Was von Olym­pia bleibt

Die Spie­le ha­ben wie­der ein­mal gro­ße Hel­den er­schaf­fen – aber auch Ver­lie­rer /

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 -

Usain Bolt Olym­pia ver­liert sei­nen größ­ten En­ter­tai­ner. Sprin­ter, Spaß­vo­gel, Su­per­star. Kurz vor dem 30. Ge­burts­tag mach­te der Sprin­ter aus Ja­mai­ka sein Ver­spre­chen wahr. Triple-Triple. Wie­der Gold über 100, 200, und 4x100 m – wie 2008 und 2012. Auch der Fin­ne Paa­vo Nur­mi hat neun­mal Gold ge­won­nen, Carl Le­wis (USA) eben­so, aber Bolt über­strahlt al­les.

Micha­el Phelps Der Ame­ri­ka­ner hat ei­ni­ges falsch ge­macht. Er hat Ma­ri­hua­na ge­raucht und ist be­trun­ken Au­to ge­fah­ren. In Er­in­ne­rung wird der Schwim­mer aber als größ­ter Me­dail­len­samm­ler Olym­pi­as blei­ben. In­zwi­schen hat er 23-mal Gold ein­ge­sackt, Fünf wa­ren es in Rio de Janei­ro, mit 31 soll Schluss sein. End­gül­tig.

Se­bas­ti­an Bren­del Der Renn­ka­nu­te aus Pots­dam fand sich ein­drucks­voll mit der Fa­vo­ri­ten­rol­le zu­recht, ge­wann wie vor vier Jah­ren das Ren­nen im Ei­ner-Ca­na­di­er. Als Zu­ga­be durf­te er noch im Zwei­er star­ten und war im Ziel in ge­wohn­ter Po­si­ti­on – auf Rang eins. Zur Be­loh­nung durf­te er bei der Schluss­fei­er die deut­sche Fah­ne tra­gen.

Micha­el Jung Selbst ein er­fah­re­ner Spring­rei­ter wie Lud­ger Beer­baum staunt über die Selbst­ver­ständ­lich­keit, mit der sein Kol­le­ge aus dem schwä­bi­schen Horb in der Viel­sei­tig­keit do­mi­niert. Auf Sam ritt Jung al­len da­von, zu­sätz­lich gab es Team­sil­ber. Ver­ständ­lich, dass er nach neu­en Her­aus­for­de­run­gen sucht. Viel­leicht wird er Spring­rei­ter.

Fa­bi­an Ham­bü­chen Der klei­ne Tur­ner mit dem gro­ßen Kämp­fer­her­zen hat sich bei Olym­pia im­mer ge­stei­gert, 2004 ging er noch leer aus, dann be­gann sein Auf­schwung am Reck. Es be­gann mit Bron­ze in Pe­king, dann folg­te Sil­ber in Lon­don und nun als per­fek­ter Ab­gang in Rio Gold. Der Stu­dent an der Sport­hoch­schu­le tritt im Herbst ei­ne Stel­le aus Aus­hilfs­leh­rer an.

Sil­via Neid Die Fuß­ball-Trai­ne­rin hat den bes­ten Schluss­punkt für ih­re im­po­san­te Kar­rie­re ge­fun­den. Welt­meis­te­rin war sie, Eu­ro­pa­meis­te­rin auch. Nur Olym­pia­gold hat ge­fehlt. Nach dem 2:1 im Fi­na­le ge­gen Schwe­den kann sie sich neu­en Auf­ga­ben zu­wen­den. Sie will als Scou­tin­gSpe­zia­lis­tin Trends er­ken­nen, aber auch Ein­bli­cke in an­de­re Sport­ar­ten neh­men.

Andre­as To­ba Der Tur­ner war ein Mus­ter an Ein­satz­be­reit­schaft. Trotz ei­nes Kreuz­band­ris­ses im rech­ten Knie mach­te er noch sei­ne Übung am Pau­schen­pferd und ver­half der deut­schen Rie­ge zum Ein­zug ins Team­fi­na­le. In­zwi­schen wur­de er ope­riert und gibt sich op­ti­mis­tisch, dass er bei der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft im kom­men­den April wie­der Tur­nen kann.

Piotr Ma­la­chow­ski Der pol­ni­sche Dis­kus­wer­fer ge­wann zum zwei­ten Mal Olym­pia­sil­ber. Sei­ne Me­dail­le von Rio will er al­ler­dings nicht be­hal­ten, son­dern er lässt sie ver­stei­gern. Das Geld soll ei­nem drei­jäh­ri­gen Jun­gen hel­fen, der an ei­ner sel­te­nen Krebs­er­kran­kung lei­det. Hil­fe ver­spricht nur ei­ne teu­re Ope­ra­ti­on in den USA.

Way­de van Nie­kerk Noch nie war ein Mensch schnel­ler über die 400 m als der Süd­afri­ka­ner. Mit sei­ner Zeit von 43,03 Se­kun­den ka­ta­pul­tier­te er sich auf Platz eins der Welt­re­kord­lis­te. Das Ren­nen und der fol­gen­de Me­di­en­ma­ra­thon wa­ren of­fen­sicht­lich der­art an­stren­gend, dass er auf die 200 m ver­zich­te­te und so­gar sei­ne Sai­son für be­en­det er­klär­te.

Fe­haid Al­deeha­ni Der Olym­pia­sie­ger im Dop­pelt­rap kommt aus Ku­wait, star­te­te aber in der „Mann­schaft un­ab­hän­gi­ger Ath­le­ten“. Grund: Das IOC hat­te Ku­wait sus­pen­diert – we­gen po­li­ti­scher Ein­fluss­nah­me auf das dor­ti­ge Na­tio­na­le Olym­pi­sche Ko­mi­tee. Für Al­deeha­ni wur­de des­halb nur die olym­pi­sche Hym­ne ge­spielt. Er trug es mit Fas­sung und dank­te Al­lah schon vor dem Fi­na­le auf Kni­en.

Chris­toph Har­ting Sprang als Olym­pia­sie­ger in die Bre­sche für sei­nen we­gen He­xen­schuss ver­hin­der­ten Bru­der Ro­bert. Der Dis­kus­wer­fer fiel durch un­ge­wöhn­li­ches Ver­hal­ten bei der Sie­ger­eh­rung auf und woll­te sich an­schlie­ßend nicht zum „Me­di­en­hengst“ma­chen las­sen. Spre­chen so Ath­le­ten ei­ner Sport­art, in der stän­dig dar­über ge­klagt wird, dass es zu we­nig Auf­merk­sam­keit gibt?

Ryan Loch­te Der US-Schwim­mer ist sechs­fa­cher Olym­pia­sie­ger und ein mä­ßig ta­len­tier­ter Ge­schich­ten­er­zäh­ler. Die Darstel­lung von ei­nem an­geb­li­chen Über­fall von als Po­li­zis­ten ver­klei­de­ten Räu­bern, die sich als falsch her­aus­ge­stellt hat, kann ernst­haf­te Fol­gen ha­ben. Jetzt soll ein Be­ra­ter von Pop­star Jus­tin Bie­ber den PR-Scha­den be­he­ben hel­fen.

Mar­co Koch Der Schwim­mer aus Darm­stadt hat sich nichts zu­schul­den kom­men las­sen. Höchs­tens, dass er auf Rang sie­ben aus­ge­rech­net bei den Spie­len in Rio de Janei­ro viel zu lang­sam war. Der Welt­meis­ter von 2015 über 200 m Brust ist das per­so­ni­fi­zier­te Bei­spiel für das Kom­plett­ver­sa­gen der deut­schen Zunft der Bah­nen­schwim­mer.

Jew­ge­ni Tischt­schen­ko Der rus­si­sche Bo­xer ge­wann Gold in der Klas­se bis 91 Ki­lo­gramm – fälsch­li­cher­wei­se wie fast al­le Zu­schau­er fan­den. Ei­ni­ge Kampf­rich­ter über­trie­ben es der­art mit merk­wür­di­gen Ent­schei­dun­gen, dass sie vom Welt­ver­band ab­be­ru­fen wur­den. Der Ire Micha­el Con­lan hat sei­ne ei­ge­ne Mei­nung von der AIBA. „Al­les kor­rup­te Bas­tar­de.“

Je­le­na Isin­ba­je­wa Die St­ab­hoch­sprung-Se­ri­en­sie­ge­rin steigt um. Als neu­es Mit­glied der Ath­le­ten­kom­mis­si­on im IOC will die Rus­sin um die Re­pu­ta­ti­on ih­res Hei­mat­lan­des kämp­fen. Den Aus­schluss der Leicht­ath­le­ten we­gen Staats­do­pings hält sie nach wie vor für falsch. „Das sind al­les nur Ver­mu­tun­gen.“Prä­si­dent Pu­tin wird sich über so viel Pa­trio­tis­mus freu­en. Mi­chel Te­mer Der In­te­rims­prä­si­dent Bra­si­li­ens ist in sei­nem Land noch viel un­be­lieb­ter als ein Aus­län­der, der ei­nem hei­mi­schen Ath­le­ten ei­ne Me­dail­le strei­tig ma­chen will. Ihm wird un­kor­rek­tes po­li­ti­sches Ver­hal­ten vor­ge­wor­fen. Bei der Er­öff­nungs­fei­er gab es ein Pfeif­kon­zert, des­halb woll­te Te­mer nicht zur Schluss­fei­er am Sonn­tag er­schei­nen.

Max Hartung Der Sä­bel­fech­ter steht für die Kri­se ei­ner gan­zen Bran­che. Die deut­schen Fech­ter, frü­her eif­ri­ge Me­dail­len­samm­ler, gin­gen in Bra­si­li­en zum ers­ten Mal seit mehr als 30 Jah­ren bei Olym­pia leer aus. Oh­ne­hin nur noch mit ei­ner Mi­ni­mann­schaft qua­li­fi­ziert, konn­ten nicht ein­mal die Sä­bel­spe­zia­lis­ten für ei­nen klei­nen Hoff­nungs­schim­mer sor­gen.

Ja­mes Hi­ckey Der Ire ge­hört zu den ein­fluss­reichs­ten Olym­pi­ern an der Sei­te von IOC-Chef Bach. Er ist Fünf-Ster­ne-Ho­tels ge­wöhnt, sitzt der­zeit al­ler­dings im Ge­fäng­nis. Dem 71-Jäh­ri­gen wird vor­ge­wor­fen, in Ge­schäf­te mit über­teu­er­ten Ein­tritts­kar­ten ver­wi­ckelt zu sein.

Is­sat Ar­ty­kov Der ers­te Do­ping­fall in Rio be­trifft das Ge­wicht­he­ben. Kei­ne Über­ra­schung. Der Bron­ze­ge­win­ner in der Klas­se bis 69 kg kommt aus Kir­gi­si­en. Auch kei­ne Über­ra­schung. Die rus­si­schen He­ber durf­ten nicht an­tre­ten, in den frü­he­ren So­wjet­re­pu­bli­ken wird aber auch flei­ßig ma­ni­pu­liert. Ar­ty­kov ex­pe­ri­men­tier­te mit Rat­ten­gift.

Cars­ten Sost­mei­er Fach­kom­pe­tenz und gu­ter Stil müs­sen nicht au­to­ma­tisch zu­sam­men­ge­hö­ren. Der

ver­ga­lop­pier­te sich in sei­ner Wort­wahl, als er der Rei­te­rin Ju­lia Kra­je­w­ski „ei­nen brau­nen Strich in der Ho­se“im Ge­län­de­ritt der Viel­sei­tig­keit un­ter­stell­te. Die flap­si­gen Sprü­che ka­men nicht gut an, die Rei­te­rin nahm die Ent­schul­di­gung nicht an.

Fo­to: afp

Auch in Rio die Num­mer eins der olym­pi­schen Hel­den: der Sprin­ter, Spaß­vo­gel und Su­per­star Usain Bolt.

33 34 39 106 20 23 23 66 13 11 16 40 50 37 42 129 40 25 25 90 10 12 17 39

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