Ein Ge­schenk ver­pflich­tet

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON EVA MA­RIA KNAB AOK-Kunst­werk eva@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Ein Ge­schenk ist ein Ge­schenk. Aber wenn man es an­nimmt, ist da­mit ei­ne mo­ra­li­sche Ver­pflich­tung ver­bun­den. Je­der Mensch mit An­stand weiß, dass man re­spekt­voll und um­sich­tig mit ei­ner sol­chen Ga­be um­ge­hen soll. Die­se Re­gel gilt auch für ge­schenk­te Kunst. Zwar hat sich die Stadt im Ver­trag für die AOK-Skulp­tur ein ju­ris­ti­sches Hin­ter­tür­chen of­fen ge­hal­ten. Da­nach muss sie das Werk nicht auf­stel­len. Sie wä­re aber schlecht be­ra­ten, wür­de sie sich auf die­se selt­sa­me Klau­sel be­ru­fen. Das wä­re ein schä­bi­ges Ver­hal­ten ge­gen­über der Kran­ken­kas­se, die das Mo­nu­ment kos­ten­los zur Ver­fü­gung ge­stellt hat.

Ab­ge­se­hen da­von soll­te ein Kunst­werk, das für den öf­fent­li­chen Raum ge­schaf­fen wur­de, nicht dau­er­haft in ei­ner Ab­stell­kam­mer ver­schwin­den. In Augs­burg tra­gen Skulp­tu­ren aus vie­len Epo­chen da­zu bei, dass sich die Men­schen in der Stadt wohl­füh­len. War­um sit­zen die Leu­te ger­ne am Mer­kur­brun­nen? War­um wer­den Hoch­zeits­bil­der so ger­ne vor dem Her­ku­les­brun­nen ge­macht? Und war­um spie­len Kin­der vor dem Mäd­chen im Ba­de am Kö­nigs­platz?

Zwar muss man der Stadt zu­ge­ste­hen, dass sie den neu­en Stand­ort für das Kunst­werk sorg­sam und um­sich­tig aus­sucht und da­für et­was Zeit braucht. Al­ler­dings soll­te sie auch mal zu Pot­te kom­men. Das ist hof­fent­lich bald der Fall.

Sei­te 33

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