Ei­ne tra­gi­ko­mi­sche Hel­din aus Frank­reich

Der Film „Die fast per­fek­te Welt der Pau­li­ne“lief vor­ab im Lech­flim­mern. Die Haupt­fi­gur ist ein lie­bens­wür­di­ger Toll­patsch. Auf ei­ner Müll­hal­de kommt de­ren Le­ben ge­hö­rig durch­ein­an­der

Friedberger Allgemeine - - Feuilleton Regional - VON STE­FA­NIE SCHOENE

Wer sich am Wo­che­n­en­de für die Pre­view von „Die fast per­fek­te Welt der Pau­li­ne“beim Lech­flim­mern im Plär­rer­bad ent­schied, hat­te al­les rich­tig ge­macht. Das Wet­ter pass­te und der Strei­fen hielt, was Tra­gi­ko­mö­di­en so ver­spre­chen: Lus­ti­ge, an­rüh­ren­de Miss­ge­schi­cke und ei­ne ver­wi­ckel­te Lie­bes­ge­schich­te.

Wie es sich für ei­ne Ko­mö­die ge­hört, ist die Haupt­fi­gur ei­ne An­ti­hel­din. Ein lie­bens­wür­di­ger Toll­patsch, et­was ver­wirrt, je­doch oh­ne ei­gen­süch­ti­ge Mo­ti­ve. Als 38-jäh­ri­ge Single­frau bringt Pau­li­ne ihr Le­ben mit En­ter­tain­ment für Kin­der­ge­burts­ta­ge und Se­nio­ren­fei­ern mehr schlecht als recht über die Run­den. Sin­gen kann sie kaum, Gei­ge spie­len auch nicht und selbst die Kin­der neh­men sie nicht ernst.

In die­ses Psy­cho­gramm ein­ge­führt, be­glei­tet der Zu­schau­er Pau­li­ne auf ei­ne Müll­hal­de. Sie hat sich ver­fah­ren, such­te ei­gent­lich die Adres­se ih­res nächs­ten Auf­tritts. Im Hin­ter­grund räumt je­mand Din­ge hin und her. Pau­li­ne geht auf den Mann zu und setzt da­mit die dra­ma­tisch-ko­mi­sche Ge­schich­te in Gang. Der Mann stürzt vor Schreck nach hin­ten in ei­nen Müll­con­tai­ner. Sie ruft den Kran­ken­wa­gen, ver­lässt je­doch im Schock die Müll­kip­pe und fährt zum Ver­ein „Ar­mes Elend“, des­sen Se­nio­ren schon auf ih­re Un­ter­hal­tungs­küns­te war­ten.

Als Pau­li­ne aus den Me­di­en er­fährt, dass der Ver­un­glück­te im Kran­ken­haus liegt, be­ginnt sie ei­ne rüh­ren­de Li­ai­son zu dem un­be­kann­ten Mann im Ko­ma auf­zu­bau­en. Die Ka­me­ra folgt ihr in das pie­pen­de In­ten­siv­zim­mer, be­ob­ach­tet ih­re zar­te Hin­wen­dung zu dem schla­fen­den Mann mit Na­men Fa­b­ri­ce. Pau­li­ne fin­det sei­ne Woh­nung, bricht sie auf und be­ginnt, sich mit ei­ner Mi­schung aus Schuld­ge­füh­len und Neu­gier tief in sein Le­ben ein­zu­nis­ten. So­gar sei­nen Job als Ge­s­angs­leh­rer über­nimmt sie. Wei­te­re Ab­sur­di­tä­ten wie Spleen – Fa­b­ri­ces ver­letz­ter Hund – und sei­ne Ex, die den ge­mein­sa­men Sohn fürs Wo­che­n­en­de bei ihr ab­lie­fert, brin­gen Tem­po in die Ge­schich­te. Zwi­schen Pau­li­ne und dem Sohn ent­wi­ckelt sich eben­falls ei­ne ver­trau­te Be­zie­hung, nach­dem die­ser ih­re Lü­gen­ge­schich­ten über den Ver­bleib sei­nes Va­ters ent­larvt hat.

Na­tür­lich wacht Fa­b­ri­ce ir­gend­wann auf und will die un­be­kann­te Hel­fe­rin ken­nen ler­nen. Doch auch mit Lob und Dank kann Pau­li­ne nicht um­ge­hen, sie nimmt Reiß­aus und schickt ei­ne Freun­din vor. Erst ein wei­te­rer Zu­fall zwingt sie, den tra­gi­schen Toll­patsch in sich nie­der zu rin­gen und sich vor Fa­b­ri­ce zu ou­ten. Re­gis­seu­rin Ma­rie Bel­hom­me hat nach ei­nem Kurz- und ei­nem Spiel­film jetzt ei­ne lo­cke­re, frei­mü­ti­ge Ko­mö­die vor­ge­legt. In ih­ren Po­in­ten zwar et­was vor­her­seh­bar, aber dank der über­zeu­gen­den Isa­bel­le Car­ré als Pau­li­ne auch ein tief­grün­di­ges Stück über per­sön­li­che La­de­hem­mun­gen und ab­sur­de Ha­ken, die das Le­ben schlägt.

Film­start am 25. Au­gust

Fo­to: Neue Vi­sio­nen Film­ver­leih

Fa­b­ri­ce (Phil­ip­pe Reb­bot) hat Pau­li­ne (Isa­bel­le Car­ré) an­ge­tan. „Die fast per­fek­te Welt der Pau­li­ne“läuft am Don­ners­tag an.

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