Vom Nutz­tier zum Ge­fähr­ten

Friedberger Allgemeine - - Friedberg - VON THO­MAS GOSSNER Ka­nin­chen gth@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Als sich die Fried­ber­ger Ka­nin­chen­züch­ter vor fast 100 Jah­ren zu­sam­men­fan­den, da stand im Ver­ein noch ein an­de­rer Ge­dan­ke im Vor­der­grund: Der Ers­te Welt­krieg hat­te Hun­ger und Elend über die Men­schen ge­bracht. Ein schlachtrei­fes Ka­nin­chen war ein be­son­de­rer Le­cker­bis­sen und ein wert­vol­ler Tausch­ge­gen­stand da­zu.

Heu­te müs­sen sich die Mit­glie­der nicht mehr sor­gen, was an Fest­ta­gen auf den Tisch kommt (ein Ka­nin­chen aus ei­ge­ner Zucht ganz si­cher nicht!). Die Zucht ist zu ei­ner Lei­den­schaft ge­wor­den, in de­ren Mit­tel­punkt das Tier und des­sen Wohl­be­fin­den ste­hen, denn geht es dem Lang­ohr nicht gut, gibt es auch kei­ne Prei­se und Aus­zeich­nun­gen. Das merkt man schon an der Art, wie Tie­re bei der Zucht­schau prä­sen­tiert wer­den – vor Son­ne, Wind und Wet­ter ge­schützt, in ge­räu­mi­gen Kä­fi­gen mit wei­chem Stroh. Das Ka­nin­chen hat sich vom Nutz­tier zum Ge­fähr­ten ent­wi­ckelt.

In Zei­ten von Mas­sen­hal­tung und in­dus­tri­el­len Zucht­ver­fah­ren ist es gut, wenn das Tier als Le­be­we­sen und nicht als Kon­sum­ar­ti­kel ge­se­hen wird. Man kann al­len Kin­dern nur wün­schen, dass ih­nen – wie in der Fa­mi­lie Hübner – auf die­se Wei­se der Re­spekt vor der Krea­tur ver­mit­telt wird.

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