Die Bus-All­er­gie wird blei­ben

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele - VON PE­TER DEI­NIN­GER pe­de@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Um Mon­do No­vo – ei­ne neue Welt soll­te Olym­pia in Rio de Janei­ro zu Ge­sicht be­kom­men. Das Ver­spre­chen ha­ben die Bra­si­lia­ner ein­ge­löst. Es hat ja auch was, an der Co­paca­ba­na Beach­vol­ley­ball an­zu­schau­en. Zu­erst den Ca­rio­ca (sprich Ein­hei­mi­scher) am Strand, dann den sport­li­chen Spe­zia­lis­ten im Sta­di­on. Es wird un­ver­gess­lich blei­ben: 43 Mi­nu­ten Spiel, rund 240 Mi­nu­ten Nach­spiel.

Es dau­ert, bis die Gold­me­dail­len­ge­win­ner zur Ver­fü­gung ste­hen. Zu­nächst ist das Fern­se­hen an der Rei­he. Zu­erst die Right Hol­ders. Das sind die­je­ni­gen, die viel Geld für die Über­tra­gungs­rech­te be­zahlt ha­ben. Dann fol­gen die an­de­ren Sen­der und ganz zum Schluss wird die schrei­ben­de Meu­te auf die Sie­ger los­ge­las­sen. In die­sem Fall ist der An­drang groß. Da sich der Arm mit dem Auf­nah­me­ge­rät selbst mit aus­ge­dehn­ten Streck­ver­su­chen nicht na­he ge­nug an die Gold­me­dail­len­ge­win­ner her­an­brin­gen lässt, greift ein net­ter Hel­fer ein und hält es der Sie­ge­rin hin. Rund 70 Mi­nu­ten nach Spie­len­de – ge­gen zwei Uhr mor­gens Orts­zeit – sind die Zi­ta­te im Kas­ten, jetzt folgt die Bus-Heim­fahrt ins Quar­tier. Kei­ne kur­ze Sa­che. Von der Co­paca­ba­na im Sü­den bis zur Main Trans­port Mall im Wes­ten, ei­ne Art olym­pi­scher Sam­mel­bahn­hof, dau­ert es rund 90 Mi­nu­ten. Wer Glück hat, fin­det schnell An­schluss. Ich ha­be es nicht. Mein Bus nach Deo­do­ro im Nor­den geht erst in 45 Mi­nu­ten. Rio mor­gens um vier am Bus­bahn­hof kann nerv­tö­tend sein. Die letz­te Etap­pe dau­ert nur noch 35 Mi­nu­ten.

Bald wird es hell, die Dis­zi­plin „Schlaf“fällt kurz aus. Die­se Nacht war sehr spe­zi­ell, aber Rio ist Re­kord­hal­ter in Sa­chen Ent­fer­nung. Ein Olym­pia-Re­por­ter sitzt fast stän­dig im Bus. Zum Glück gibt es die App auf dem Han­dy, die zu­min­dest mit 80-pro­zen­ti­ger Tref­fer­quo­te ver­rät, wie sich am schnells­ten von A nach B kom­men lässt. Wer wie ein Hams­ter in ei­ner stän­di­gen Stadt­rund­fahrt ist, dem prä­gen sich im­mer die­sel­ben Bil­der ein. Hoch­häu­ser, ma­le­ri­sche Strand­ab­schnit­te, ma­jes­tä­ti­sche Ber­ge, no­ble Vier­tel und dann als Kon­trast das an­de­re Rio. Men­schen, die in Ab­fall­ei­mern wüh­len, in Well­blech-Wohn­höh­len oder auf der Stra­ße le­ben.

Um Mon­do No­vo – auf­wüh­len­de Bil­der für den ver­wöhn­ten Eu­ro­pä­er. Die Bus-All­er­gie wird ein An­den­ken an Rio blei­ben. Eben­so wie die all­ge­gen­wär­ti­gen Sol­da­ten mit ih­ren Ge­weh­ren, die aus Rio ei­ne Art olym­pi­sche Mi­li­tär-Welt­meis­ter­schaft ge­macht ha­ben. Die Si­cher­heit war ge­währ­leis­tet, die Ge­sund­heit nicht. Ei­ne Er­käl­tung be­hin­dert den jour­na­lis­ti­schen End­spurt. Sind nur die Kli­ma­an­la­gen schuld oder ist doch Zi­ka im Spiel? Nein, wir ha­ben es drei Wo­chen nicht ge­macht und wol­len auch jetzt aus der Mü­cke kei­nen Ele­fan­ten ma­chen.

Un­ser Re­por­ter Pe­ter Dei­nin­ger hat sich in Rio ei­ne Bus-All­er­gie ein­ge­fan­gen.

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