Das Get­to im Vor­stadt­idyll

Friedberger Allgemeine - - Friedberg - VON UTE KROGULL Ge­för­der­ter Wohn­bau kru@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Seit Jahr­zehn­ten hat die Stadt Fried­berg kei­ne So­zi­al­woh­nun­gen mehr ge­baut. Es ist gut, dass sie das än­dert. Doch der Stadt­rat, für den das The­ma er­kenn­bar Neu­land ist, könn­te ei­nen Feh­ler ge­macht ha­ben. Die Po­li­ti­ker ha­ben sich für die al­lei­ni­ge För­de­rung nach dem Kom­mu­na­len Wohn­bau­för­der­pro­gramm ent­schie­den. Das kann zur Fol­ge ha­ben, dass in den bei­den Blocks im Ran­de des Vor­stadt­idylls Afra­stra­ße ei­ne Art so­zia­les Get­to ent­steht. Nach dem ge­wähl­ten För­der­pro­gramm ha­ben die Be­dürf­tigs­ten Vor­rang. Die Ein­kom­mens­gren­ze liegt bei jähr­lich 42 000 Eu­ro für ei­nen Vier-Per­so­nen­Haus­halt. Von ih­nen gibt es in Fried­berg ge­nug, um die 70 Woh­nun­gen zu fül­len – man den­ke nur an die vie­len Flücht­lings­fa­mi­li­en.

Nach dem Mo­dell der ein­kom­mens­ori­en­tier­ten För­de­rung hät­ten auch Mit­tel­schicht­fa­mi­li­en ei­ne Chan­ce ge­habt. Ein Drit­tel der Be­woh­ner dürf­te – für ei­ne vier­köp­fi­ge Fa­mi­lie – 60 000 Eu­ro Jah­res­ein­kom­men ha­ben. Bei­spie­le zei­gen, dass dann ver­schwimmt, wer wie viel Geld hat. Ei­ner Stig­ma­ti­sie­rung ist so vor­ge­beugt. Es ent­ste­hen ei­ne Durch­mi­schung und sta­bi­le Nach­bar­schaft, die auch für an­de­re Nach­barn leich­ter zu ak­zep­tie­ren ist. Die­se Chan­ce wur­de ver­tan.

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