro­ble­me mach­te, aber wohl auch an der Rost­the­ma­tik, so Streu­bel.

Die be­kannt ge­wor­de­nen Pro­ble­me ha­ben auch Aus­wir­kun­gen auf die Er­neue­rung des Glo­cken­spiels, die von der Alt-Augs­burg-Ge­sell­schaft ge­plant ist. 20 000 Eu­ro Spen­den hat­te die Ge­sell­schaft ver­gan­ge­nes Jahr ge­sam­melt, um die Steue­rung zu er­neu­ern und das Glo­cken­spiel war­ten zu las­sen (wir be­rich­te­ten). Da­mals war noch nicht klar, wie pro­ble­ma­tisch die sta­ti­sche Si­tua­ti­on ist. „Wir ha­ben die Spen­der in­for­miert und wer­den das Geld jetzt par­ken in der Hoff­nung, dass man das Glo­cken­spiel bald er­neu­ern kann“, sagt Anne Voit, Vor­sit­zen­de der Alt-Augs­burg-Ge­sell­schaft. Es sei aber nicht sinn­voll, jetzt am Glo­cken­spiel zu ar­bei­ten, wenn ab­seh­bar sei, dass man es frü­her oder spä­ter, wenn auch nur vor­über­ge­hend, ab­bau­en müs­se.

Fo­to: Sil­vio Wy­szen­grad

Ver­gan­ge­nen Herbst wur­de der Per­lach­turm auf sei­ne sta­ti­sche Be­last­bar­keit un­ter­sucht. Das Er­geb­nis: Der Be­reich ober­halb der Be­su­cher­platt­form soll­te ei­gent­lich ab­ge­tra­gen und neu auf­ge­baut wer­den. Doch ob da­für Geld da ist, bleibt ab­zu­war­ten.

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