„Ich möch­te, dass es vor­bei ist“

Das Amts­ge­richt ver­ur­teilt ei­ne 30-jäh­ri­ge Kas­sie­re­rin we­gen Un­treue in 57 Fäl­len. Was sie zum Be­trug ver­führ­te

Friedberger Allgemeine - - Augsburg - VON MICHA­EL SIEGEL

Weil das Geld nicht reich­te, griff ei­ne 30-jäh­ri­ge Ver­käu­fe­rin 57 Mal in die Kas­se ih­res Ar­beit­ge­bers. Über 700 Eu­ro ver­un­treu­te sie so in zwei Augs­bur­ger Fi­lia­len ei­nes Be­klei­dungs­händ­lers – und saß jetzt vor dem Amts­ge­richt. We­gen Un­treue wur­de sie zu ei­ner Geld­stra­fe von 1200 Eu­ro ver­ur­teilt.

„Ich geb’s zu, ich möch­te, dass es vor­bei ist“, ge­stand die 30-Jäh­ri­ge mit lei­ser Stim­me, was ihr die Staats­an­walt­schaft in der An­kla­ge­schrift vor­hielt. Die Augs­bur­ge­rin ar­bei­te­te als Kas­sie­re­rin bei ei­nem Be­klei­dungs­dis­coun­ter. Mit ih­rer Be­rech­ti­gungs­kar­te für die Kas­se konn­te sie auch Stor­nie­run­gen durch­füh­ren. Wenn ein Kun­de in dem Ge­schäft ei­nen Ar­ti­kel zu­rück­gab, be­kam er sein Geld aus der Kas­se zu­rück. Sol­che Stor­nie­run­gen er­fand die An­ge­klag­te in 57 Fäl­len. Ar­ti­kel­rück­ga­ben fan­den nicht statt, aber sie nahm sich das Geld aus der Kas­se. Zwi­schen März 2015 und Ja­nu­ar 2016 war die Frau in zwei Fi­lia­len in Pfer­see und im Her­ren­bach tä­tig. Da­bei stor­nier­te sie laut An­kla­ge­schrift Ar­ti­kel in ei­nem Wert zwi­schen 79 Cent und 59,90 Eu­ro. Auf 713 Eu­ro be­lief sich der Ge­samt­scha­den am En­de, be­vor ih­re Ver­un­treu­un­gen ent­deckt wur­den.

War­um sie denn die Ta­ten be­gan­gen ha­be, frag­te Rich­ter Ralph Hir­mer die An­ge­klag­te, die oh­ne Rechts­an­walt oder sons­ti­gen Bei­stand zur Ver­hand­lung er­schie­nen war. „Es war zu we­nig Geld da“, ge­stand die al­lein­er­zie­hen­de Mut­ter ei­nes her­an­wach­sen­den Soh­nes. Zwar ha­be sie ei­nen 450-Eu­ro-Job ge­habt, hat­te aber sel­ten so vie­le Ar­beits­stun­den zu­ge­teilt be­kom­men, dass sie auf den Ge­samt­be­trag kam. Da ihr die Idee mit den Stor­nie­run­gen ge­kom­men. Zwei Zeu­gen, die das Ge­richt zur Ve­ri­fi­zie­rung der An­kla­ge ge­la­den hat­te, wur­den oh­ne An­hö­rung ent­las­sen.

Sie sei be­reit, den ent­stan­de­nen Scha­den gut­zu­ma­chen, ver­si­cher­te die An­ge­klag­te, auch wenn ei­ne sol­che Wie­der­gut­ma­chung an­fangs mit ih­rem Ar­beit­ge­ber nicht ge­klappt hat­te. Auch der For­de­rung der Staats­an­walt­schaft nach ei­ner Stra­fe in Hö­he von 90 Ta­ges­sät­zen zu je 15 Eu­ro stimm­te sie zu. „Ich be­zah­le das.“Der Rich­ter setz­te schließ­lich in sei­nem Ur­teil ein Straf­maß von 80 Ta­ges­sät­zen zu je 15 Eu­ro fest. Es müs­se ihr klar sein, dass sie ei­ne Stra­fe er­hal­te, er­klär­te er der Frau. Auch wenn sie ein Ge­ständ­nis ab­ge­legt ha­be und bis­lang nicht auf­fäl­lig ge­wor­den war, so ha­be sie doch ih­re Ta­ten wie­der­holt und über ei­nen län­ge­ren Zeit­punkt be­gan­gen. Gleich­wohl sei ei­ne Geld­stra­fe für die Ta­ten aus­rei­chend. Ur­sprüng­lich hat­te die Staats­an­walt­schaft le­dig­lich ei­nen Straf­be­fehl ge­gen die Frau er­las­sen. Das Ge­richt be­raum­te aber we­gen des be­son­de­ren öf­fent­li­chen In­ter­es­ses ei­ne Haupt­ver­hand­lung an.

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