Von „Bla­bla­bla“bis „Mis­si­on Con­trol“

Vie­le Augs­bur­ger ha­ben sich krea­ti­ve Na­men für ih­re häus­li­chen WLAN-Netz­wer­ke aus­ge­dacht. Ein Rund­gang durch die Stadt sorgt für viel Spaß und ei­ni­ge Spe­ku­la­tio­nen

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON MA­RI­US ECKERT

Hei­mat ist für die heu­ti­ge Ge­ne­ra­ti­on, wenn sich das Han­dy oder der Lap­top au­to­ma­tisch mit dem WLAN-Netz­werk ver­bin­det. Vie­le Netz­wer­ke hei­ßen dann WLAN-E0273 oder Fritz!Box. Das ist prag­ma­tisch, aber lang­wei­lig und nicht be­son­ders in­di­vi­du­ell. An­de­re sind bei der Na­mens­ge­bung hin­ge­gen sehr krea­tiv. Wenn man al­so die Su­che nach ver­füg­ba­ren Net­zen auf sei­nem Han­dy star­tet und durch die In­nen­stadt läuft, be­geg­net man ei­ni­gen au­ßer­ge­wöhn­li­chen Na­men auf dem Dis­play.

„Wer das liest ist doof“, kla­re Aus­sa­ge. Hier möch­te je­mand even­tu­el­len In­ter­net-Schnor­rern eins aus­wi­schen. Ob das auch für Be­su­cher gilt? An­ders ist da das Netz­werk „Gast­freund­schaft“. Das ist of­fen­sicht­lich für al­le zu­gäng­lich, die den Haus­halt be­su­chen. Al­ler­dings nicht für die Öf­fent­lich­keit. Es ist mit ei­nem Pass­wort ge­schützt. Da hat die Gast­freund­schaft wohl ein En­de. Glei­ches gilt für „Free WiFi“. Auch pass­wort­ge­schützt. Da ver­spricht der Na­me et­was, das er nicht hält. Fans der Se­rie „Ga­me of Thro­nes“ha­ben ihr Netz­werk „Win­ter­net is co­m­ing“ge­nannt. Das ist der Na­me der ers­ten Fol­ge. In der Alt­stadt fin­det man das „Bay­ri­sche Schutz­ge­biet“. Ver­sucht dort je­mand, die Po­pu­la­ti­on des in der Schwa­ben­me­tro­po­le ge­fähr­de­ten Bay­ern zu er­hal­ten? Nicht un­weit die­ses Netz­werks fin­det sich der Na­me „Schlacht­hof“. Ob da ein Zu­sam­men­hang be­steht? Und was wird sonst in der Alt­stadt ge­schlach­tet? Viel­leicht ist das auch ein­fach der Na­me ei­ner Band, die der Be­sit­zer mag. Auch ei­ne „Rau­cher­zo­ne“gibt es in der Alt­stadt. Man sieht die Rau­cher zwar nicht, aber sie ha­ben ihr ei­ge­nes Netz­werk. So kann man beim Rau­chen gleich was ge­gen den Hus­ten be­stel­len.

So sim­pel wie wit­zig sind Na­men wie „Bla­Bla­Bla“oder „pa­pa­la­papp“. Ein­fach aus­ge­dacht, aber trotz­dem aus der Mas­se her­aus­ste­chend. So kann man auch oh­ne viel Auf­wand ei­nen in­di­vi­du­el­len Na­men fin­den. Oder aber das Netz ein­fach „Das Netz“zu nen­nen. Ein so­li­der Na­me ist auch „WIRATHOME“. Kurz, prä­gnant und in Groß­buch­sta­ben. Das sticht aus der Mas­se her­aus und be­schreibt tref­fend die La­ge. Hier möch­te je­mand Be­sitz­an­sprü­che deut­lich ma­chen. Das Zen­trum ei­nes Haus­halts stellt der Rou­ter „Mis­si­on Con­trol“dar. Hier wird wohl viel über das In­ter­net ge­re­gelt, wenn das WLAN die Kon­trol­le hat.

Je­mand, der an­schei­nend viel vom Bett aus im In­ter­net un­ter­wegs ist, hat sein Netz­werk „od­da1“ge­nannt. Das ist auch der Na­me ei­nes Bett­ge­stells von Ikea. War­um die Eins da­hin­ter steht, bleibt of­fen. Viel­leicht war od­da in der Nach­bar­schaft schon ver­ge­ben. Bet­ten gibt es schließ­lich noch mehr als In­ter­ne­t­rou­ter.

Tier­freun­de sind wohl dort zu­hau­se, wo der Rou­ter „Car­loMaunz“heißt. Sieht ganz so aus, als ob ein Ka­ter der Herr des Hau­ses ist. Er wird selbst im Na­men des Netz­werks ge­ehrt. Auch „Dol­phin“ist ein WLAN-Na­me für Tier­fans.

Man­che Augs­bur­ger sind nicht ganz so krea­tiv, wer­fen aber für Au­ßen­ste­hen­de trotz­dem Fra­gen auf. „Ga­b­rie­le“ist der Na­me des Netz­werks. Ist das die Be­sit­ze­rin, die bes­te Freun­din oder die gro­ße Lie­be? Man kann nur spe­ku­lie­ren. Glei­ches gilt für „MAUSI“. Wer ist Mausi und war­um hat der Be­sit­zer sein Netz­werk so ge­nannt? Oder ist das WLAN sein Mausi?

An­de­re Be­woh­ner aus der In­nen­stadt fin­den das In­ter­net „sehr­sehr­geil“und ha­ben prompt den Rou­ter so ge­nannt. Ganz nah bei­ein­an­der fin­den sich „High­power“und „Low­power“. Ge­hö­ren die­se Rou­ter zum sel­ben Haus­halt oder hat sich da ei­ner vom an­de­ren in­spi­rie­ren las­sen? Oder ha­ben sich zwei Freun­de ab­ge­spro­chen?

Ei­ne Wohn­ge­mein­schaft zeigt sich selbst­be­wusst und nennt ihr Netz­werk „cools­teWG“. Ob das stimmt, sei da­hin­ge­stellt, aber die Be­woh­ner schei­nen mit sich zu­frie­den zu sein. An­ders die Nut­zer des Netz­werks „WG“. Sie sind eher prak­tisch ori­en­tiert. Das Netz­werk ei­nes an­de­ren Be­sit­zers ist da­ge­gen „Ir­gend­wie An­ders“. Ist der Rou­ter jetzt be­son­ders, das In­ter­net oder die Men­schen, de­nen er ge­hört? Vie­le Fra­gen, kei­ne Ant­wor­ten. Das ist auch bei „The bo­dy of the sa­rot­ti“der Fall. Ist da­mit die Scho­ko­la­de ge­meint? Und was soll der Kör­per sein? Ein wei­te­res Rätsel. Ech­te Augschbur­ger woh­nen auch in der In­nen­stadt, das er­kennt man so­fort bei Na­men wie „Stin­ke­ka­es“und „Zip­fie­klat­scher“. Da über­kommt ei­nem als Augs­bur­ger doch gleich Hei­mat­ge­fühl. Auch ein Lä­cheln kann man sich nicht ver­knei­fen. Der bes­te Na­me für ein WLAN-Netz­werk ist aber im­mer noch „Augs­burg“. Das sagt al­les, was man wis­sen will. Glück­wunsch an die Na­mens­ge­ber.

Mon­ta­ge: Ro­bin Popp

„Bla­Bla­Bla“, „Baye­ri­sches Schutz­ge­biet“oder ein­fach „Das Netz“: Vie­le Augs­bur­ger ge­ben ih­ren In­ter­net-Netz­wer­ken zu­hau­se wit­zi­ge oder krea­ti­ve Na­men. Ein Rund­gang mit dem Smart­pho­ne durch die In­nen­stadt för­der­te sie zu­ta­ge.

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