Är­ger um Lärm am Eli­as-Holl-Platz

Die Flä­che un­ter dem Rat­haus wur­de für viel Geld neu ge­stal­tet. Sie soll als Ru­he­zo­ne die­nen. Das ist schief ge­gan­gen, denn Ju­gend­li­che ha­ben sie für sich ent­deckt. Der Rats­kel­ler stell­te des­halb schon Si­cher­heits­leu­te an

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON STE­FAN KROG

Kon­zi­piert ist der Eli­as-Holl-Platz, der 2013/14 für 1,87 Mil­lio­nen Eu­ro sa­niert wur­de, als „stil­ler Platz“, auf dem we­nig Ver­an­stal­tun­gen statt­fin­den sol­len und der ein Ort der Ru­he in der In­nen­stadt sein soll. Seit die­sem Früh­jahr ist das al­ler­dings nicht mehr der Fall, weil fast je­den Nach­mit­tag und Abend Ju­gend­li­che Bän­ke und Platz be­völ­kern. Das al­lein wä­re kein Pro­blem, doch die Grup­pen be­schal­len den Platz teils mit Mu­sik aus trag­ba­ren Laut­spre­chern, die ans Han­dy an­ge­schlos­sen wer­den. Mit dem Fe­ri­en­be­ginn bes­ser­te sich die Si­tua­ti­on, doch wie es da­nach wei­ter­geht, ist un­ge­wiss.

Der Rats­kel­ler hat seit dem Früh­som­mer an meh­re­ren Ta­gen pro Wo­che ei­nen Si­cher­heits­dienst en­ga­giert, der da­für sorgt, dass sich nie­mand auf der Frei­trep­pe zur Ter­ras­se nie­der­lässt. „Die Si­tua­ti­on ist un­schön“, sagt Rats­kel­ler-Ge­schäfts­füh­rer Oli­ver Gan­te­för. Gäs­te hät­ten sich teils durch Mu­sik ge­stört ge­fühlt.

Die Frei­trep­pe zur Ter­ras­se, die laut Lie­gen­schafts­re­fe­rat Teil der ver­pach­te­ten Flä­che ist, war als Er­geb­nis ei­nes Ar­chi­tek­ten­wett­be­werbs im Zug der Sa­nie­rung ent­stan­den, um Platz und Ter­ras­se zu ver­bin­den und die Auf­ent­halts­qua­li­tät zu er­hö­hen. Ge­dacht sei­en die Stu­fen auch als Sitz­flä­che, so das Stadt­pla­nungs­amt.

In der Pra­xis ge­stal­tet sich das aber schwie­ri­ger als auf den schö­nen Il­lus­tra­tio­nen, mit de­nen die Stadt für den Um­bau ge­wor­ben hat­te. Teils wird Al­ko­hol auf dem Platz ge­trun­ken, wo­bei die Si­tua­ti­on dort aus Sicht der Po­li­zei nicht auf­fäl­lig ist. Al­ler­dings sei man in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten öf­ters we­gen Ru­he­stö­rung ge­ru­fen wor­den. Nachbarn be­kla­gen sich, dass der Lärm sie bis zum frü­hen Mor­gen beim Schla­fen stört.

Auch im Ord­nungs­re­fe­rat hat man die Si­tua­ti­on re­gis­triert. Ord­nungs­re­fe­rent Dirk Wurm (SPD) sieht Hand­lungs­be­darf, will die An­ge­le­gen­heit aber auch nicht zu hoch hän­gen. „Es han­delt sich um Ju­gend­li­che, die sich hin­set­zen. So­lan­ge kei­ne Ord­nungs­wid­rig­keit be­gan­gen wird, gibt es auch kei­ne recht­li­che Hand­ha­be.“Selbst wenn Al­ko­hol in der Öf­fent­lich­keit ge­trun­ken wird, sei dies nur sank­tio­nier­bar, wenn es den öf­fent­li­chen Frie­den stört.

Seit dem 1. Mai ist der Ord­nungs­dienst auf sei­nen Strei­fen min­des­tens ein­mal täg­lich am Holl- und am Rat­haus­platz prä­sent. Auch dort gibt es Ju­gend­li­che, die auf dem Geh­weg am Ver­wal­tungs­ge­bäu­de sit­zen, teils eben­falls mit Mu­sik. „Die Mit­ar­bei­ter bit­ten die Ju­gend­li­chen dar­um, Rück­sicht auf an­de­re zu neh­men. Das klappt in neun von zehn Fäl­len auch“, be­rich­tet Wurm. Un­ter an­de­rem ver­su­che man die Ni­sche am Rat­haus­platz, in der Brief­kas­ten und Te­le­fon­zel­le un­ter­ge­bracht sind, er­reich­bar zu hal­ten. „Auf Plät­zen, die tou­ris­tisch stark fre­quen­tiert sind, fal­len sol­che Grup­pen si­cher auch stär­ker auf“, sagt Wurm.

Bei ei­nem run­den Tisch mit Po­li­zei, So­zi­al­re­fe­rat, So­zi­al­ver­band SKM und Stadt­ju­gend­ring (SJR) ka­men die Be­tei­lig­ten vor Kur­zem über­ein, dass die Plät­ze stär­ker von ei­nem Street­wor­ker be­sucht wer­den sol­len. Ab Sep­tem­ber ist ei­ne Stel­le für Augs­burg-Mit­te beim SJR wie­der be­setzt. Die Plät­ze sol­len ei­ne Auf­ga­be für das Street­work sein.

Ge­ne­rell, merkt Wurm an, müs­se man beim Städ­te­bau auch dar­über nach­den­ken, wie Plät­ze in ei­ner Groß­stadt denn be­völ­kert wer­den und wel­che Kon­se­quen­zen das hat. Ein Bei­spiel dürf­te der neue Kö­nigs­platz sein, wo ne­ben Fa­mi­li­en und Leu­ten auf Ein­kaufs­tour, die sich ei­ne Ver­schnauf­pau­se gön­nen, auch Mit­glie­der der Dro­gen- oder Trin­ker­sze­ne sit­zen. Es ge­he nicht dar­um, Rand­grup­pen zu ver­drän­gen, so Wurm. Gleich­zei­tig dür­fe es nicht pas­sie­ren, dass ein­zel­ne Grup­pen Plät­ze prak­tisch ver­ein­nah­men. „Ein An­satz wä­re, Plät­ze re­gel­mä­ßig mit Pro­gramm zu be­spie­len.“Dann fühl­ten sich al­le Bür­ger wohl. Auch für den Holl-Platz sei das denk­bar. »Kom­men­tar

Fo­to: An­ne Wall

Jun­ge Leu­te hö­ren ger­ne laut Mu­sik. Am Eli­as-Holl-Platz sorgt das für Är­ger bei An­woh­nern, Pas­san­ten und Gäs­ten des Rats­kel­lers.

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