Sau­ko­misch

Li­te­ra­tur im Bier­gar­ten Bern­hard Butz und Michae­la Dietl wid­men sich in ih­rem Pro­gramm den Tie­ren

Friedberger Allgemeine - - Feuilleton Regional - VON SY­BIL­LE SCHIL­LER

Er­in­nern wir uns: Am 14. Au­gust war Mün­chens Alt-Ober­bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Ude Gast der „Li­te­ra­tur im Bier­gar­ten“. Da­bei wä­re er, sei­ner Er­zäh­lung nach, auf­grund ei­nes ers­ten Hör­feh­lers bei­na­he in den Augs­bur­ger Tier­gar­ten ge­gan­gen, viel­leicht, weil er auch sau­gu­te Ge­schich­ten über den Tier­park Hel­la­brunn vor­be­rei­tet hat­te. Ei­ne Wo­che spä­ter ging’s in den „Drei Kö­ni­gin­nen“mit Bern­hard Butz und Michae­la Dietl wie­der tie­risch zur Sa­che un­ter der Über­schrift „Vom Pferd, das nicht ta­pe­zie­ren konn­te und an­de­re Vie­che­rei­en“.

Hier be­gann Butz ganz ro­man­tisch mit François Vil­lons „Bal­la­de von dem Mäus­lein“, die so zärt­lich en­det mit „Hör zu, es ist kein Tier zu klein,/ das nicht dein Bru­der könn­te sein“. Ab da ver­folg­te der Re­zi­ta­tor das Schick­sal von Bal­du­in, dem Laub­frosch und des­sen Kol­le­gen Theo­dor so­wie das ei­nes Brief­mar­ken und Ra­dier­gum­mis fres­sen­den Igels. In ei­nem Aqua­ri­um schwamm Stich­ling Hein­rich um sein Le­ben. Dass Michae­la Dietl hier­zu auf dem Ak­kor­de­on „Die Fo­rel­le“ von Franz Schu­bert spiel­te, war nur fol­ge­rich­tig, al­ler­dings motz­te sie das Kunst­lied mit Blub­ber­ge­räu­schen auf. Gut ge­passt hät­te hier noch die Kurz­fas­sung von Fried­richs Schil­ler Bal­la­de „Der Tau­cher“, die da lau­tet: „Blubb, blubb, weg war er.“

Bern­hard Butz aber, da fehlt sich nix, ist in jed­we­der Ly­rik be­wan­dert, de­kla­mier­te Brechts „Fisch Fasch“, re­zi­tier­te von Raub­tie­ren aus Chris­ti­an Mor­gen­sterns „Gal­gen­lie­dern“, be­rich­te­te von Sepp Reiths ve­ge­ta­risch an­ge­hauch­ter Kro­ko­dil­frau Re­si, die, weil’s sich halt so er­gab, den Och­sen­frosch Ot­to fraß. Im Bier-Tier­gar­ten krab­bel­ten schließ­lich die Amei­sen, stahl Ja­noschs Fuchs die Gän­se. Al­les, was kreucht und fleucht, was auf zwei und vier Bei­nen tram­pelt und hüpft, war plötz­lich an­we­send samt je­nen zwei­bei­ni­gen Be­su­chern, die – Par­don – vor La­chen so laut me­cker­ten wie Zie­gen.

Die Stei­ge­rung aber war ein wie­hern­des Ge­läch­ter über „das Pferd, das nicht ta­pe­zie­ren woll­te“. Dietl, in­zwi­schen auf dem Hüh­ner­hof an­ge­langt, be­gann dort mit ih­rem bes­tens be­kann­ten Go­ckel­ki­ke­ri­ki. Nach Franz Hoh­lers Aus­flug in das Schlaf- so­wie Schaf­zim­mer ei­nes ge­wis­sen Herrn Be­li, muss­te Butz un­be­dingt Augs­burgs Brecht­preis­trä­ger Ro­bert Gern­hardt mit „ge­setzt den Fall, ihr habt ein Schaf ge­kränkt…“zu Wort kom­men las­sen.

Wer zählt die Dich­ter, nennt die Na­men, die in den Jahr­hun­der­ten ei­nen Aus­flug ins Tier­reich un­ter­nom­men hat­ten? Nicht ver­ges­sen wur­den Ja­mes Krüss, Ge­org Que­ri, Ernst Klotz und Os­kar Ma­ria Graf, der den in „Brehms Tier­le­ben“nicht ver­merk­ten „Hirn­pe­cker“in sein „Baye­ri­sches De­ka­me­ron“auf­ge­nom­men hat­te. Fol­ge­rich­tig sang Dietl „Sepp Depp“. Den Schluss­punkt setz­te Butz mit Heinz Er­hardts Ge­dicht von der Ma­de, das er, weil es mit „Hin­ter ei­nes Bau­mes Rin­de/wohnt die Ma­de mit dem Kin­de“be­ginnt, vor Rüh­rung nicht zu En­de sa­gen konn­te. Gut so, die Bier-Tier­gar­ten-Be­su­cher wa­ren in­zwi­schen so­wie­so lach­krank.

Fo­to: Fred Schöll­horn

Bern­hard Butz und Michae­la Dietl un­ter­nah­men ei­nen li­te­ra­risch-mu­si­ka­li­schen Aus­flug in das Reich der Tie­re.

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