Die schnells­te Art zu rei­sen

Der Por­sche Pan­ame­ra ist der Sport­wa­gen un­ter den gro­ßen Lu­xus-Li­mou­si­nen. Aus­ge­rech­net der Die­sel­mo­tor kann be­geis­tern

Friedberger Allgemeine - - Kfz-börse - VON MICHAEL GEBHARDT

Was hat Por­sche sei­nen Kun­den nicht schon zu­ge­mu­tet! Ei­nen SUV, ei­ne Li­mou­si­ne und so­gar ei­nen Die­sel. Der Auf­schrei war je­des Mal groß, der Er­folg aber noch grö­ßer. Dass in Zuf­fen­hau­sen nicht mehr nur schnit­ti­ge Sport­wa­gen ge­baut wer­den, ist in­zwi­schen ak­zep­tiert, und spä­tes­tens mit der Neu­auf­la­ge des Pan­ame­ras, die im No­vem­ber kommt, ist Por­sche end­gül­tig zur Al­ter­na­ti­ve im Li­mou­si­nen-Seg­ment ge­wor­den; der un­kon­ven­tio­nell ge­stal­te­te Vor­gän­ger war manch ei­nem doch zu ge­wagt.

Ge­wagt ist der Neue im­mer noch, aber mit der ge­schwun­ge­ne­ren Dach­li­nie, der stär­ker kon­tu­rier­ten Mo­tor­hau­be und dem mar­kan­te­ren Hin­tern wirkt er deut­lich stim­mi­ger und macht in der Heck­an­sicht sei­nem klei­nen Bru­der 911 Kon­kur­renz. Für reich­lich Platz ist trotz der dy­na­mi­schen Ka­ros­se­rie ge­sorgt, so­gar groß ge­wach­se­ne Pas­sa­gie­re sit­zen auf den bei­den Fond­plät­zen kom­mod. Da­hin­ter ist Platz für knapp 500 Li­ter Ge­päck, und die Rück­bank ist frei­lich um­klapp­bar.

In der ers­ten Rei­he er­war­tet Fah­rer und Co-Pi­lot ein kom­plett neu­es Cock­pit. Vor­bei die Zeit der vie­len Plas­tik­schal­ter auf dem Mit­tel­tun­nel. Por­sche hat aus­ge­mis­tet und die ver­blie­be­nen Tas­ter wir­ken wie un­ter Glas. Das sieht hübsch aus, al­ler­dings nur, wenn man re­gel­mä­ßig die Fin­ger­ab­drü­cke weg­wischt. Dar­über sitzt das gro­ße Touch­screen-In­fo­tain­ment­sys­tem, das mit mo­der­ner Ka­che­l­op­tik zeit­ge­mäß wirkt, aber so vie­le Funk­tio­nen ver­eint, dass man sich erst ein­mal ein­ar­bei­ten muss, um raus­zu­fin­den, wie die Klap­pen der Sport­ab­gas­an­la­ge ge­öff­net wer­den kön­nen oder wie man bei Goog­le nach der Adres­se ei­nes Ho­tels su­chen kann. Et­was Übung in den Dau­men braucht auch der Fah­rer – mit klei­nen Wal­zen am Lenk­rad be­dient man die bei­den Bild­schir­me links und rechts des ana­lo­gen Dreh­zahl­mes­sers, die al­ler­hand In­for­ma­tio­nen be­reit hal­ten. Ein He­ad-up-Dis­play gibt es da­ge­gen nicht, da­für aber ein Nacht­sicht­ge­rät.

Kom­plett neu sind die drei zu Be­ginn an­ge­bo­te­nen Mo­to­ren; al­le­samt auf­ge­la­den, mit All­rad­an­trieb und Acht­gang-Dop­pel­kupp­lungs- ge­trie­be. Den Ein­stieg bil­det ein ver­hält­nis­mä­ßig klei­ner 2,9-Li­terV6-Ben­zi­ner (ab 113 027 Eu­ro), der aber trotz­dem 440 PS ent­wi­ckelt und den Pan­ame­ra 289 km/h schnell macht. Sat­te 306 Sa­chen schafft der 40000 Eu­ro teu­re­re Tur­bo, des­sen Vier­li­ter-V8 550 PS und 770 New­ton­me­ter Dreh­mo­ment ent­wi­ckelt, wel­che die Li­mou­si­ne in schier un­glaub­li­chen 3,6 Se­kun­den auf Tem­po 100 schub­sen. Dass da­bei nur 9,3 Li­ter Sprit ver­brannt wer­den sol­len, fällt al­ler­dings in den Be­reich der Fan­ta­sie. Doch es geht auch an­ders: Dass sich Sport­lich­keit und Spar­sam­keit nicht aus­schlie­ßen müs­sen, be­wei­sen die Zuf­fen­hau­se­ner mit dem neu­en Pan­ame­ra 4S Die­sel. Den eben­falls vier Li­ter gro­ßen V8-Selbst­zün­der steu­ert die Kon­zern­schwes­ter Au­di bei, dort treibt er – mit ei­nem zu­sätz­li­chen elek­tri­schen Ver­dich­ter – den SQ7 an. Die drit­te Auf­la­dung ist beim Pan­ame­ra nicht nö­tig. Denn dank Vol­lalu­mi­ni­um-Ka­ros­se­rie wiegt er gut zwei Ton­nen und da­mit rund 200 Ki­lo­gramm we­ni­ger als das In­gol­städ­ter Dick­schiff; sei­ne 422 PS und 850 New­ton­me­ter sind mehr als aus­rei­chend für ei­ne por­sche-ge­mä­ße Fort­be­we­gung.

Die ma­xi­ma­le Kraft liegt bei äu­ßerst nied­ri­gen 1000 Um­dre­hun­gen kom­plett an und lässt die Fünf-Me­ter-Li­mou­si­ne in 4,3 Se­kun­den auf Tem­po 100 schnel­len. Zwar geht dem flüs­ter­lei­sen Die­sel im obe­ren Dreh­zahl­be­reich et­was die Pus­te aus und die 285 km/h Vmax brau­chen et­was An­lauf, doch kur­ze Zwi­schen­sprints und Über­hol­ma­nö­ver ab­sol­viert er mit Leich­tig­keit.

Leis­tung ist al­so im Über­fluss da, und das Fahr­werk? Das macht sei­nem Her­stel­ler al­le Eh­re: Die Hin­ter­achs­len­kung, ei­ne neue Luft­fe­de­rung mit drei Kam­mern, die ak­ti­ve Wank­sta­bi­li­sie­rung und ei­ne di­rek­te Len­kung sind Ga­ran­ten für je­de Men­ge Fahr­spaß – bei mo­de­ra­tem Ver­brauch: 6,7 Li­ter nimmt der 4S Die­sel auf dem Prüf­stand, ei­ne Acht vor dem Kom­ma ist in der Pra­xis pro­blem­los er­reich­bar. Nicht zu­letzt, weil der Acht­zy­lin­der vier Brenn­kam­mern ab­schal­tet, wenn nicht die vol­le Kraft be­nö­tigt wird.

An der Zapf­säu­le zu spa­ren, ist ein gu­tes Ge­fühl. Es än­dert aber nichts dar­an, dass der Por­sche Pan­ame­ra ein sünd­haft teu­res Au­to ist. Für den Die­sel ruft der Sport­wa­gen­bau­er 116954 Eu­ro auf. LEDLicht und Na­vi­ga­ti­ons­sys­tem sind an Bord. Die Mas­sa­gesit­ze und die High-End-Sound­an­la­ge kos­ten ge­nau­so ex­tra wie das neue In­noD­ri­ve-Sys­tem, das drei Ki­lo­me­ter nach vor­ne schaut und den ad­ap­ti­ven Tem­po­mat so jus­tiert, dass er nicht un­nö­tig Gas gibt, wenn gleich ei­ne Ort­schaft kommt. Die reich­hal­ti­ge Son­der­aus­stat­tung treibt den Preis noch ein­mal lo­cker um 50000 Eu­ro in die Hö­he.

Foto: Por­sche

Jetzt passt der Maß­an­zug noch bes­ser: Die neue Ge­ne­ra­ti­on des Por­sche Pan­ame­ra hat ein stim­mi­ge­res De­sign.

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