Scham­pus für Lahm

Der Re­kord­meis­ter star­tet der­art über­le­gen, dass so­gar der Ka­pi­tän Zeit zum To­re­schie­ßen hat. An­ce­lot­ti spen­diert da­für ei­ne Son­der­prä­mie

Friedberger Allgemeine - - Sport - VON AN­TON SCHWANKHART Neu­er – Lahm (74. Ra­fin­ha), Ja­vi Mar­ti­nez, M. Hum­mels, Ala­ba (78. Ber­nat) – Thia­go, Xa­bi Alon­so (64. Kim­mich), Ar. Vi­dal – T. Mül­ler, Le­wan­dow­ski, F. Ri­bé­ry

Mün­chen Sel­ten, dass Phil­ipp Lahm für den FC Bay­ern trifft. In 360 Bun­des­li­ga-Par­ti­en ist ihm das nur 14-mal ge­lun­gen. Lahm fehlt ein­fach al­les, was ei­nen Tor­jä­ger aus­zeich­net. Der 32-Jäh­ri­ge hat an­de­re Qua­li­tä­ten, die ihn zu ei­nem der bes­ten Ab­wehr­spie­ler der Welt ge­macht ha­ben. Wenn er trotz­dem für den FC Bay­ern ein­mal ein Tor er­zielt, muss ei­ni­ges zu­sam­men­pas­sen. Ein Geg­ner, der ihn in der De­fen­si­ve un­ter­for­dert und zu Aus­flü­gen ein­lädt. Da­zu spiel­freu­di­ge Kol­le­gen, die ih­rem Ka­pi­tän lust­voll die Ku­gel zum Tor­schuss ser­vie­ren.

So war das Frei­tag­nacht beim Münch­ner 6:0-Sieg ge­gen hoff­nungs­los über­for­der­te Bre­mer ge­we­sen, für de­ren Leis­tung Ka­pi­tän Cle­mens Fritz „nichts üb­rig blieb, als sich bei un­se­ren Fans zu ent­schul­di­gen“.

Tho­mas Mül­ler hat­te mit ei­ner sei­ner ins­ge­samt drei Tor­vor­la­gen Lahm be­dient, was der Ex-Na­tio­nal­spie­ler mit stram­mem Schuss an den In­nen­pfos­ten zum Münch­ner 4:0 nutz­te. Weil schon vor­her Alon­so und Le­wan­dow­ski (2) ge­trof­fen hat­ten und hin­ter­her Ri­bé­ry und noch ein­mal Le­wan­dow­ski nach­leg­ten, reich­te es für Lahm in der in­ter­nen Tor­schüt­zen­lis­te des FC Bay­ern nur zum ge­drit­tel­ten zwei­ten Platz. „Das Schlim­me ist, dass ich schon zwei To­re Rück­stand auf die Spit­ze ha­be“, scherz­te der Ka­pi­tän. Da­für gab es vom Trai­ner ei­ne Son­der­prä­mie. An­ce­lot­ti ver­sprach ei­ne Fla­sche Cham­pa­gner. Lahm: „Ich er­war­te sie in mei­nem Spind.“

Über­haupt war es ein lau­ni­ger Münch­ner Auf­takt ge­we­sen, zu dem die Bre­mer un­frei­wil­lig ih­ren Bei­trag ge­leis­tet hat­ten. Wer­der prä­sen­tier­te sich wie ein zu­künf­ti­ger Zweit­li­gist, den Thia­go & Co. schwin­de­lig spiel­ten. Es war das Guar­dio­la-Sys­tem mit leich­ten Va­ri­an­ten, dem die Gäs­te zum Op­fer fie­len. Auf­fäl­lig wa­ren tak­ti­sche Frei­hei­ten, über die sich be­son­ders Franck Ri­bé­ry freu­te, der in Guar­dio­las kla­rer Ord­nung im­mer ge­lit­ten hat.

Dar­über hin­aus scheint das Ball- be­sitz-Man­tra des Spa­ni­ers un­ter An­ce­lot­ti zu brö­ckeln. „Wir las­sen den Geg­ner auch mal den ers­ten Ball spie­len, ge­hen erst dann drauf, um mehr Raum nach vor­ne zu ha­ben“, be­stä­tig­te Ma­nu­el Neu­er. Das Bay­ern-Spiel wirkt da­durch va­ria­bler.

An­ce­lot­ti selbst hält sich mit gro­ßen Wor­ten über ein neu­es Spiel­sys­tem zu­rück. Dem 57-Jäh­ri­gen ge­fällt schließ­lich, was ihm Guar­dio­la hin­ter­las­sen hat. „Ich ha­be ein Team mit fan­tas­ti­scher Qua­li­tät. Ich weiß nicht, was ich än­dern soll­te?“, be­ant­wor­tet er Fra­gen nach der zu­künf­ti­gen Spiel­wei­se des FC Bay­ern. Ähn­lich sieht es Tho­mas Mül­ler: „Der Trai­ner bringt ei­ni­ge neue Fa­cet­ten. Die Klas­se der ein­zel­nen Spie­ler hat sich nicht ge­än­dert. Wir sind noch im­mer die glei­che Mann­schaft wie letz­te Sai­son.“Tat­säch­lich war Mats Hum­mels beim Auf­takt das ein­zig neue Ge­sicht. Der an­de­re 35-Mil­lio­nen-Ein­kauf, Re- na­to San­ches, er­leb­te den Bun­des­li­ga-Start von der Er­satz­bank aus. Wenn sich nach der Län­der­spiel­pau­se die noch an­ge­schla­ge­nen Ar­jen Rob­ben, Jé­rô­me Boateng, Hol­ger Bad­stu­ber, Dou­glas Cos­ta und Kings­ley Co­man zu­rück­mel­den, wird es dort eng wer­den.

„Ich weiß nicht, was ich än­dern soll­te.“Bay­ern-Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti

Ein Lu­xus­pro­blem, von dem Wer­der nur träu­men kann. Dass der Bre­mer Vor­stand Ma­na­ger Tho­mas Eichin ver­ab­schie­de­te, der oh­ne Trai­ner Vik­tor Skrip­nik in die Sai­son ge­hen woll­te, und den Ver­trag des Ukrai­ners um ein Jahr ver­län­ger­te, sieht der­zeit nach der fal­schen Wei­chen­stel­lung aus. Ge­schäfts­füh­rer Frank Bau­mann sah sich schon nach dem ers­ten Spiel ge­nö­tigt, ein gu­tes Wort für Skrip­nik ein­zu­le­gen. „Wir ha­ben uns für den Weg mit ihm ent­schie­den. Dar­an än­dert auch nichts, wenn wir die nächs­ten acht Spie­le ver­lie­ren.“Gut mög­lich, dass Wer­der die Chan­ce er­hält, das zu be­le­gen. Mün­chen Bre­men Wied­wald – Geb­re Se­las­sie, L. Sa­né, Dia­gne, Cal­di­ro­la – Gril­litsch (74. M. Eg­ge­stein) – Ya­ta­ba­ré, Fritz, Ro. Bau­er, Bar­tels (88. Thy) – Jóhanns­son (64. Stern­berg) To­re 1:0 Xa­bi Alon­so (9.), 2:0 Le­wan­dow­ski (13.), 3:0 Le­wan­dow­ski (46.), 4:0 Lahm (66.), 5:0 F. Ri­bé­ry (73.), 6:0 Le­wan­dow­ski (77./Foul­elf­me­ter) Zu­schau­er 75 000 (aus­ver­kauft)

Fo­to: Wit­ters

Tor­schüt­ze Lahm: Der Ka­pi­tän – mit Trau­er­flor zu Eh­ren der ita­lie­ni­schen Erd­be­ben­op­fer – traf ge­gen Bre­men.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.