Das Tro­pi am See dreht die Mu­sik ab

Bei der eins­ti­gen Fried­ber­ger Kult­dis­co stimm­ten die Zah­len schon seit län­ge­rem nicht mehr. Jetzt steht fest: Es gibt kei­ne Wie­der­er­öff­nung nach der Som­mer­pau­se. Für das Haus am See hat der Be­sit­zer be­reits ei­nen neu­en Plan

Friedberger Allgemeine - - Friedberg - VON SE­BAS­TI­AN MAYR

Bei der eins­ti­gen Fried­ber­ger Kult­dis­co ha­ben die Zah­len schon seit Län­ge­rem nicht mehr ge­stimmt. Jetzt steht fest: Es gibt kei­ne Wie­der­er­öff­nung nach der Som­mer­pau­se. Für das Ge­bäu­de am See hat der Be­sit­zer be­reits ei­nen neu­en Plan.

Fried­berg Das Tro­pi ist Ge­schich­te. Die Dis­ko­thek am Fried­ber­ger See, die 1980 un­ter dem Na­men Tro­pi­ca­na er­öff­ne­te und zu­letzt Tro­piClub hieß, wird nach der Som­mer­pau­se nicht wie­der öff­nen. „The End“steht in der ge­schwun­ge­nen Schrift al­ter Kinofilme auf ei­nem Fo­to, das auf dem Face­book-Pro­fil des Lo­kals ver­öf­fent­licht wur­de. Noch An­fang Au­gust hat­ten sich die Be­trei­ber mit den Wor­ten „Bis nach der Som­mer­pau­se“ver­ab­schie­det.

Zu die­sem Zeit­punkt stand die Zu­kunft be­reits auf reich­lich wa­cke­li­gen Fü­ßen. Schon im April fäll­ten Päch­ter Ma­nu­el Liebl und Be­sit­zer und Er­bau­er Hei­ner Kuss den Ent­schluss, mit neu­en Kon­zep­ten zu ver­su­chen, die Ne­ga­tiv­spi­ra­le auf­zu­hal­ten, und ga­ben sich da­für ein hal­bes Jahr Zeit. Die Be­su­cher­zah­len wa­ren schlicht zu nied­rig. Schon vor zwei Jah­ren stand der Klub vor dem Aus, ein Fit­ness­stu­dio war als Nach­fol­ge im Ge­spräch. Doch die Ge­neh­mi­gung durch die Stadt Fried­berg zog sich laut Kuss zu lan­ge hin, der In­ter­es­sent sprang ab. Der da­ma­li­ge Ver­an­stal­ter DJ Pao­lo Mon­ta­gni führ­te das Tro­pi als Be­trei­ber wei­ter, bis der Neu­säs­ser Liebl ein­stieg. Weil Mon­ta­gni nicht von Liebls Kon­zep­ten über­zeugt war, zum Bei­spiel statt ei­ner wie­der­keh­ren­den Par­ty am Sams­tag ex­ter­ne Ver­an­stal­ter ein­zu­la­den, hör­te er En­de 2015 auch als DJ auf. Liebl da­ge­gen ist über­zeugt, dass nur die­se Stra­te­gie den Klub so lan­ge am Le­ben ge­hal­ten hat.

Liebls Ver­su­che, der eins­ti­gen Kult­dis­co neu­es Le­ben ein­zu­hau­chen, ha­ben nun ein En­de. Ei­nen Plan für die Zu­kunft gibt es be­reits: Aus der Dis­ko­thek soll laut Kuss ein Ver­an­stal­tungs­saal wer­den, in dem Hoch­zei­ten, Ge­burts­ta­ge und an­de­re Fes­te ge­fei­ert wer­den, zu de­nen 200 und mehr Gäs­te kom­men. Auch ei­nen In­ter­es­sen­ten hat Kuss be­reits: Ma­nu­el Liebl könn­te Be­trei­ber blei­ben, zu­sam­men mit ei­nem neu­en Ge­schäfts­part­ner. Spruchreif ist aber noch nichts. Zu­nächst soll das Ge­bäu­de um­ge­baut wer­den, ei­ne Nut­zungs­än­de­rung hat Kuss be­an­tragt. Vom neu­en Pro­jekt ist der Un­ter­neh­mer über­zeugt: „Die Nach­fra­ge ist groß, weil es die Mög- lich­kei­ten wo­an­ders nicht gibt“, er­klärt er und ver­weist auf die gu­te La­ge und die Park­plät­ze. Po­des­te und Licht­an­la­ge sol­len ab­ge­baut, die zu­ge­mau­er­ten Fens­ter frei­ge­legt und er­neu­ert wer­den. Schall­dicht, um Nach­barn nicht zu stö­ren. „Die Laut­stär­ken bei Dis­ko­the­ken sind aber so­wie­so ei­ne an­de­re Num­mer.“

Der Be­sit­zer hat Il­lu­sio­nen ver­lo­ren, ge­nau­so wie Päch­ter Liebl. „Das Kon­zept Groß­dis­co ist tot“, sagt Kuss, der die Dis­ko­thek am See sein „Ba­by“nennt. In den An­fangs­jah­ren sei­en die Gäs­te we­gen der mo­der­nen La­ser-An­la­ge so­gar aus Ulm und Kemp­ten ge­kom­men, er­in­nert sich Kuss. Liebl, der seit rund zehn Jah­ren als Ver­an­stal­ter im Nacht­le­ben ak­tiv ist, hat­te sich mehr er­hofft. Er weiß aus Ge­sprä­chen mit an­de­ren Dis­co-Be­trei­ben, dass auch an­dern­orts die Be­su­cher­zah­len sin­ken und spricht da­bei vom „tiefs­ten Punkt seit 60 Jah­ren“.

Die jun­gen Leu­te wür­den mehr ar­bei­ten, we­ni­ger fort­ge­hen und ihr Geld eher in Smart­pho­nes und Lea­sing-Ra­ten für Au­tos ste­cken, ver­mu­tet Liebl. Dar­an wer­de sich nichts än­dern, pro­gnos­ti­ziert er. „Man sperrt nicht mehr um 10 Uhr auf und um 5 Uhr zu und die Leu­te ste­hen Schlan­ge.“Die Zei­ten, in de­nen jun­ge Leu­te Stamm­dis­ko­the­ken hat­ten, sei­en vor­bei. Statt des­sen müss­ten Be­trei­ber mehr bie­ten: Li­ve-Künst­ler und Fes­ti­val-Flair. Die Sän­ger, die Liebl für Auf­trit­te im Tro­pi en­ga­gier­te, ver­lang­ten zwi­schen 8000 und 30 000 Eu­ro pro Abend. Zu viel, wenn die Gäs­te aus­blei­ben. Da­bei sei­en man­che Ver­an­stal­tun­gen gut ge­lau­fen, zum Bei­spiel die Schaum­par­tys oder die Eth­no-Par­tys wie Bal­kan-Aben­de.

Feh­ler er­kennt Liebl auch beim Tro­pi selbst. Die sei­en vor al­lem in der Ver­gan­gen­heit ge­macht wor­den, als man erst jun­ge Be­su­cher und dann Mi­gran­ten ver­grault ha­be. Frü­he­re Päch­ter hät­ten ver­säumt, statt des Stamm­pu­bli­kums neue, jün­ge­re Be­su­cher an­zu­lo­cken. Das ha­be man in den ein­ein­halb Jah­ren trotz ei­nes gu­ten Starts im Fa­sching 2015 nicht wett­ma­chen kön­nen.

Liebl und Kuss be­teu­ern, dass das Aus im bes­ten Ein­ver­neh­men be­schlos­sen wur­de. Liebl spricht so­gar von ei­nem „Va­ter-Sohn-Ver­hält­nis“, das zwi­schen den bei­den ent­stan­den sei. Da bei­de in der Land­wirt­schaft groß wur­den, hät­ten sie von Be­ginn an den rich­ti­gen Draht zu­ein­an­der ge­fun­den, sagt Liebl. „Das war ein su­per Päch­ter, aber wenn das Kon­zept nicht geht, geht es nicht“, be­dau­ert Kuss.

Für Liebl, der haupt­be­ruf­lich als Fahr­leh­rer ar­bei­tet und sich ne­ben­her um die Dis­co küm­mer­te, war es „ei­ne net­te Er­fah­rung und ei­ne net­te Zeit, in der ich vie­le net­te Leu­te ken­nen­ge­lernt ha­be“. Er will in der Sze­ne ak­tiv blei­ben und sich wie­der um Ver­an­stal­tun­gen rund um sei­nen Hei­mat­ort Tä­fer­tin­gen küm­mern. „Wenn man ein­mal im Nacht­le­ben Blut ge­leckt hat, kommt man nicht so ein­fach weg.“

Fo­to: Mayr

Tro­pi-Be­trei­ber Ma­nu­el Liebl baut ab. Die Dis­ko­thek am Fried­ber­ger See schließt nach 36 Jah­ren.

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