Re­spekt vor dem Tier

Der Fried­ber­ger Ver­ein hält sei­ne Jung­tier­schau. In­ter­es­sier­te Gäs­te sind dort will­kom­men und er­fah­ren, mit wel­cher Hin­ga­be sich die Züch­ter ih­ren Ka­nin­chen wid­men

Friedberger Allgemeine - - Erste Seite - VON SA­BI­NE ROTH In­fos im In­ter­net un­ter www.b244-fried­berg.de

Bei der Jung­tier­schau in Fried­berg be­rich­ten Ka­nin­chen­züch­ter, was sie an ih­rem Hob­by so fas­zi­niert und wie gut sie für ih­re Lang­oh­ren sor­gen

Fried­berg Mit zwei weib­li­chen Tie­ren hat­te es vor ei­ni­gen Jah­ren be­gon­nen. Kurz da­nach kam ein Männ­chen da­zu, und in­zwi­schen zählt Pe­tra Hübner aus Hoch­zoll 23 Ka­nin­chen in ih­rem Stall. Am Wo­che­n­en­de war sie als ei­ne von 25 Züch­te­rin­nen und Züch­tern bei der dies­jäh­ri­gen Jung­tier­schau in Fried­berg ver­tre­ten. Durch­weg mit „gut“oder „sehr gut“wur­den ih­re acht Ka­nin­chen der Ras­se Schwarz­gran­ne be­ur­teilt, de­ren schwar­ze Spit­zen im wei­ßen Fell den Tie­ren ih­ren Na­men ge­ge­ben ha­ben. Doch die Aus­zeich­nung ist Pe­tra Hübner gar nicht so wich­tig: „Wir ha­ben un­se­re Freu­de am Züch­ten und vor al­lem an den Ka­nin­chen.“

Sach­sen­gold, Klein­sil­ber­blau und Schwarz­gran­nen – das wa­ren nur ei­ni­ge der vie­len Ras­sen, die bei der dies­jäh­ri­gen Jung­tier­schau des Ka­nin­chen­züch­ter­ver­eins B 244 Fried­berg be­wer­tet wur­den. 149 jun­ge Ka­nin­chen stell­ten die Züch­ter aus Fried­berg und Augs­burg am Ver­eins­ge­län­de an der Augs­bur­ger Stra­ße den Tier­lieb­ha­bern vor. Die Schirm­herr­schaft hat be­reits zum drit­ten Mal der Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Pe­ter To­masch­ko über­nom­men. Er sprach dem Ver­ein sei­ne An­er­ken­nung aus: „Sie ha­ben die Jung­tier­schau wie­der mit viel Zeit und Elan vor­be­rei­tet. Die Schau ist nicht nur ein Wett­be­werb, son­dern auch ein Treff­punkt. Züch­te­rin­nen und Züch­ter kön­nen hier mit­ein­an­der fach­sim­peln, Er­fah­run­gen aus­tau­schen und Tipps ein­ho­len.“

Für die meis­ten von ih­nen ist das Hob­by zur Lei­den­schaft ge­wor­den. Wie bei Pe­tra Hübner aus Hoch­zoll, die über ih­ren Schwie­ger­va­ter mit dem The­ma in Be­rüh­rung kam. Ob­wohl die ver­hei­ra­te­te Mut­ter von vier Kin­dern eben­so wie ihr Mann be­rufs­tä­tig ist, küm­mern sie sich je­den Tag mit Lie­be um das Fut­ter, das Was­ser und je­de Wo­che ums Aus­mis­ten der Stäl­le. Bei den Hüb­ners wer­den al­le Ka­nin­chen paar­wei­se ge­hal­ten und sie dür­fen sich bei gu­tem Wet­ter auch im Gar­ten in ei­nem Frei­ge­he­ge auf­hal­ten und aus­to­ben. Ger­ne se­hen sie den Tie­ren zu. Das ist für die Fa­mi­lie Hübner die reins­te Ent­span­nung.

In­for­miert hat sie sich über die Ka­nin­chen­zucht erst­mals über Bü­cher und im In­ter­net. Ir­gend­wann war das In­ter­es­se so groß und die Hüb­ners woll­ten sich mit an­de­ren Züch­tern aus­tau­schen. Des­halb sind sie in den Ka­nin­chen­züch­ter­ver­ein in Fried­berg ein­ge­tre­ten. Hier kann man sich je­den ers­ten Frei­tag im Mo­nat beim Stamm­tisch mit den an­de­ren Züch­tern aus­tau­schen. Man ver­tritt sich auch ge­gen­sei­tig, wenn ei­ner in den Ur­laub fährt. Die Tie­re müs­sen ja je­den Tag ver­sorgt wer­den. Nicht al­le ih­rer Tie­re sei­en erst­klas­sig, ver­rät Pe­tra Hübner. Sie hat so­gar ein Tier, das lahmt. „Es be­kommt bei uns das Gna­den­brot und wird nicht aus­sor­tiert“, so die Tier­lieb­ha­be­rin. „Man soll­te Re­spekt vor Tie­ren ha­ben und das möch­te ich mei­nen Kin­dern auch wei­ter­ge­ben.“Je­des Jahr müs­sen ei­ni­ge Jung­tie­re ge­hen. Zwei von ih­nen hat Pe­tra Hübner zur Jung­tier­schau mit­ge­bracht, um sie wie­der an Tier­lieb­ha­ber zu ver­kau­fen. Sie sucht für je­des ein gu­tes Plätz­chen bei tier­lie­ben Men­schen. Auch Her­mann Hu­ber, der Zwei­te Vor­sit­zen­de des Ka­nin­chen­züch­ter­ver­eins, bringt es auch nicht übers Herz, „sei­ne“Tie­re zum Schlach­ten zu ge­ben. Er ver­schenkt die­je­ni­gen, mit de­nen er nicht mehr züch­ten will, an Tier­freun­de. „Man be­kommt zu je­dem ein­zel­nen Tier ei­ne so star­ke Bin­dung, weil man sich je­den Tag um sie küm­mert. Des­halb möch­te ich, dass je­der Ein­zel­ne ei­nen gu­ten Platz be­kommt“, freut sich Hu­ber. Fünf er­wach­se­ne und vier jun­ge Ka­nin­chen der Ras­sen Sach­sen­gold und Klein­sil­ber­blau hat er im Mo­ment in sei­nem selbst ge­schrei­ner­ten Stall in sei­ner Zucht­an­la­ge auf dem Ver­eins­ge­län­de. Je­des Tier be­kommt ei­ne ei­ge­ne Stall­kar­te, auf der Ras­se, Wurf­tag, Ge­schlecht und El­tern ver­merkt wer­den. Neue Ka­nin­chen holt er sich bei gu­ten Züch­tern. „Wenn die Ka­nin­chen auf die Welt kom­men, blei­ben sie an­fangs noch zu viert in ei­nem Stall, spä­ter wer­den sie auf­ge­teilt und die Männ­chen se­pa­riert“, er­zählt er. Die Paa­rung geht sehr schnell. Be­reits in 30 Se­kun­den ist das bei den Ka­nin­chen er­le­digt. Nach 30 Ta­gen kom­men dann schon die Jun­gen auf die Welt. Als Kind woll­te er schon im­mer Tie­re ha­ben. Vor ge­nau sechs Jah­ren wur­de die Zucht­an­la­ge frei und er hat so­fort zu­ge­grif­fen. Seit­dem liebt er die­ses auch sehr zeit­auf­wen­di­ge Hob­by. Kur­zer­hand hat er sich ent­schie­den, ei­nen gro­ßen neu­en Stall für sei­ne Tie­re zu bau­en.

Vie­le Be­su­cher fan­den am Wo­che­n­en­de den Weg aufs Ver­eins­ge­län­de und lie­ßen sich für ein fas­zi­nie­ren­des Hob­by be­geis­tern. Am Sams­tag­abend wur­den die schöns­ten Tie­re ge­kürt. Das bes­te Ab­zei­chen­tier wur­de der schwar­ze Far­ben­zwerg Loh von Züch­ter Alex­an­der Sche­rer, der sich ganz zu- trau­lich für das Fo­to aus sei­nem Stall neh­men ließ. Be­wer­tet wer­den un­ter an­de­rem die Kör­per­form, das Fell­haar, Kopf und Oh­ren, die Rumpf­zeich­nung und die Far­be. Bei die­sem Ka­nin­chen pass­te ein­fach al­les. Bei der bes­ten Zucht­grup­pe der Schau hat die Ras­se Klein­sil­ber blau von Ben­no Pe­ter­mann ge­won­nen. Das bes­te männ­li­che Tier wur­de Loh ha­van­n­a­far­ben von Bir­git Os­ter­mayr und bei den weib­li­chen Tie­ren mach­te ein „Dei­lenaar“aus der Zucht von Ire­ne Vah­le das Ren­nen.

Die Züch­ter des Ka­nin­chen­züch­ter­ver­eins in Fried­berg freu­en sich über in­ter­es­sier­te Gäs­te. Je­der kann vor­bei­schau­en und sich die Pracht­stü­cke auch un­ter dem Jahr an­se­hen. Auch wer ein Ka­nin­chen sucht, ist dort bes­tens auf­ge­ho­ben und wird si­cher fün­dig. »Kom­men­tar

Fo­tos: Sa­bi­ne Roth

Züch­te­rin Pe­tra Hübner ist stolz auf ei­nes ih­rer acht Ka­nin­chen der Ras­se Schwarz­gran­ne, die al­le mit „sehr gut“oder „gut“be­wer­tet wur­den.

Her­mann Hu­ber mit dem drei Jah­re al­ten Mi­chel aus der Ras­se Sach­sen­gold.

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