Die Fra­ge der Wo­che Män­ner bein­frei im Bü­ro?

Friedberger Allgemeine - - Wochenend Journal - WIL­LI­AM HAR­RI­SON-ZEHELEIN WOLF­GANG SCHÜTZ

Hei­ße Som­mer­ta­ge gab es in die­sem Jahr be­kannt­lich we­ni­ge. Um­so mehr will „Mann“die sel­te­nen Ta­ge, an de­nen das Ther­mo­me­ter die 30-Gra­dMar­ke knackt, klei­dungs­tech­nisch ge­nie­ßen kön­nen – auch im Bü­ro. Der Dress­code vie­ler Un­ter­neh­men macht den Män­nern da aber ei­nen ge­wal­ti­gen Strich durch die Rech­nung. Kur­ze Ho­sen wer­den im Bü­ro nicht gern ge­se­hen. Man­che Un­ter­neh­men ver­bie­ten sie so­gar strikt.

Wäh­rend die völ­lig über­hitz­ten Män­ner sich al­so in ih­rer Ho­se ei­nen ab­schwit­zen müs­sen, kön­nen die Frau­en in ih­ren Som­mer­röck­chen fröh­lich durchs Bü­ro tin­geln. Welch Un­ge­rech­tig­keit! Da ist die Eman­zi­pa­ti­on aus den Fu­gen ge­ra­ten. Es ist Zeit für ein Um­den­ken. Auch Män­ner ha­ben schö­ne Bei­ne. Die­se soll­ten im Bü­ro auch ge­zeigt wer­den dür­fen. Das männ­li­che Bein ist ob­jek­tiv be­trach­tet nicht we­ni­ger at­trak­tiv als das der Frau. Oder über­spitzt for­mu­liert: Ein Paar kna­cki­ge „Männerwa­deln“scha­den dem Be­triebs­kli­ma nicht mehr als das von Throm­bo­se zer­setz­te Bein­ge­stell man­cher Frau­en. Zu­mal es auch schi­cke und se­ri­ös wir­ken­de kur­ze Ho­sen zu kau­fen gibt. Es müs­sen ja nicht gleich die knap­pen Ber­mu­da­shorts in Kom­bi­na­ti­on mit knal­li­gen Flip Flops sein.

Um pro­duk­tiv ar­bei­ten zu kön­nen, soll­te ein ge­wis­ser Kom­fort vor­han­den sein. Da­zu ge­hört auch ei­ne wet­ter­ge­rech­te Klei­dung. Ge­ra­de des­halb ist es höchs­te Zeit, das nack­te Män­ner­bein zu ent­ta­bui­sie­ren und ge­sell­schafts­fä­hig zu ma­chen. War­um sich dem Som­mer in Form von lan­gen Ho­sen un­nö­tig ver­sper­ren? Lasst ihn in Form von kur­zen Ho­sen ins Bü­ro hin­ein! Da­von pro­fi­tiert die Stim­mung im Bü­ro und so­mit auch das End­pro­dukt. Und wer sich von nack­ten Bei­nen tat­säch­lich ge­stört fühlt, soll­te sich fra­gen: War­um ei­gent­lich?

Mal ehr­lich: Ha­ben Sie Ver­trau­en in die Ge­schmacks­si­cher­heit des Groß­teils der männ­li­chen Be­völ­ke­rung? Denn das ist der Kern des Pro­blems. Um nichts an­de­res als Ge­schmack näm­lich geht es hier. Wer denkt, die Fra­ge kurz­be­hos­ter Her­ren zum Wett­streit um Frei­heit und Gleich­heit auf­bau­schen zu müs­sen, soll­te sein ide­el­les Müt­chen lie­ber an ech­ten Wer­te­fra­gen küh­len (oder sonst gleich er­klä­ren, war­um Män­ner nicht auch Kleid­chen tra­gen soll­ten). Selbst die schöns­ten be­haar­ten Männerwa­den im Bü­ro ha­ben nichts mit dem Wah­ren und Gu­ten zu tun. Und die von Frau­en üb­ri­gens auch nicht.

Es geht viel­mehr um Stil und Wir­kung, die An­ge­mes­sen­heit der Klei­dung und des Auf­tre­tens, die üb­ri­gens ja je­der Bü­ro­an­ge­stell­te in sei­nem Ver­trag un­ter­schrie­ben hat (trotz Fran­zö­si­scher Re­vo­lu­ti­on). Und da hat der Ar­beit­ge­ber ein Pro­blem, wenn er Herrn X klar­ma­chen will, dass er in kur­zen Ho­sen nach Fuß­ball­platz und Gar­ten­lie­ge aus­sieht, im Bü­ro al­so fehl am Platz und au­ßer Funk­ti­on wirkt, wenn Herr Y bein­frei blei­ben darf, weil er im mo­di­schen Bein­kleid halt ele­gant auf­tritt. Nein, das muss im Rah­men fest­ge­legt sein, zu­mal bei Män­nern, die ja ge­gen­sei­tig viel we­ni­ger ein mo­di­sches Kor­rek­tiv bil­den als Frau­en. Eher schon das Ge­gen­teil.

Im Kl­ar­text: Die meis­ten Män­ner se­hen so, wie sie mit blan­ken Fü­ßen un­schön aus­se­hen, mit kur­zen Ho­sen un­ernst aus. Das mag sich in fer­ner Zu­kunft än­dern, weil die Män­ner ele­gan­ter wer­den oder in ei­ner frei­en Ge­sell­schaft die Tren­nung von be­ruf­li­cher und pri­va­ter Rol­le auf­ge­ho­ben ist. Aber für den Mo­ment gilt: Dem Ge­schmack der Män­ner ist im Ge­gen­satz zu dem der Frau­en nicht zu trau­en. Zu vie­len ist egal, wenn sie al­bern wir­ken. Wer will das se­hen müs­sen? Drum: kla­res Nein.

Foto: dpa

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