Rück­kehr ins Ma­ra­canã

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele - VON PE­TER DEININGER pe­de@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Es gibt Men­schen, die sich ih­rer öf­fent­li­chen Wir­kung be­wusst sind. Al­ci­des Ghig­gia war so ei­ner. „Nur drei Men­schen ha­ben mit ei­ner ein­zi­gen Be­we­gung das Ma­ra­canã zum Schwei­gen ge­bracht. Frank Si­na­tra, Papst Jo­han­nes Paul II. und ich.“

Ghig­gia war Fuß­ball-Na­tio­nal­spie­ler in Uru­gu­ay und hat 1950 ins Herz der bra­si­lia­ni­schen Fuß­ball­see­le ge­trof­fen. Mit sei­nem Tor zum 2:1 be­scher­te er sei­nem Team über­ra­schend den WM-Ti­tel. Ma­ra­canã­co nen­nen die Men­schen bis heu­te je­nes Trau­ma im da­mals neu er­öff­ne­ten Sta­di­on mit dem sa­gen­haf­ten Fas­sungs­ver­mö­gen von 200 000 Plät­zen.

Fuß­ball-Nie­der­la­gen kön­nen Spu­ren hin­ter­las­sen. Das 1:7 der Se­leção ge­gen Deutsch­land im Halb­fi­na­le der WM 2014 (nicht im Ma­ra­canã) gilt bis heu­te als Syn­onym für die Ka­ta­stro­phe ki­cken­der bra­si­lia­ni­scher Pro­mis. We­nigs­tens hat­te im End­spiel Ma­rio Göt­ze ein Ein­se­hen und traf ge­gen den bra­si­lia­ni­schen Erz­feind Ar­gen­ti­ni­en. Jo­gis Ju­bel-Jungs ha­ben im rund­er­neu­er­ten Ma­ra­canã ei­nen ih­rer größ­ten Tri­um­phe ge­fei­ert.

Es fasst in­zwi­schen kei­ne 80 000 Zu­schau­er mehr, und selbst ein glanz­vol­ler Auf­tritt wie der von Göt­ze ist kein Ga­rant für ei­nen Kar­rie­re­sprung, wie der in­zwi­schen aus Bay­ern ge­flo­he­ne Dort­mun­dRück­keh­rer er­fah­ren muss­te.

Aber der My­thos Ma­ra­canã lebt, und mit olym­pi­schem Gold wür­de Horst Hru­besch als Trai­ner der U23-Aus­wahl sei­nen be­son­de­ren Platz in der deut­schen Fuß­ball­ge­schich­te be­kom­men. Der kan­ti­ge Horst ist zwar nicht so smart wie der Bun­des-Jo­gi, aber er flößt mit sei­ner ehr­li­chen Art sei­nen Spie­lern of­fen­sicht­lich der­art viel Gr­und­ver­trau­en ein, dass sie es wie Deutsch­lands Frau­en in Bra­si­li­ens Fuß­ball-Tem­pel ge­schafft ha­ben.

Die Par­tie zwi­schen den Ju­nio­ren des Welt­meis­ters und den Gast­ge­bern mit Bar­ce­lo­na-Star Ney­mar wird für die Bra­si­lia­ner zum olym­pi­schen Hö­he­punkt. Ge­win­nen sie, hat sich all ihr Auf­wand ge­lohnt – ver­lie­ren sie, zieht wahr­schein­lich schon vor der Schluss­fei­er am Sonn­tag Tris­tesse in Rio de Janeiro ein.

Foto: Mar­ce­lo Sa­yao, dpa

Im Ma­ra­canã fin­det das Fuß­ball-Fi­na­le statt.

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