Ka­nu­ten fei­ern mit Cai­pi­rin­ha

Mit zwei Gold­me­dail­len ist Se­bas­ti­an Bren­del der her­aus­ra­gen­de Ath­let in die­ser Sport­art. Er und sei­ne Kol­le­gen ret­ten die deut­sche Me­dail­len­bi­lanz – mal wie­der

Friedberger Allgemeine - - Olympische Spiele 2016 -

Rio de Janei­ro Mit Bier und Cai­pi­rin­ha-Cock­tails stie­ßen die deut­schen Ka­nu­ten spät­abends auf ihr Me­dail­len-Spek­ta­kel in Rio an, der Ver­bands­chef pack­te ku­ba­ni­sche Edel-Zi­gar­ren aus. Vier Mal Gold und ins­ge­samt sie­ben Po­dest­plät­ze – die stärks­te olym­pi­sche Aus­beu­te der Renn­padd­ler seit At­hen 2004 wur­de bis tief in die Nacht zum Sonn­tag aus­gie­big be­gos­sen und ge­fei­ert. „Wir ar­bei­ten flei­ßig und ha­ben an­schei­nend das rich­ti­ge Kon­zept, um im­mer wie­der er­folg­reich zu sein“, ur­teil­te Dop­pel-Olym­pia­sie­ger Se­bas­ti­an Bren­del.

Wie bis­her bei al­len Som­mer­spie­len seit der Wie­der­ver­ei­ni­gung war der Deut­sche Ka­nu-Ver­band der stärks­te deut­sche Fach­ver­band. „Es ist nicht das ers­te Mal, dass wir die Koh­len aus dem Feu­er ho­len. Seit vie­len Jah­ren klappt es ja bei uns“, sag­te Bren­del. Der Pots­da­mer tri­um­phier­te nach sei­nem Sieg im Ca­na­di­er-Ei­ner am Sams­tag auch noch mit Jan Vand­rey im Zwei­er über 1000 Me­ter. Noch über­le­ge­ner fiel der Sieg des Ka­jak-Vie­rers der Män­ner aus, durch den sich am letz­ten Wett­kampf­tag auch die Zwei­erGold­ge­win­ner Max Rend­schmidt und Mar­cus Groß je­weils zu Dop­pel-Olym­pia­sie­gern kür­ten.

„Ich bin zu­tiefst be­ein­druckt von euch“, ge­stand Ver­bands­chef Tho­mas Ko­nietz­ko sei­nen Olym­pia­P­add­lern am Abend in ei­ner An­spra­che. Der im Fe­bru­ar ab­tre­ten­de und leicht er­käl­te­te Bun­des­trai­ner Rei­ner Kieß­ler be­dank­te sich mit hei­se­rer Stim­me bei sei­nem 13-köp­fi­gen Team, in dem nur zwei Sport­ler ganz oh­ne Olym­pia-Me­dail­le blie­ben. „Ihr habt mich sprach­los ge­macht“, kom­men­tier­te Kieß­ler emo­tio­nal be­rührt.

Ih­re ein­drucks­vol­le Rio-Bi­lanz kam den deut­schen Renn­ka­nu­ten selbst un­wirk­lich vor. „Ein­fach un­glaub­lich“, kon­sta­tier­te Bren­del, der im Ca­na­di­er-Zwei­er mit Vand­rey über­haupt nur dank ei­nes Olym­pia-Aus­schlus­ses der weiß­rus­si­schen Män­ner an den Start hat­te ge­hen kön­nen. „Wir sind erst zum zwei­ten Mal zu­sam­men ge­fah­ren. Zwei­tes Ren­nen, ers­ter Sieg – viel­leicht sind wir jetzt öf­ters im Zwei­er un­ter­wegs“, kün­dig­te der Aus­nah­me­ka­nu­te au­gen­zwin­kernd an.

Dass er dann auch noch deut­scher Fah­nen­trä­ger bei der Schluss­fei­er war, mach­te Se­bas­ti­an Bren­del selbst ganz baff. „Das ist die Wo­che mei­nes Le­bens, das wird mir im­mer in Er­in­ne­rung blei­ben“, schwärm­te der Aus­nah­me­ka­nu­te. Die Nach­richt der No­mi­nie­rung als Fah­nen­trä­ger er­reich­te den Pots­da­mer am Sams­tag we­ni­ge Mi­nu­ten nach sei­nem zwei­ten Sieg in Rio.

Olym­pia­sie­ger 2012, Dop­pelOlym­pia­sie­ger 2016, fünf­ma­li­ger Welt­meis­ter, Eu­ro­pa­spie­le-Sie­ger 2015, et­li­che EM-Ti­tel – Bren­del ver­kör­pert seit lan­gem wie kein an­de­rer Ka­nu­te den Er­folg. Und steht doch im­mer dann, wenn nicht gera­de Olym­pia an­steht, au­ßer­halb des Ram­pen­lichts. Ma­xi­mal bei Welt­meis­ter­schaf­ten re­gis­triert die Öf­fent­lich­keit Bren­dels Sie­ge – bei Welt­cups oder deut­schen Meis­ter­schaf­ten sind die Ka­nu­ten in Zei­tun­gen, In­ter­net, Hör­funk und Fern­se­hen meist au­ßen vor.

Viel­leicht war auch das ein Grund, wes­halb Bren­del am Di­ens­tag nach sei­nem Olym­pia­sieg im Ca­na­di­er-Ei­ner über 1000 Me­ter sei­ne Zu­kunft im Pad­delsport selbst ein we­nig in­fra­ge stell­te. Erst kom­men­des Jahr wol­le er ei­ne Ent­schei­dung über die Zeit da­nach tref­fen, hat­te der 28-Jäh­ri­ge ge­sagt – und mit die­sen selbst aus­ge­lös­ten Rück­tritts­Spe­ku­la­tio­nen auch sei­nen Ver­band über­rascht.

Kurz dar­auf aber er­klär­te er die Som­mer­spie­le 2020 in To­kio auch zur Er­leich­te­rung von Ver­bands­chef Tho­mas Ko­nietz­ko zu sei­nem neu­en Ziel.

Fo­to: Lu­kas Coch, dpa

Se­bas­ti­an Bren­del (vor­ne) und Jan Vand­rey hol­ten sich Gold im Ca­na­di­er-Zwei­er. Für die bei­den war es erst das zwei­te ge­mein­sa­me Ren­nen – mög­li­cher­wei­se war es aber nicht das letz­te mal, dass sie zu­sam­men ins Boot ge­stie­gen sind.

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