Was tun?

Friedberger Allgemeine - - Medien -

Tag­traum Ich ha­be mich für den Ar­ti­kel über „Ba­by­lon Ber­lin“lan­ge mit Vol­ker Kut­scher un­ter­hal­ten. Er war Re­dak­ti­ons­lei­ter der

in Wip­per­fürth bei Köln, ein Kol­le­ge – und be­geis­tert sich wie ich für die (All­tags-)Kul­tur der Wei­ma­rer Re­pu­blik. In der schrie­ben so groß­ar­ti­ge Jour­na­lis­ten und Pu­bli­zis­ten wie Kurt Tuchol­s­ky, Erich Käst­ner, Al­f­red Pol­gar oder Carl von Os­sietz­ky. Un­ter an­de­rem für

Hin und wie­der stel­le ich mir vor, ich wür­de sie tref­fen, et­wa im Ro­ma­ni­schen Ca­fé in Ber­lin. Ei­ner Zei­tungs­stadt, in der über 60 Ta­ges­zei­tun­gen er­schie­nen. Oder wir sä­ßen in der Re­dak­ti­ons­stu­be vor un­se­ren Schreib­ma­schi­nen (ähn­lich wie Kom­mis­sar Rath auf dem Bild), rauch­ten und zer­brä­chen uns den Kopf über den Lauf der Din­ge. Kut­scher weiß da­mit we­nig an­zu­fan­gen. Er wür­de ger­ne in die­se Zeit hin­ein­gu­cken, weil er neu­gie­rig sei, sagt er. „Wenn es ei­ne Zeit­ma­schi­ne gä­be, wür­de ich die aber nur be­tre­ten, wenn ich auch wie­der zu­rück­rei­sen könn­te.“Denn er fra­ge sich: „Mit dem Wis­sen von heu­te, was wür­de ich da tun?“So­fort lan­det er bei der Fra­ge: „Soll ich Hit­ler er­schie­ßen?“Al­lein um die­se Fra­ge nicht be­ant­wor­ten zu müs­sen, wür­de er wahr­schein­lich auf ei­ne Rei­se in die Ver­gan­gen­heit ver­zich­ten.

Und dann meint er noch, dass auch Tuchol­s­ky und die an­de­ren die Ent­wick­lung hin zur Na­zi-Dik­ta­tur nicht hät­ten stop­pen kön­nen. Wie wir­kungs­los doch ihr Schrei­ben ge­we­sen sei. Was wohl Tuchol­s­ky (1890–1935) da­zu ge­sagt hät­te?

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