Im Bier­zelt den Hit­ler­gruß ge­zeigt

Pro­zess Pö­beln, Tan­zen, Pro­pa­gan­da? Ein be­trun­ke­ner Plär­rer-Gast kann sich an­geb­lich an nichts mehr er­in­nern – meh­re­re Zeu­gen da­ge­gen schon

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON KLAUS UTZNI

„Die Hän­de zum Him­mel“ist ein Wiesn-Hit, der auch in den Bier­zel­ten auf dem Plär­rer rauf und run­ter ge­spielt wird. In bier­se­li­ger Stim­mung kann ei­ne nach oben ge­streck­te Hand schnell zum Faux­pas wer­den, wenn man rech­tem Ge­dan­ken­gut nicht ab­ge­neigt ist. Ein 29-jäh­ri­ger Volks­fest­be­su­cher soll auf dem Os­ter­plär­rer in ei­nem Bier­zelt auf ei­ne Bank ge­stie­gen sein und den Hit­ler­gruß ge­zeigt ha­ben. Und da­nach, als die Po­li­zei kam, auch noch meh­re­re Be­am­te mit „Ar­sch­loch“und „Papp­na­sen“be­lei­digt ha­ben. Vor Amts­rich­ter Fa­bi­an Espen­schied muss­te er sich we­gen Ver­wen­den von Kenn­zei­chen ver­fas­sungs­wid­ri­ger Or­ga­ni­sa­tio­nen und Be­lei­di­gung ver­ant­wor­ten.

Der An­ge­klag­te (Ver­tei­di­ger: Ema­nu­el Bei­er­lein) sagt, er sei be­trun­ken ge­we­sen, kön­ne sich nicht mehr er­in­nern. Er sei sich aber si­cher, kei­nes­falls die Hand zum Hit­ler­gruß er­ho­ben zu ha­ben. Dies hät­ten ihm sein Bru­der und sein Kum­pel, die mit ihm das Zelt be­such­ten, be­stä­tigt. Die Be­lei­di­gun­gen räumt er ein. „Ich war zwar mal vier oder fünf Jah­re in der rech­ten Sze­ne. Dann bin ich aus­ge­stie­gen und des­we­gen ver­prü­gelt wor­den. Ich will von dem gan­zen Scheiß nichts mehr wis­sen“, be­teu­ert er. Vor sie­ben Jah­ren war er schon ein­mal we­gen ei­nes rech­ten Pro­pa­gan­da-De­likts ver­ur­teilt wor­den.

Zeu­gen ge­ben im Ge­richts­saal un­ter­schied­li­che Ver­sio­nen des Ge­sche­hens an je­nem Abend wie­der. Sein Bru­der und der Kum­pel be­haup­ten, der An­ge­klag­te sei zwar auf ei­ner Bier­bank ge­stan­den, ha­be mit der Mu­sik mit­ge­tanzt und da­bei eben die Hän­den hoch­ge­hal­ten. „Er hat mit den Hän­den die an­de­ren Leu­te an­ge­feu­ert zum Par­ty­ma­chen“, glaubt der Bru­der.

Die Ehe­frau des Bier­zelt­wirts frei­lich hat ei­ne an­de­re Er­in­ne­rung: Man ha­be die Po­li­zei ge­ru­fen, weil die Grup­pe an­de­re Gäs­te an­pö­bel­te. „Und dann ist der An­ge­klag­te auf ei­ne Bank ge­stie­gen und hat die Hand zum Hit­ler­gruß ge­ho­ben, so ha­be ich das je­den­falls auf­ge­fasst.“Ein Kell­ner ist sich eben­falls si­cher, dass der An­ge­klag­te sei­ne rech­te Hand in der ver­bo­te­nen Wei­se nach oben ge­streckt hat. Dem Zeu­gen ist es sicht­lich pein­lich, der Auf­for­de­rung des Ge­richts nach­zu­kom­men und die Hand­be­we­gung zu de­mons­trie­ren, wie er sie ge­se­hen ha­be: „Da­mit ha­be ich ein Pro­blem.“Am En­de ha­ben we­der Staats­an­wäl­tin Ju­lia Scholz noch der Rich­ter Zwei­fel, dass der An­ge­klag­te tat­säch­lich den Hit­ler­gruß ge­zeigt hat. Das Ur­teil, wie von der An­kla­ge ge­for­dert: Vier Mo­na­te Be­wäh­rungs­stra­fe und ei­ne Geld­auf­la­ge von 1000 Eu­ro.

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