Es ist so heiß!

Pünkt­lich zum Fe­ri­en­be­ginn knackt Bay­ern den Hit­ze­re­kord. Man­che freut’s, an­de­re lei­den be­son­ders

Friedberger Allgemeine - - Bayern - VON SAN­DRA LIERMANN

Augs­burg „Gu­te Aus­sich­ten, dass der Hit­ze­re­kord ge­knackt wird“, pro­phe­zei­te Me­teo­ro­lo­ge Jür­gen Schmidt von Wet­ter­kon­tor ges­tern Mit­tag. Und er soll­te recht be­hal­ten. Laut Deut­schem Wet­ter­dienst war der Di­ens­tag der bis­her hei­ßes­te Som­mer­tag im Frei­staat in die­sem Jahr. In München wur­den am spä­ten Nach­mit­tag 35,8 Grad ge­mes­sen – bis­her hat­te der 19. Ju­li mit 35 Grad in Kit­zin­gen den Re­kord im baye­ri­schen Som­mer 2017 ge­hal­ten. Grund für die Hit­ze war ein Tief­druck­ge­biet über den Bri­ti­schen In­seln, das an sei­ner Vor­der­sei­te hei­ße Luft bis nach Bay­ern pump­te.

Was für die ei­nen ein traum­haf­ter Som­mer­tag war, brach­te an­de­re zum Äch­zen: Es ist viel zu heiß, war vie­ler­orts zu hö­ren. Mar­tin Ban­ger aus Augs­burg hat­te da­für ges­tern nur ein mü­des Lä­cheln üb­rig: „Über das Wet­ter wird doch im­mer ge­me­ckert. Recht ma­chen kann man es nie­man­dem“, sag­te der In­ha­ber ei­nes Piz­za-Lie­fer­diens­tes. Wäh­rend vie­le Men­schen ih­ren Ar­beits­tag im kli­ma­ti­sier­ten Bü­ro­raum ver­brin­gen, steht Ban­ger den gan­zen Tag über in der Kü­che – ne­ben ei­nem 450 Grad war­men Ofen. Bei je­der Piz­za, die zum Ba­cken hin­ein­ge­scho­ben oder ein paar Mi­nu­ten spä­ter damp­fend her­aus­ge­holt wird, muss die Ofen­klap­pe ge­öff­net wer­den und die Hit­ze schwappt hin­aus. „Ge­ra­de sind es nur 30 Grad hier drin­nen“, sag­te er am Mit­tag mit Blick aufs Ther­mo­me­ter an der Kü­chen­wand. „Aber das geht noch auf 36 oder 37 Grad hoch.“Tem­pe­ra­tu­ren, bei de­nen es in an­de­ren Be­trie­ben längst hit­ze­frei ge­ge­ben hät­te, sind für Ban­ger und sei­ne Kol­le­gen nor­mal. Im­mer­hin steht ei­ne gut ge­füll­te Eis­the­ke im Ver­kaufs­raum, an der sie sich be­die­nen kön­nen.

Die­sen Lu­xus gibt es auf der Bau­stel­le an der Augs­bur­ger Ja­ko­ber­wall­stra­ße nicht. Dort, wo im ver­gan­ge­nen De­zem­ber der Fund ei­ner Flie­ger­bom­be da­für sorg­te, dass mehr als 54 000 Men­schen ih­re Woh­nun­gen ver­las­sen muss­ten, knall­te ges­tern die Son­ne auf die Köp­fe der Bau­ar­bei­ter. „Man ge­wöhnt sich dar­an“, sag­te Bau­stel­len­lei­ter Mat­thi­as En­ders ach­sel­zu­ckend, als er ei­ne kur­ze Pau­se vom Kies­schau­feln mach­te: „Wir müs­sen uns eben mit dem Wet­ter ar­ran­gie­ren in un­se­rem Job. Wenn es reg­net und al­les am Kör­per klebt, ist es noch viel schlim­mer.“

In Augs­burg zeig­te das Ther­mo­me­ter am Nach­mit­tag laut Wet­ter­kon­tor 33,2 Grad an – re­la­tiv we­nig im baye­ri­schen Ver­gleich. In der Ober­pfäl­zer Stadt Am­berg wur­den am spä­ten Nach­mit­tag 35 Grad ge­mes­sen, im ober­baye­ri­schen Neu­burg an der Do­nau 34,7 Grad und im nie­der­baye­ri­schen El­sen­dorf (Land­kreis Kel­heim) 34,5 Grad.

Den­noch hat der Augs­bur­ger Wert ges­tern im­mer­hin zwei städ­ti­sche Re­kor­de ge­bro­chen: Mit 32,4 Grad war der 1. Au­gust auch in Augs­burg der bis­lang hei­ßes­te Tag des Jah­res. Und gleich­zei­tig war es auch der hei­ßes­te 1. Au­gust über­haupt in der Stadt. Laut Wet­ter­kon­tor lag der Re­kord für die­sen Tag bis­lang bei 32 Grad – auf­ge­stellt im Jah­re 1958, ge­mes­sen na­he des Flug­ha­fens. Vor ei­nem Jahr war der 1. Au­gust mit schlap­pen 22 Grad üb­ri­gens weit von der Re­kord­mar­ke ent­fernt.

Ei­ner, der sich ges­tern aus­nahms­los über die Re­kord-Tem­pe­ra­tu­ren freu­te, war Jo­chen Hih­ler, Schwimm­meis­ter im Dil­lin­ger Eich­wald­bad: „Die Leu­te strö­men ins Frei­bad“, sag­te er am Nach­mit­tag und freu­te sich mit sei­nen Gäs­ten, auch wenn er selbst nichts ins Was­ser hüp­fen durf­te. „Wenn wir um 20 Uhr schlie­ßen, ha­be ich 20 Mi­nu­ten Pau­se. Dann geht es wei­ter“, sag­te er. Dann wer­den Fil­ter ge­säu­bert und Be­cken ge­rei­nigt, da­mit sich die Ba­de­gäs­te auch am nächs­ten Tag mit ei­nem Sprung ins Was­ser vor der Hit­ze ret­ten kön­nen.

Augs­burg knackt gleich zwei Tem­pe­ra­tur Re­kor­de Tipps für ei­nen küh­len Kopf

Die Kauf­män­ni­sche Kran­ken­kas­se rät, bei Son­ne und Hit­ze fol­gen­de Re­geln zu be­ach­ten:

Viel trin­ken Am bes­ten eig­net sich Mi­ne­ral­was­ser, um den Flüs sig­keits­ver­lust durch das Schwit­zen wie­der aus­zu­glei­chen.

Di­rek­te Son­nen­ein­strah­lung ver­mei­den Wenn mög­lich, soll­te man sich im­mer im Schat­ten auf­hal ten. Dar­über hin­aus soll­te man die Haut re­gel­mä­ßig mit Son­nen­schutz mit­tel be­han­deln.

Rich­tig lüf­ten An hei­ßen Som mer­ta­gen soll­te man am bes­ten nur lüf­ten, wenn es drau­ßen am kühls­ten ist – al­so früh­mor­gens oder spät­abends.

Die rich­ti­ge Klei­dung tra­gen Luf­ti­ge Blu­sen und Hem­den aus na­tür­li­chen Ma­te­ria­li­en wie Baum wol­le oder Lei­nen hel­fen da­bei, die Som­mer­hit­ze oh­ne gro­ße Schweiß aus­brü­che zu über­ste­hen. (AZ)

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