Im­mer mehr Ze­cken­bis­se

Der feucht­war­me Som­mer schafft idea­le Be­din­gun­gen für die Spin­nen­tie­re. Da­mit gibt es auch mehr Fäl­le von Bor­re­lio­se und FSME in Bay­ern. Wie man sich schützt

Friedberger Allgemeine - - Bayern - VON CHRIS­TI­NA HEL­LER

Augs­burg Zwei Krank­hei­ten wer­den durch Ze­cken­bis­se über­tra­gen: Bor­re­lio­se und die Früh­som­mer-Me­nin­go­en­ze­pha­li­tis (FSME). Aus ak­tu­el­len Zah­len des Lan­des­amts für Ge­sund­heit geht her­vor, dass sich in die­sem Jahr schon be­son­ders vie­le Men­schen da­mit in­fi­ziert ha­ben. Wo­her das kommt und wie man sich schüt­zen kann:

War­um ist die Zahl der Neu­in­fek­tio­nen in die­sem Jahr so hoch?

Dass sich vie­le Men­schen mit Bor­re­lio­se und FSME in­fi­ziert ha­ben, liegt dar­an, dass heu­er mehr Ze­cken ak­tiv sind als ver­gan­ge­nes Jahr. Der feucht­war­me Som­mer schafft ein idea­les Kli­ma für die Spin­nen­tie­re, sagt das Ge­sund­heits­amt. Soll­te es so blei­ben, wer­den die Tie­re bis weit in den Herbst un­ter­wegs sein.

Was soll­te man tun, wenn man von ei­ner Ze­cke ge­bis­sen wur­de?

Pro­fes­sor Ju­lia Wel­zel, Chef­ärz­tin der Der­ma­to­lo­gie am Kli­ni­kum Augs­burg, rät, sich nach je­dem Be­such im Frei­en gründ­lich nach Ze­cken ab­zu­su­chen. „Die Tie­re sind win­zig klein, wenn sie sich noch nicht mit Blut voll­ge­so­gen ha­ben“, sagt sie. Ent­deckt man ei­ne Ze­cke, soll­te man sie schnell ent­fer­nen – am ein­fachs­ten geht das ih­rer Er­fah­rung nach mit ei­nem Ge­rät aus der Apo­the­ke. Es sieht aus wie ein Stift und hat am un­te­ren En­de ei­ne Sch­lin­ge, die man um das Tier le­gen kann. Bor­re­li­en, die Krank­heits­er­re­ger, die Bor­re­lio­se ver­ur­sa­chen, brau­chen ei­ni­ge Zeit, um in den mensch­li­chen Kör­per zu ge­lan­gen.

Muss man nach ei­nem Ze­cken­biss so­fort zum Arzt?

Nein, sagt Wel­zel. Auch der Augs­bur­ger Haus­arzt Andre­as Eser rät, den Biss erst zu be­ob­ach­ten. Bil­det sich nach ei­ni­ger Zeit ein ro­ter Kreis um die Stel­le, der wächst, ist das ein Zei­chen für ei­ne Bor­re­lio­se-In­fek­ti­on. Dann soll­te man schnell ei­nen Arzt auf­su­chen. Bor­re­lio­se lässt sich mit An­ti­bio­ti­ka gut be­han­deln und ist heil­bar. „Die Ge­fahr ist, dass die Sym­pto­me erst ei­ne Wei­le nach dem Ze­cken­biss auf­tre­ten. Weil sie auch auf an­de­re Krank­hei­ten hin­deu­ten kön­nen, wird manch­mal nicht mehr an Bor­re­lio­se ge­dacht“, sagt Wel­zel. Sich nach dem Biss Blut ab­neh­men zu las­sen, brin­ge we­nig. „Die An­ti­kör­per ge­gen Bor­re­li­en las­sen sich erst nach sechs Wo­chen fest­stel­len. Und selbst dann muss die Krank­heit nicht aus­bre­chen“, sagt Wel­zel.

Auch FSME wird durch Ze­cken­bis­se über­tra­gen. Da­ge­gen kann man sich imp­fen las­sen. Ist es da­für schon zu spät?

Nein, sagt Eser. Ge­gen FSME kön­ne man sich im­mer imp­fen las­sen und soll­te es auch tun. Da­nach ist man fünf Jah­re ge­gen die Er­re­ger im­mun. „Wenn man von ei­ner Ze­cke ge­bis­sen wur­de, ist es rat­sam, auch sei­ne Te­ta­nu­simp­fung zu über­prü­fen“, sagt der All­ge­mein­me­di­zi­ner. Sie hält zehn Jah­re.

Was schützt am bes­ten vor den Tie­ren?

Zum ei­nen emp­fiehlt Eser, sich lan­ge Klei­dung an­zu­zie­hen. Zum an­de­ren wir­ken sei­ner Er­fah­rung nach auch Mü­cken­sprays ge­gen die Tie­re. Ze­cken kann man sich nicht nur im Wald ho­len, sie kom­men auch in Wie­sen vor und le­ben im Ge­büsch. „Sie sit­zen über­all am Kör­per, aber häu­fig vom Bauch­na­bel ab­wärts“, sagt Wel­zel.

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