Ter­ro­ris­ten be­nut­zen Kind für An­schlag

Im Sü­den des Lan­des wer­den beim An­schlag auf ein Fest mehr als 50 Men­schen ge­tö­tet. Ein Kind soll die Bom­be am Kör­per ge­tra­gen ha­ben. Im Ver­dacht steht die Ter­ror­mi­liz IS

Friedberger Allgemeine - - Erste Seite -

Istan­bul Ein Kind zwi­schen 12 und 14 Jah­ren soll bei dem blu­ti­gen An­schlag im tür­ki­schen Ga­zi­an­tep die ver­hee­ren­de Bom­be am Leib ge­tra­gen ha­ben. Die Ex­plo­si­on riss in­mit­ten ei­ner kur­di­schen Hoch­zeits­fei­er in der süd­ost­tür­ki­schen Stadt min­des­tens 51 Men­schen in den Tod, 69 wei­te­re wur­den ver­letzt. Da­bei blieb zu­nächst un­klar, ob das Kind selbst han­del­te oder ob der Spreng­satz per Fern­zün­der aus­ge­löst wor­den war. Staats­prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan sag­te, es kön­ne sich um ei­nen „Selbst­mord­at­ten­tä­ter“ge­han­delt ha­ben, der sich in die Luft ge­sprengt ha­be oder „ge­sprengt wur­de“. Ers­te Hin­wei­se deu­te­ten den Er­mitt­lun­gen zu­fol­ge dar­auf hin, dass die Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat Draht­zie­her des An­schlags war.

Istan­bul Ga­zi­an­tep, Sams­tag­nacht: Die Ama­teur­vi­de­os nach dem An­schlag auf die kur­di­sche Hoch­zeits­fei­er in der süd­tür­ki­schen Stadt sind ver­stö­rend. Frau­en lau­fen ori­en­tie­rungs­los her­um, Blut­la­chen auf dem Bo­den, zer­split­ter­te oran­ge­ne Plas­tik­stüh­le sind zu er­ken­nen, auf de­nen wohl noch we­ni­ge Mi­nu­ten zu­vor Ver­wand­te und Freun­de des Braut­paars ge­ses­sen ha­ben. Wie oft üb­lich in der Tür­kei fei­er­te das Braut­paar auf der Stra­ße: Nachbarn, Ver­wand­te, Freun­de, al­le sind da­bei. Ein At­ten­tä­ter spreng­te sich in­mit­ten der fei­ern­den Men­schen in die Luft. Ein Kind soll den An­schlag nach ers­ten Er­kennt­nis­sen durch­ge­führt ha­ben. Dass Min­der­jäh­ri­ge als Waf­fe ein­ge­setzt wer­den, kann­te man bis­her aus dem Irak und Sy­ri­en – nicht je­doch aus der Tür­kei.

Man­che tür­ki­sche Me­di­en be­rich­ten, dass es ei­ne Hen­na-Nacht war, die Nacht vor der ei­gent­li­chen Hoch­zeit, zu der sich vor al­lem Frau­en ver­sam­meln. Tat­säch­lich wa­ren nach ers­ten Be­rich­ten un­ter den mehr als 50 To­ten vie­le Frau­en und Kin­der. Das Braut­paar wur­de ver­letzt.

Steckt die Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) hin­ter dem An­schlag auf die Hoch­zeits­ge­sell­schaft? Staats­prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan sagt, ers­te Er­kennt­nis­se deu­te­ten dar­auf hin. Die Tür­kei wird im­mer wie­der von ver­hee­ren­den An­grif­fen er­schüt­tert. Teils wer­den sie von der ver­bo­te­nen kur­di­schen Ar­bei­ter­par­tei PKK ver­übt, mit der sich die Re­gie­rung im Süd­os­ten der Tür­kei blu­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen lie­fert, teils macht die Re­gie­rung den IS für zahl­rei­che At­ten­ta­te im Land ver­ant­wort­lich. Der IS hat sich bis jetzt je­doch nicht zu ei­nem ein­zi­gen An­schlag in der Tür­kei be­kannt.

Für ei­ne Ur­he­ber­schaft der Ter­ror­mi­liz spricht, dass es der IS auch in der Ver­gan­gen­heit auf Kur­den und ih­nen na­he­ste­hen­de Grup­pen ab­ge­se­hen hat­te. Im Ju­ni 2015 ver­üb­te mut­maß­lich der IS kurz vor der Par­la­ments­wahl ei­nen Bom­ben­an­schlag auf ei­ne Wahl­ver­an­stal­tung der pro-kur­di­schen HDP. Im Ju­li spreng­te sich dann ein Selbst­mord­at­ten­tä­ter in der Grenz­stadt Su­ruc in­mit­ten von lin­ken Ak­ti­vis­ten in die Luft. Die Ju­gend­li­chen woll­ten beim Auf­bau der tür­kisch-sy­ri­schen Stadt Ko­ba­ne hel­fen.

Die La­ge von Ga­zi­an­tep, nicht fern der sy­ri­schen Gren­ze, legt auch die Ver­mu­tung na­he, dass die Kon­flik­te dort im­mer wei­ter auf die Tür­kei über­grei­fen. So­wohl die kur­di­schen Volks­schutz­ein­hei­ten (YPG), der sy­ri­sche Ab­le­ger der PKK, als auch der IS kon­trol­lie­ren dort gro­ße Ge­bie­te. Al­ler­dings muss­te der IS in den letz­ten Wo­chen Ge­biets­ver­lus­te hin­neh­men. Die kur­di­schen Mi­li­zen rück­ten, un­ter­stützt durch die USA, vor und er­ober­ten die Stadt Man­bi­dsch vom IS zu­rück. De­ren Kämp­fer zo­gen sich dar­auf­hin teil­wei­se an die Gren­ze zur Tür­kei zu­rück.

Nach dem Putsch­ver­such vom 15. Ju­li war die Tür­kei zu­nächst von wei­te­ren An­schlä­gen ver­schont ge­blie­ben. Doch die Ter­ror­ge­fahr bleibt all­ge­gen­wär­tig.

Vor drei Ta­gen gab es ei­nen Au­to­bom­ben­an­schlag in der ost­tür­ki­schen Pro­vinz Van. Zwar galt der An­griff Ein­rich­tun­gen der Po­li­zei, un­ter den 4 To­ten und mehr als 70 Ver­letz­ten wa­ren aber auch Gäs­te ei­ner Hoch­zeits­fei­er. Vi­deo­auf­nah­men zeig­ten fröh­lich tan­zen­de Men­schen in ei­nem Saal, des­sen Fens­ter plötz­lich von der grel­len Ex­plo­si­on drau­ßen er­hellt und ein­ge­drückt wur­den.

Fo­to: Ilyas Aken­gin, afp

Nie­der­ge­schla­gen und fas­sungs­los sind die­se Ein­woh­ner der süd­tür­ki­schen Stadt Ga­zi­an­tep. Ei­ne Hoch­zeits­ge­sell­schaft wur­de von ei­nem Selbst­mord­at­ten­tä­ter an­ge­grif­fen, mehr als 50 Men­schen star­ben.

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