Fi­scher „fängt“nack­ten Schwim­mer

Als ein Augs­bur­ger im Kai­ser­see ba­den geht, hat er plötz­lich ei­nen An­gel­ha­ken im emp­find­lichs­ten Teil sei­nes Kör­pers. Sein Aus­flug en­det in der Not­auf­nah­me

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON UTE KROGULL

Zu­erst dach­te Her­bert Fendt*, er sei in ein Ge­flecht von Sch­ling­pflan­zen ge­ra­ten. Doch dann merk­te der Ba­de­gast im Kai­ser­see, dass ihm ein wirk­li­ches Mal­heur pas­siert war: Ein An­gel­ha­ken hat­te sich am emp­find­lichs­ten Teil sei­nes Kör­pers ver­hakt. „Ich schrie: ,Nicht zie­hen!‘ und schwamm zu dem Mann ans Ufer“, er­zählt er. Was war pas­siert?

Die Ge­schich­te be­ginnt an ei­nem schö­nen Som­mer­tag. Her­bert Fendt geht wie so oft abends zum Schwim­men an den See an der Mühl­hau­ser Stra­ße, der bei FFK­lern be­liebt ist. Auch er schwimmt ger­ne nackt – und er krault, den Kopf un­ter Was­ser. Das wird ihm zum Ver­häng­nis. „Ich bin oft an dem See und weiß, das dort Fi­scher sind. Die­sen Mann ha­be ich aber nicht ge­se­hen.“Und der Mann sieht ihn of­fen­bar auch nicht. Fendt nimmt den Ang­ler erst wahr, als er spürt, dass et­was an den ver­meint­li­chen Sch­ling­pflan­zen an sei­nem Un­ter­leib zerrt und er die Ver­wick­lun­gen nicht lö­sen kann. Am Ufer an­ge­kom­men, wird ihm das Aus­maß des Dra­mas klar. Weil der Ha­ken sich nicht ent­fer­nen lässt, kappt er ihn kurz ent­schlos­sen mit ei­ner Zan­ge des Ang­lers, macht sich zu Fuß auf den Weg zu sei­nem Fahr­rad und ra­delt nach Hau­se. Von dort aus fährt er mit dem Au­to in die Not­auf­nah­me „Der Arzt konn­te sich ver­ständ­li­cher­wei­se ein Grin­sen nicht ver­knei­fen“, be­rich­tet er. Doch der Me­di­zi­ner kann den Ha­ken ent­fer­nen, die Wun­de ver­sor­gen – und er­teilt ei­ne Wo­che „Schwimm- und Dusch­ver­bot“.

Fendt will sei­nen rich­ti­gen Na­men nicht in der Zei­tung le­sen. „Wer den Scha­den hat, braucht für den Spott nicht zu sor­gen“, be­grün­det er das. Bei dem Fi­scher sei er auf we­nig Mit­leid ge­sto­ßen: „Er er­klär­te mir, dass dies kein of­fi­zi­el­ler Ba­de­see und er be­rech­tigt sei, hier zu fi­schen und dies auch durch Schil­der ge­kenn­zeich­net ist. Ich ver­such­te, ihm klar zu ma­chen, dass es durch­aus ein Ba­de­see ist und er auf die Schwim­mer ach­ten muss und ich kein Ba­de­ver­bot mit ent­spre­chen­dem Schild ken­ne.“

Ei­ne Dis­kus­si­on, wie sie an die­sem Ge­wäs­ser des Öf­te­ren ge­führt wird. Es ge­hört dem Lech­fi­sche­rei­ver­ein. Au­ßer bei Ang­lern ist es auch bei Ba­de­gäs­ten be­liebt – we­gen sei­ner vie­len zwi­schen Bü­schen ver­steck­ten Lie­ge­flä­chen vor al­lem bei FFK­lern. Die Nut­zer­grup­pen kom­men nicht im­mer per­fekt mit­ein­an­der aus. Doch von so et­was hat Syl­via Fi­scher, Zwei­te Vor­sit­zen­de des Ver­eins, noch nie ge­hört. Sie sagt: „Weil wir Ang­ler aber schon al­le aus Ver­se­hen mal ei­nen An­gel­ha­ken im Fin­ger hat­ten, kön­nen wir nach­voll­zie­hen, wie schmerz­haft so et­was sein kann. Des­we­gen ist der Kai­ser­see auch ein An­gel­see, an dem das Ba­den nur auf ei­ge­ne Ge­fahr ge­stat­tet ist. Dies ist auf vie­len Hin­weis­schil­dern rings um den See er­sicht­lich.“Die Ang­ler sei­en na­tür­lich ge­hal­ten, auf Ba­de­gäs­te zu ach­ten und zu Kon­flik­ten kom­me es nur, „wenn Ba­de­gäs­te die In­ter­es­sen des Fi­sche­rei­aus­übungs­be­rech­tig­ten ver­hin­dern“, be­tont Fi­scher.

Fendt hat in­zwi­schen ge­hört, dass er nicht das ein­zi­ge Ang­ler-Op­fer ist. Ei­ne Be­kann­te be­rich­te­te von ei­nem Hund, der ei­nen Fisch ver­schluck­te, der an ei­ner An­gel hing. Man muss­te dem Hund sei­ne Beu­te wie­der aus dem Schlund zie­hen, um Schlim­me­res zu ver­hin­dern.

Fendt springt im­mer nur ins Was­ser, schwimmt „sport­lich“sei­ne Run­de, wie er sagt, und ra­delt heim. Auch nach der ärzt­lich ver­ord­ne­ten „Was­ser­pau­se“wie­der. Al­les ist gut ver­heilt. Ei­ne Kon­se­quenz hat er ge­zo­gen: „Si­cher­heits­hal­ber schwim­me ich jetzt in der Mit­te.“

Ar­chiv­fo­to: An­ne Wall

Der Kai­ser­see ge­hört dem Lech­fi­sche­rei­ver­ein, doch Ba­den ist ge­stat­tet. Das führt zu Kon­flik­ten.

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