Kun­den zum Falsch­par­ken an­ge­stif­tet

Ein Ge­schäft in Lin­dau wirbt mit dem An­ge­bot: Den Straf­zet­tel über­neh­men wir für Sie. Po­li­zei und Stadt sind em­pört über die Ak­ti­on

Friedberger Allgemeine - - Bayern - VON JU­LIA BAU­MANN UND MICHAEL MUNKLER

Lin­dau Ein un­ge­wöhn­li­ches An­ge­bot hat ein Bril­len­ge­schäft in der Lin­dau­er Fuß­gän­ger­zo­ne sei­nen Kun­den in ei­nem Brief un­ter­brei­tet: „Par­ken Sie ein­fach von Mon­tag bis Frei­tag in der Zeit von 9 bis 11 Uhr vor un­se­rem Ge­schäft“, heißt es in dem Schrei­ben – al­so sol­len die Kun­den in die Fuß­gän­ger­zo­ne auf der In­sel fah­ren und dort ihr Au­to ab­stel­len. Und dann setzt das Bril­len-Fach­ge­schäft noch eins drauf: „Den Straf­zet­tel über­neh­men wir für Sie“, heißt es wei­ter.

Als „voll­kom­men in­ak­zep­ta­bel“be­wer­tet Patri­cia Her­pich von der Stadt Lin­dau das An­ge­bot des Ein­zel­händ­lers. Das sieht Tho­mas Steur, Vi­ze­chef der Lin­dau­er Po­li­zei­in­spek­ti­on, ge­nau­so. Er hat sei­ne Mit­ar­bei­ter an­ge­wie­sen, ein Au­ge auf be­sag­tes Ge­schäft zu wer­fen – und auf mög­li­cher­wei­se da­vor par­ken­de Au­tos.

Dass der Ge­schäfts­in­ha­ber sich mit sei­ner merk­wür­di­gen Ein­la­dung auf die Wa­ren­an­lie­fer­zeit be­schränkt hat, macht die Sa­che in sei­nen Au­gen nicht bes­ser. „Lie­fer­ver­kehr heißt, dass in die­ser Zeit Wa­re zu Ge­wer­be­zwe­cken an­ge­lie­fert wer­den darf“, er­läu­tert Sebastian Adam von der Pres­se­stel­le des Po­li­zei­prä­si­di­ums in Kemp­ten.

Ju­ris­tisch al­so ist die Sa­che klar: Kun­den dür­fen ge­ne­rell nicht in ei­ne Fuß­gän­ger­zo­ne fah­ren und lo- gi­scher­wei­se dort auch nicht par­ken. Al­lein für das Ab­stel­len ei­nes Au­tos in der Fuß­gän­ger­zo­ne wer­den min­des­tens 20 Eu­ro fäl­lig. Weil es sich im kon­kre­ten Fall um ei­nen Vor­satz han­delt, wür­de das Ver­war­nungs­geld ver­mut­lich dop­pelt so hoch aus­fal­len. Der Ein­zel­händ­ler könn­te so­gar we­gen An­stif­tung zu ei­ner Ord­nungs­wid­rig­keit zur Re­chen­schaft ge­zo­gen wer­den. Der In­ha­ber des Ge­schäfts ist der­zeit nicht er­reich­bar, da er nach Ab­fas­sen des Schrei­bens in Ur­laub ge­fah­ren ist.

Der Lin­dau­er Po­li­zei-Vi­ze­chef Steur hofft, dass die Ak­ti­on kei­ne Nach­ah­mer fin­det: „Stel­len Sie sich vor, das macht je­der so. Das kann ganz schön ge­fähr­lich wer­den.“Schon jetzt ge­be es bei­spiels­wei­se manch­mal Pro­ble­me, wenn die Feu­er­wehr durch die Fuß­gän­ger­zo­ne müs­se.

Das Lin­dau­er Bril­len­ge­schäft ha­be ihm vor sei­ner Abrei­se ver­si­chert, dass die Straf­zet­tel-An­ge­bots­ak­ti­on nicht wie­der­holt wer­de, sagt Michael Stie­fen­ho­fer, Chef der Stra­ßen­ver­kehrs­be­hör­de bei der Stadt Lin­dau. Trotz der der­zeit nicht zur Ver­fü­gung ste­hen­den Park­mög­lich­kei­ten we­gen der Sa­nie­rung der In­sel­hal­le ge­be es in der Bo­den­see­stadt ge­nü­gend Ab­stell­mög­lich­kei­ten – et­wa auf dem Park­platz P 1 (Blau­wie­se) mit Bus-Shut­tle-Ser­vice auf die In­sel im 15-Mi­nu­ten-Takt. Joa­chim Sau­kel vom Ci­ty Ma­nage­ment in Kemp­ten kann über die Ak­ti­on des Lin­dau­er Ein­zel­händ­lers eben­falls nur den Kopf schüt­teln: „Wer in der Fuß­gän­ger­zo­ne sei­nen La­den hat, weiß doch, dass es dort kei­ne Park­plät­ze gibt“, sagt Sau­kel. Er ist selbst In­ha­ber ei­nes Lauf­sport-Ge­schäfts in Kemp­ten. Aus ei­ge­ner Er­fah­rung weiß er: Der Ein­zel­han­del wün­sche sich na­tür­lich mög­lichst vie­le Park­plät­ze, was wie­der­um auch ein Wunsch der Kun­den sei. Das Park­an­ge­bot in Kemp­ten be­wer­tet er als „in Ord­nung“.

Foto: Alex­an­der Ka­ya

Falsch par­ken oh­ne Fol­gen: In Lin­dau hat ein Ge­schäft da­mit ge­wor­ben, Kn­öll­chen für die Kun­den zu be­zah­len.

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