Abe­les schmerz­haf­ter Sink­flug

Der Ul­mer war als Zwei­ter der Welt­jah­res­bes­ten­lis­te nach Rio ge­kom­men. Dann mach­te ihm ein Ma­gen-Darm-Vi­rus zu schaf­fen. Ent­spre­chend ent­täu­schend ist das Er­geb­nis

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 - VON PE­TER DEININGER

Rio Das Ge­sicht ist schmerz­ver­zerrt, die Bei­ne wol­len Ar­thur Abe­le nicht mehr tra­gen, Mus­kel­krämp­fe ma­chen den 1500-Me­ter-Lauf zur Tor­tur, aber der Zehn­kämp­fer des SSV Ulm 1846 schleppt sich ir­gend­wie ins Ziel. 2008 in Pe­king muss­te er an­ge­schla­gen auf­ge­ben, in Rio de Janeiro woll­te er „das Ding un­be­dingt durch­zie­hen“. Am En­de reicht es mit 8013 Punk­ten zu Rang 15.

Nicht viel für ei­nen, der als Zwei­ter der Welt­jah­res­bes­ten­lis­te (8605) nach Bra­si­li­en ge­kom­men ist „und hier ei­gent­lich die Hüt­te ab­rei­ßen woll­te“. Selbst sein per­sön­li­cher Re­kord von Ra­tin­gen hät­te im olym­pi­schen Zehn­kampf aber nicht für ei­ne Me­dail­le ge­reicht. Sein Kol­le­ge Kai Kaz­mi­rek (LG Rhein-Wied) ist so stark wie nie zu­vor (8580) und muss sich den­noch mit Rang vier be­gnü­gen. Die Me­dail­len ge­hen an Ash­ton Ea­ton (USA, 8893), Ke­vin May­er (Frank­reich, 8834) und Da­mi­an War­ner (Ka­na­da, 8666).

Für den Ar­thur Abe­le ist der Zehn­kampf an zwei Ta­gen da­ge­gen ei­ne Lei­dens­zeit, ent­ge­gen al­ler Vor­zei­chen. „Ich hat­te su­per trai­niert, tol­le Wer­te und war voll mo­ti­viert.“Be­reits zu Be­ginn der Wo­che hat Abe­le je­doch ge­spürt „wie die Span­nung all­mäh­lich nach­lässt“.

Der Wett­kampf be­ginnt und der Ul­mer fühlt sich „mat­schig“. Müh­sam quält er sich durch den ers­ten Tag. „Ich hat­te ex­tre­me mus­ku­lä­re Pro­ble­me.“In der Nacht mel­det sich ein Ma­gen-Darm-Vi­rus. Macht ein In­fekt al­le Hoff­nun­gen zu­nich­te? „Ich muss wohl ei­nen Blut­test ma­chen las­sen, die hy­gie­ni­schen Be­din- gun­gen in Bra­si­li­en sind ja nicht die bes­ten.“

Abe­le quält sich wei­ter. Die 110 m Hür­den sind an­fangs okay – bis zum sieb­ten Hin­der­nis, dann ha­be ich kom­plett den Rhyth­mus ver­lo­ren.“Was folgt, ist ein Sam­mel­su­ri­um von kör­per­li­chen Be­schwer­den. Beim Dis­kus­wer­fen schmer­zen die Bei­ne, dann kom­men die ers­ten Krämp­fe und ma­chen beim St­ab­hoch­sprung schon das Ein­sprin­gen zur Qu­al. Beim Speer­wurf mel­den die Knie Alarm, der Rü­cken re­bel­liert, die Achil­les­seh­ne auch. „Das war der här­tes­te Zehn­kampf mei­nes Le­bens. Mir ha­ben al­le Kno­chen weh­ge­tan. Wenn ich mei­ne Wa­den be­rüh­re, könn­te ich an die De­cke ge­hen.“Abe­le ist nicht ei­ner, der die Si­gna­le des Kör­pers ger­ne ak­zep­tiert. „Ich bin ei­ner, der über die Gren­zen hin­aus­geht und es dann mit Ge­walt ver­sucht. Das birgt na­tür­lich die Ge­fahr sich ei­ne grö­ße­re Ver­let­zung ein­zu­han­deln.“Da­von hat­te der Schwa­be be­reits je­de Men­ge. Es ist der klei­ne Er­folg von Rio, dass ihm das er­spart bleibt und er al­le Dis­zi­pli­nen meis­tert.

Jetzt will der 30-Jäh­ri­ge erst ein­mal Ab­stand ge­win­nen. „Mei­ne Freun­din hat in den ver­gan­ge­nen Wo­chen viel zu­rück­ste­cken müs­sen, des­halb geht es mit un­se­rem klei­nen Sohn dem­nächst in den Ur­laub.“In Spa­ni­en oder Por­tu­gal soll es nun das per­sön­li­che High­light ge­ben,

„Ich hat­te su­per trai­niert, tol­le Wer­te und war voll mo­ti­viert.“

Ar­thur Abe­le „Das war der här­tes­te Zehn­kampf mei­nes Le­bens. Mir ha­ben al­le Kno­chen weh­ge­tan. Wenn ich mei­ne Wa­den be­rüh­re, könn­te ich an die De­cke ge­hen.“

Ar­thur Abe­le

das in Bra­si­li­en aus­blieb. Aber an das En­de der Kar­rie­re denkt Abe­le noch nicht. „Bis 2018 ma­che ich auf al­le Fäl­le wei­ter.“Auch wenn der Zehn­kampf manch­mal so schmerzt.

Foto: Lu­kas Schulz, dpa

Er woll­te „das Ding un­be­dingt durch­zie­hen“, ob­wohl schon früh klar war, dass er mit der Ver­ga­be der Me­dail­len nichts zu tun ha­ben wür­de. Der Ul­mer Zehn­kämp­fer Ar­tur Abe­le, der wie­der ein­mal sei­nen Ruf als Pech­vo­gel sei­ner Sport­art be­stä­tig­te.

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