Face­book ist nicht al­lei­ne ver­ant­wort­lich

Friedberger Allgemeine - - Erste Seite - VON CHRIS­TI­NA HEL­LER hhc@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Wenn Ge­walt­tä­ter ih­re Ver­bre­chen li­ve ins Netz stel­len, ist das ent­setz­lich. Plötz­lich wird ei­ne Platt­form, die für Mil­lio­nen Men­schen zum All­tag und zur Un­ter­hal­tung ge­hört, zum Kom­pli­zen von Kri­mi­nel­len. Man kann nun über die Abar­tig­keit die­ser Men­schen kla­gen. Aber min­des­tens ge­nau­so sehr soll­te man sich fra­gen: Wer schaut da zu? Fällt 200 Men­schen, die in ei­nem deut­lich ge­kenn­zeich­ne­ten Li­ve-Vi­deo ei­ne Ver­ge­wal­ti­gung se­hen, nichts Bes­se­res ein als zu gaf­fen? Das ist fast ge­nau­so ab­ar­tig wie die Tat selbst. Des­halb kann man die Schuld nicht nur bei Face­book su­chen.

Der Kon­zern muss sei­ne In­hal­te bes­ser prü­fen, das ist rich­tig. Aber was im Netz ak­zep­tiert wird und was nicht, ist auch ei­ne Fra­ge der ge­sell­schaft­li­chen Wer­te und Nor­men. Da spielt Zi­vil­cou­ra­ge ei­ne Rol­le und die Ach­tung der Wür­de an­de­rer Men­schen. Die Hemm­schwel­le, ab der man Bil­der un­er­träg­lich fin­det und die Po­li­zei ruft, ist er­lernt. Will man al­so nicht, dass die Ge­sell­schaft wei­ter ab­stumpft, müs­sen die­se al­ten Wer­te auch in der neu­en, der di­gi­ta­len Welt ei­ne Rol­le spie­len. Da­für ist je­der ver­ant­wort­lich.

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