Der „Ki­ni“ist tot, der My­thos lebt

Friedberger Allgemeine - - Bayern - VON TILL HOF­MANN Der letz­te Brief ioa@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Nicht­ein­ge­weih­te ha­ben vor we­ni­gen Ta­gen schnell das Wort „Sen­sa­ti­on“be­nutzt, als die mut­maß­lich letz­ten Zei­len des baye­ri­schen Mon­ar­chen Lud­wig II. be­kannt wur­den. In dem Brief em­pört sich der Re­gent, dass er we­gen sei­ner ver­meint­li­chen Geis­tes­krank­heit ab­ge­setzt wer­den soll­te.

Das ist al­len­falls in De­tails neu­er, vor al­lem aber span­nen­der und au­then­ti­scher Stoff, der 130 Jah­re nach dem Tod des „Mär­chen­kö­nigs“viel Raum für In­ter­pre­ta­tio­nen lässt: Ist der Mann Op­fer ei­nes Put­sches ge­wor­den, den er nicht ver­hin­dern konn­te? Hat­te das Ka­bi­nett in München kei­ne an­de­re Mög­lich­keit, als ihn ent­mün­di­gen zu las­sen, um re­gie­rungs­fä­hig zu blei­ben?

Der Brief taugt nicht für ein­deu­ti­ge Schlüs­se. Lud­wig war kör­per­lich wie geis­tig an­ge­schla­gen – ein den Küns­ten zu­ge­ta­ner Mensch, der rea­len Welt weit ent­rückt. „Ein ewig Rätsel will ich blei­ben, mir und an­de­ren“, hat er ein­mal ge­schrie­ben. Das ist ihm bis heu­te ge­lun­gen – auch weil die Nach­fah­ren des be­rühm­tes­ten Wit­tels­ba­chers mit Ver­weis auf die To­ten­ru­he ei­ne Ob­duk­ti­on ver­wei­gern. Was da ge­nau im Starn­ber­ger See pas­siert ist, bleibt un­ge­klärt. Der „Ki­ni“ist tot, der My­thos lebt.

Fo­to: Jan-Pe­ter Kas­per, dpa

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