Si­mon bleibt am Ball

Der ver­un­glück­te Fuß­ball-Fan macht Fort­schrit­te. Doch sei­ne The­ra­pie ist in Ge­fahr

Friedberger Allgemeine - - Sport Regional - VON RO­BERT GÖTZ

„Bleib am Ball, Si­mon“stand auf der Zaun­fah­ne, die am Frei­tag vor dem Po­kal­spiel an der Ab­sper­rung des Gäs­te­blocks des FC Augs­burg im Pful­len­dor­fer Sta­di­on aus­ge­rollt war. Die FCA-Ul­tras dach­ten auch vor dem ers­ten Pflicht­spiel der Sai­son an ih­ren Freund. Der da­mals 18-Jäh­ri­ge war im Sep­tem­ber 2015 als Bei­fah­rer zu­sam­men mit vier Freun­den bei der Rück­fahrt vom Aus­wärts­spiel bei Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach mit dem Au­to schwer ver­un­glückt. Zwei In­sas­sen star­ben, Si­mon er­litt schwe­re Ge­hirn­ver­let­zun­gen und kämpft seit­dem um die Rück­kehr in ein nor­ma­les Le­ben.

Seit fünf Mo­na­ten wird Si­mon in Bur­gau in ei­ner Spe­zi­al­kli­nik für Hirn­ge­schä­dig­te be­han­delt. Und macht da­bei kon­ti­nu­ier­lich Fort­schrit­te. Die Ärz­te hat­ten kurz nach dem Un­fall ge­mut­maßt, dass Si­mon wo­mög­lich ein schwe­rer Pfle­ge­fall blei­ben könn­te. Doch Si­mon über­rascht al­le. „Jetzt kann er schon wie­der selbst­stän­dig es­sen“, freut sich sei­ne Mut­ter Ma­ri­on Schön­le. „Er braucht kei­ne Son­den­nah­rung mehr. Es ist zwar noch al­les pü­riert, doch er haut rein wie ein Scheu­nendre­scher“, er­zählt sie. Doch das sei noch nicht al­les. Si­mon kön­ne am Com­pu­ter schon wie­der le­sen, und im Zah­len­raum bis 100 rech­nen.

Auch ers­te Steh­ver­su­che mit­hil­fe der The­ra­peu­ten ha­be er schon ge­macht. „Er ist ein er­wach­se­ner Mann, der ge­wis­se Din­ge, die in sei­nem Ge­hirn ab­ge­spei­chert wer­den, noch nicht ab­ru­fen kann“, be­schreibt Schön­le den Zu­stand ih­res Soh­nes. „Die The­ra­peu­ten in Bur­gau sind hoch­zu­frie­den.“Doch al­le vier Wo­chen wird Si­mon von ei­nem Gut­ach­ter der Ver­si­che­rung des Un­fall­ver­ur­sa­chers, die die Kos­ten trägt, un­ter­sucht. Die­se Un­ter­su­chung schwebt wie ein Da­mokles­schwert über dem Schick­sal von Si­mon. „Es müs­sen je­des Mal Fort­schrit­te do­ku­men­tiert wer­den kön­nen, die zei­gen, dass er selbst­stän­di­ger wird. Wenn nicht, dann droht es, dass Si­mon ent­las­sen wird“, er­zählt Schön­le. Sie müss­te Si­mon mit nach Hau­se neh­men, oder in ein Pfle­ge­heim ge­ben. Ei­ne wei­te­re in­ten­si­ve The­ra­pie wä­re ge­fähr­det.

Der Su­per-Gau für Si­mon: „Wenn man ihn nicht wei­ter the­ra­piert, kann es auch Rück­schrit­te ge­ben. Er braucht im­mer In­put. Für ihn ist es das Wich­tigs­te“, sagt Schön­le. Die mo­nat­li­che Fall­kon­fe­renz ist für sie ei­ne nerv­li­che Ex­trem­be­las­tung. Da tut je­de Un­ter­stüt­zung gut. Wie die der mo­ra­li­sche Ul­tras oder die des FCA. Der Bun­des­li­gist ver­kauft die Tri­kots von To­bi­as Wer­ner mit der Num­mer 13 wei­ter, ob­wohl der zum VfB Stutt­gart ge­wech­selt ist. Der Er­lös kommt Si­mon zu­gu­te. „ Sol­che Ak­tio­nen sind echt der Wahn­sinn“, ist Schön­le mehr als dank­bar. Sie ver­spricht: „Si­mon bleibt am Ball.“

Fo­to: Chris­ti­an Kol­bert

Die FCA-Ul­tras un­ter­stüt­zen ih­ren ver­un­glück­ten Freund Si­mon mit­tels ei­ner rie­si­gen Zaun­fah­ne.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.