War­um ein of­fe­nes Fens­ter teu­er wer­den kann

Wer sein Au­to mit her­un­ter­ge­las­se­nen Schei­ben parkt, muss sich auf ei­ni­ges ge­fasst ma­chen

Friedberger Allgemeine - - Panorama - VON JENS NOLL

Augs­burg Der Nut­zer des In­ter­net­fo­rums ist em­pört: Wie­so kön­ne die Po­li­zei sein Au­to ab­schlep­pen, weil er nur ver­se­hent­lich das Fens­ter an der Bei­fah­rer­sei­te of­fen gelassen ha­be? Da­bei sei sein Wa­gen nicht ein­mal im Park- oder Hal­te­ver­bot ge­stan­den. Ganz ähn­lich er­ging es Mit­te Au­gust ei­ner Frau aus Gerst­ho­fen im Kreis Augs­burg. Die 30-Jäh­ri­ge hat­te ihr Au­to bei ei­ner Hoch­zeit über Nacht vor ei­ner Gast­stät­te ab­ge­stellt. Die Fens­ter wa­ren halb her­un­ter­ge­las­sen. Am nächs­ten Tag mel­de­te sich die Po­li­zei bei ihr: Das Au­to sei ab­ge­schleppt wor­den. Die Frau muss­te 250 Eu­ro be­zah­len.

Die­se zu­nächst selt­sam an­mu­ten­de Pra­xis ist rech­tens. Ur­tei­le des Münch­ner Ver­wal­tungs­ge­richts un­ter­stüt­zen die Vor­ge­hens­wei­se. Sie lei­tet sich aus dem Pa­ra­gra­fen 14 der Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung ab. „Kraft­fahr­zeu­ge sind auch ge­gen un­be­fug­te Be­nut­zung zu si­chern“, heiß es dar­in.

Dem­nach müs­sen Fahr­zeu­ge beim Par­ken ab­ge­schlos­sen wer­den. Da­zu ge­hört auch das Schlie­ßen der Fens­ter. Wenn das nicht der Fall ist, dann liegt es nach An­sicht der Ge­set­zes­hü­ter im mut­maß­li­chen In­ter­es­se des Be­sit­zers, das Au­to ab­zu­schlep­pen und in Si­cher­heit zu brin­gen, be­vor et­was dar­aus ge­klaut oder gleich das gan­ze Fahr­zeug ge­stoh­len wird.

Chris­ti­an Döh­ler, Ver­kehrs­ju­rist beim Au­to­mo­bil­klub ADAC sagt: „Vie­len Men­schen ist die­ses Ri­si­ko des Ab­schlep­pens nicht be­kannt.“Er spricht al­ler­dings von Ein­zel­fäl­len. Das Ab­schlep­pen sei das letz­te Mit­tel. Die Po­li­zei müs­se zu­nächst ver­su­chen, mit dem Fah­rer oder dem Hal­ter des Wa­gens Kon­takt auf­zu­neh­men.

Das be­stä­tig­te auch Tan­ja de la Vi­g­ne, Spre­che­rin des Po­li­zei­prä­si­di­ums Schwa­ben Nord in Augs­burg, nach dem ge­nann­ten Fall mit dem Au­to der 30-Jäh­ri­gen ge­gen­über un­se­rer Zei­tung. Als die Po­li­zei da­mals früh­mor­gens das Au­to ent­deckt hat­te, sei die Frau nicht mehr er­reich­bar ge­we­sen. Auch in der Gast­stät­te sei zu der Zeit nie­mand mehr ge­we­sen. Al­so ha­be die Po­li­zei ab­schlep­pen las­sen.

Steht das Fens­ter nur ei­nen Spalt breit of­fen, hät­ten die Hal­ter wohl nichts zu be­fürch­ten, sagt Ju­rist Döh­ler. Den­noch emp­fiehlt er, sich zur Si­cher­heit beim Par­ken zu ver­ge­wis­sern, dass al­le Fens­ter zu sind – auch wenn es heiß sein soll­te. „Lie­ber ein­mal durch­lüf­ten, be­vor man spä­ter wie­der los­fährt.“

Doch was ist mit Ca­bri­os, die im Som­mer mit of­fe­nem Ver­deck ab­ge­stellt wer­den? Sie wer­den, so Döh­ler, ku­rio­ser­wei­se nicht ab­ge­schleppt. So­lan­ge al­le Tü­ren des Ca­bri­os zu­ge­schlos­sen sei­en, wer­de die ge­setz­li­che Vor­ga­be er­füllt.

Fo­to: San­dra Lier­mann

Ju­ris­ten ra­ten da­von ab, ein Au­to so ab­zu­stel­len.

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