Gu­cken darf man gra­tis

Ge­büh­ren rund um das neue Heim

Friedberger Allgemeine - - Immo-börse Vermietungen - VON MO­NI­KA HILLEMACHER

Um­zug in ein neu­es Do­mi­zil ist teu­er. Re­no­vie­ren, neue Mö­bel – das kos­tet. Da­bei kann schon die Woh­nungs­su­che ins Geld ge­hen, weil Mak­ler und Ver­mie­ter Geld kas­sie­ren wol­len. Doch ist das zu­läs­sig? Wich­ti­ge Fra­gen und Ant­wor­ten rund um Ge­büh­ren beim Mie­ten und Kau­fen:

Wer be­zahlt ei­gent­lich den Mak­ler bei Miet­woh­nun­gen?

Für die Ver­mitt­lung von Miet­woh­nun­gen gilt seit 1. Ju­ni 2015 das Be­stel­ler­prin­zip: „Wer be­stellt, be­zahlt“. Der Grund­satz ist im Woh­nungs­ver­mitt­lungs­ge­setz ver­an­kert. Und weil über­wie­gend Ver­mie­ter auf die Di­ens­te von Mak­lern zu­rück­grei­fen, zah­len sie auch die Cour­ta­ge. Die­se dür­fen sie nicht ab­wäl­zen. Tun Ver­mie­ter es den­noch, droht ein Buß­geld von 25000 Eu­ro. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat jüngst das Be­stel­ler­prin­zip be­stä­tigt (Az.: 1 BvR 1015/15). Ein Mie­t­in­ter­es­sent zahlt nur dann Pro­vi­si­on, wenn er für die Su­che nach der neu­en Blei­be selbst ei­nen Mak­ler ein­schal­tet und die­ser erst mit dem Auf­trag in der Ta­sche los­zieht. In dem Fall spre­chen Fach­leu­te von ei­nem qua­li­fi­zier­ten Such­auf­trag.

Sind Be­sich­ti­gungs­pau­scha­len für Miet­woh­nun­gen er­laubt?

Nein. „Es gibt kei­nen An­spruch auf ei­ne Ge­bühr für Be­sich­ti­gun­gen“, be­tont Kai- Pe­ter Brei­holdt, Spre­cher des Ar­beits­krei­ses Miet­recht des Ber­li­ner An­walts­ver­eins. Ju­ris­ten lei­ten das aus dem Be­stel­ler­prin­zip ab. Das Land­ge­richt Stuttgart schob der Pra­xis ei­nes Mak­lers ei­nen Rie­gel vor, der von je­dem In­ter­es­sen­ten nur fürs Gu­cken 35 Eu­ro kas­siert hat­te (Az.: 38 O 10/16 KfH).

Gibt es an­de­re Ge­büh­ren?

Ja, zum Bei­spiel ei­ne Ver­trags­aus­fer­ti­gungs­ge­bühr. Hier ver­lan­gen Ver­mie­ter oder Haus­ver­wal­tung Geld, um den Pa­pier­kram zu er­le­di­gen. Die­ses lei­ten sie aber an den Mak­ler wei­ter. Brei­holdt hält das für un­zu­läs­sig. Der Rechts­an­walt schließt aber nicht aus, dass Su­chen­de an­ge­sichts des Woh­nungs­man­gels lie­ber still­schwei­gend zah­len.

Ei­ne an­de­re Va­ri­an­te kann die Ab­stands­zah­lung sein. Wenn Ver­mie­ter zum Bei­spiel für drei ab­ge­wetz­te Sessel zwei Mo­nats­mie­ten Ab­stand ha­ben wol­len, kann da­hin­ter ei­ne ver­kapp­te Mak­ler­ge­bühr ste­cken. Dies nach­zu­wei­sen sei je­doch schwie­rig, meint Brei­hold. Au­ßer­dem ist es für Mie­ter pro­ble­ma­tisch, das Geld aus solch ei­nem ver­deck­ten Ge­schäft wie­der­zu­be­kom­men. „Man kann ja nicht sa­gen, man sei ge­täuscht wor­den. Man hat es ja se­hen­den Au­ges ak­zep­tiert.“

Darf der In­ter­es­sent nach der bis­he­ri­gen Mie­te fra­gen?

Darf er, sagt Ul­rich Ropertz vom Deut­Der schen Mie­ter­bund (DMB). Von sich aus ist der Ver­mie­ter nicht zur Aus­kunft ver­pflich­tet. Nach der Er­fah­rung von Ropertz scheu­en die meis­ten Woh­nungs­su­chen­den die Fra­ge nach der Vor­mie­ter­Mie­te je­doch we­gen des Ri­si­kos, aus den Be­wer­bern aus­sor­tiert zu wer­den. Glei­ches gilt für die Fra­ge, war­um die ver­lang­te Mie­te über der Ver­gleichs­mie­te liegt. Da­für kann der Ver­mie­ter ja Grün­de ha­ben: zum Bei­spiel gu­te ener­ge­ti­sche Sa­nie­rung.

Wie kom­men Mie­ter trotz­dem an die Mie­t­in­for­ma­tio­nen?

In­dem sie kri­ti­sche Fra­gen nach dem Ein­zug stel­len. Dann ha­ben sie auch ein Recht auf Ant­wor­ten. „Das Ge­setz zur Miet­preis­brem­se ist so an­ge­legt“, be­grün­det Ropertz den Um­weg.

Be­kom­men Mie­ter zu­viel ge­zahl­te Mie­te zu­rück?

Nein. „Aber sie dür­fen ih­re Mie­te auf das ge­setz­li­che Maß re­du­zie­ren. Das heißt Ver­gleichs­mie­te plus zehn Pro­zent“, er­läu­tert Ropertz. Da­zu wird die Miet­über­schrei­tung ge­gen­über dem Ver­mie­ter ge­rügt und die Re­du­zie­rung an­ge­kün­digt. Die Brem­se greift al­ler­dings erst in der Zu­kunft: „Zu viel ge­zahl­te Mie­te wird nicht er­stat­tet.“

Und was gilt bei Kau­f­im­mo­bi­li­en?

Hier gilt das Be­stel­ler­prin­zip nicht. Weil ein Kauf­ver­trag ver­mit­telt wird, ist nach wie vor Mak­ler­ge­bühr fäl­lig. De­ren Hö­he und die Fra­ge, wer be­zahlt, sind ver­trag­lich frei ver­ein­bar. „Hier gilt Ver­trags­frei­heit“, sagt Hans-Joa­chim Beck vom Im­mo­bi­li­en­ver­band Deutsch­land (IVD). Über­wie­gend bleibt die Ge­bühr am Käu­fer hän­gen, der sie über ei­nen pro­zen­tua­len Auf­schlag auf den Kauf­preis be­zahlt.

Die Pro­vi­si­on fällt nur an, wenn der Kauf­ver­trag un­ter Dach und Fach kommt. Der In­ter­es­sent muss al­so nicht zah­len, wenn er ein Ob­jekt zwar be­sich­tigt, sich aber ge­gen des­sen Er­werb ent­schei­det. Das Aus­hän­di­gen ei­nes Ex­po­sés durch den Mak­ler reicht nicht, um Cour­ta­ge zu for­dern, wie Beck er­läu­tert.

Ist ei­ne Re­ser­vie­rungs­ge­bühr für ei­ne Kau­f­im­mo­bi­lie zu­läs­sig?

Ja, denn als Ge­gen­leis­tung für das Ent­gelt stellt der Mak­ler „sei­ne Nach­weis- und Ver­mitt­lungs­be­mü­hun­gen für ei­nen be­stimm­ten Zei­t­raum ein und sagt an­de­ren In­ter­es­sen­ten ab“, sagt IVD-Mann Beck. Die Ge­bühr muss je­doch in ei­nem Ver­trag fest­ge­schrie­ben wer­den, da­mit sie wirk­sam ist. Als an­ge­mes­sen gel­ten ma­xi­mal zehn bis 15 Pro­zent der Pro­vi­si­on. Die­se steht im Kauf­an­ge­bot. Greift der In­ter­es­sent zu, wird die ge­zahl­te Re­ser­vie­rungs­ge­bühr mit der Mak­ler­pro­vi­si­on ver­rech­net. Platzt der Kauf, darf der Mak­ler das Geld be­hal­ten.

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Son­ja Na­gel

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