Por­sche be­schä­digt: Trak­tor­fah­rer an­ge­klagt

Nach der Be­geg­nung wa­ren ein Rei­fen und ei­ne Fel­ge be­schä­digt. Nun stand der Land­wirt we­gen Un­fall­flucht vor dem Aich­a­cher Amts­ge­richt

Friedberger Allgemeine - - Friedberg - VON GER­LIN­DE DREXLER

Aichach-Fried­berg Im Au­to, auf dem Bull­dog und ge­ne­rell im Ver­kehr stim­men die Wahr­neh­mun­gen von Fah­rern bei Un­fäl­len sel­ten über­ein. Zwei völ­lig ver­schie­de­ne Ver­sio­nen be­kam jetzt Straf­rich­ter Wal­ter Hell zu hö­ren. Bei der Ver­hand­lung vor dem Amts­ge­richt Aichach ging es um Un­fall­flucht. Ein 21-jäh­ri­ger Land­wirt aus dem Land­kreis soll mit sei­nem Trak­tor ei­nen Por­sche­fah­rer zum Aus­wei­chen ge­zwun­gen ha­ben, der sich da­bei ei­nen Rei­fen und die Fel­ge be­schä­dig­te. Statt an­zu­hal­ten, sei der An­ge­klag­te ein­fach wei­ter­ge­fah­ren, lau­te­te der Vor­wurf der Staats­an­walt­schaft. Ge­gen den Straf­be­fehl über 1200 Eu­ro (30 Ta­ges­sät­ze à 40 Eu­ro) hat­te der Land­wirt Ein­spruch ein­ge­legt. Da­her kam es zum Pro­zess.

Auf dem Weg zu sei­nem Acker muss der Land­wirt ei­ne kur­vi­ge Stra­ße durch ei­nen Ort fah­ren. An der Schnitt­kan­te der Kur­ve, al­so et­wa vier bis fünf Me­ter vor­her, ha­be er den Trak­tor erst ge­se­hen, sag­te der Por­sche­fah­rer, 61, aus. „Wir ha­ben bei­de ei­ne Voll­brem­sung ge­macht.“Ne­ben­ein­an­der blie­ben die Fahr­zeu­ge ste­hen, wo­bei der 61-Jäh­ri­ge aus Platz­grün­den auf den Bord­stein aus­wei­chen muss­te. „Ich war to­tal ge­schockt“, sag­te er aus. Nur Mil­li­me­ter sei­en zwi­schen Por­sche und Trak­tor Platz ge­we­sen. „Ich hät­te nicht mal die Tür auf­ma­chen kön­nen, um raus­zu­ge­hen.“

Der Por­sche­fah­rer hat­te ge­dacht, dass er den Bord­stein nur leicht be­rührt ha­be. Nur Se­kun­den stan­den die Fahr­zeu­ge laut dem Zeu­gen ne­ben­ein­an­der, dann fuhr der An­ge­klag­te wei­ter. Der Por­sche­fah­rer blieb mit ei­nem ka­put­ten Rei­fen und ei­ner be­schä­dig­ten Fel­ge zu­rück. 2500 Eu­ro zahl­te er für die Re­pa­ra­tur.

Schon von Wei­tem hat da­ge­gen der An­ge­klag­te laut sei­ner Aus­sa­ge den Por­sche ge­se­hen. Ziem­lich mit­tig sei er ihm auf der schma­len Stra­ße ent­ge­gen­ge­kom­men. Er sei rechts ran­ge­fah­ren und ha­be das Au­to pas­sie­ren las­sen. Der 21-Jäh­ri­ge sag­te: „Ich ha­be um­ge­schaut, um zu se­hen, ob er vor­bei­kam.“An sei­nem Trak­tor hing näm­lich noch ein land­wirt­schaft­li­ches Ge­rät. Oh­ne zu brem­sen sei der Por­sche an ihm vor­bei­und wei­ter­ge­fah­ren, sag­te der Land­wirt aus. Für Staats­an­wäl­tin Ann-Kath­rin Ber­ger war nach den Aus­sa­gen die Un­fall­flucht nicht ein­deu­tig zu be­wei­sen. „Es konn­te nicht oh­ne Zwei­fel ge­klärt wer­den“, sag­te sie und plä­dier­te für Frei­spruch. Dem stimm­te auch Ver­tei­di­ger Ste­phan Eich­horn zu.

Amts­rich­ter Hell sprach den An­ge­klag­ten frei. Beim Un­fall kön­ne man Be­den­ken ha­ben, ob der An­ge­klag­te über­haupt mit­be­kom­men ha­be, dass der Por­sche­fah­rer den Bord­stein tou­chiert hat­te, sag­te Hell. Auch ha­be der 21-Jäh­ri­ge von dem gro­ßen Scha­den nichts ge­wusst. Hells Rat für den An­ge­klag­ten, wenn die Ver­si­on des Zeu­gen stim­men soll­te: Zur Si­cher­heit ste­hen­blei­ben. „Nicht im­mer ha­ben Sie ei­nen Rich­ter wie mich.“

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