Was wün­schen sich Ba­de­gäs­te für den See?

Event­flä­che oder Nah­er­ho­lungs­ge­biet – über die Nut­zung wird viel dis­ku­tiert. Wir ha­ben uns auf der Lie­ge­wie­se nach den Mei­nun­gen um­ge­hört

Friedberger Allgemeine - - Friedberg - VON FE­LI­CI­TAS LACHMAYR

Fried­berg Schla­ger­ta­ge, Süd­uferFes­ti­val, zu­letzt die Idee für ei­ne Va­rie­té-Show im Win­ter: Es gibt vie­le Ide­en, wie sich das Are­al am Fried­ber­ger See nut­zen lässt. Gleich­zei­tig sor­gen Lärm und Müll an hei­ßen Som­mer­aben­den im­mer wie­der für Är­ger. Wie steht es aus Sicht der Ba­de­gäs­te um das Ge­biet? „Mei­ner Mei­nung nach hat sich der See gut ent­wi­ckelt“, sagt Michael Winkler aus Fried­berg. Er kommt re­gel­mä­ßig an den See und hat des­sen Ent­wick­lung mit­er­lebt. „Es hat sich ei­ni­ges ge­tan in den letz­ten Jah­ren“, be­tont er. Um­klei­den, Spiel­plät­ze, ein Vol­ley­ball­feld, es sei für je­den et­was da­bei. Die nö­ti­ge Ru­he fin­de er am See aber trotz­dem noch. „Man kann hier rich­tig Ur­laub ma­chen“, schwärmt Winkler. Der See sei für die Fried­ber­ger ein ech­tes Ge­schenk.

Auf ei­ni­ge Ve­rän­de­run­gen wie die Was­ser­ski-An­la­ge hät­te er ver­zich­ten kön­nen. Aber man­che Din­ge müs­se man eben ak­zep­tie­ren. „Ich ge­he ein­fach im­mer schwim­men, be­vor die Ers­ten ih­re Run­den dre­hen“, sagt er la­chend. Mit Events am See soll­te sich die Stadt sei­ner Mei­nung nach aber zu­rück­hal­ten. „Na­tür­lich soll­te für Jung und Alt et­was ge­bo­ten sein, aber mit ei­ner fes­ten Event­flä­che geht das Ur­sprüng­li­che des Sees ver­lo­ren.“

Erst ver­gan­ge­ne Wo­che de­bat­tier­te der Stadt­rat über die Er­rich­tung ei­ner Event­flä­che mit Va­rie­téShow. Doch der An­trag­stel­ler, Tra­ves­tie­künst­ler Chris Ko­lon­ko, zog sei­ne An­fra­ge zu­rück, be­vor ei­ne Ent­schei­dung ge­trof­fen wer­den konn­te. Für das zwei­tä­gi­ge Süd­uferFes­ti­val, das die Stadt im Ju­li ver­an­stal­te­te, muss­te so manch ein Stamm­gast auf sein Ba­de­ver­gnü­gen am Wo­che­n­en­de ver­zich­ten. Eben- falls seit Ju­li herrscht Par­ty­be­trieb im ehe­ma­li­gen Tro­pi­ca­na.

Ni­na En­de aus Fried­berg freut sich über ein biss­chen Ak­ti­on am See. „Ich war frü­her auch im­mer beim Fei­ern im Tro­pi­ca­na“, er­zählt die 34-Jäh­ri­ge. Es sei gut, dass dort wie­der et­was los sei und jun­ge Leu­te aus der Re­gi­on ei­nen Ort zum Fei­ern hät­ten. Ei­ne fes­te Event­flä­che am See lehnt sie ab. „Aber man soll­te das schö­ne Flair des Sees auf je­den Fall nut­zen“, be­tont sie. Ver­an­stal­tun­gen wie das Süd­ufer-Fes­ti­val sei­en toll, denn da­mit sei in Fried­berg auch für die jün­ge­re Ge­ne­ra­ti­on et­was ge­bo­ten. Auch wenn sie selbst an dem Wo­che­n­en­de auf ei­nen spon­ta­nen Ba­de­be­such ver­zich­ten muss­te.

Ähn­lich sieht es Hel­ga Wa­gner. Seit zehn Jah­ren hat sie ih­ren Stamm­platz in ei­ner schat­ti­gen Ecke am Süd­ufer des Sees. „Frü­her la­gen wir im­mer wei­ter drü­ben, aber als die Tau­cher ka­men, sind wir hier­her um­ge­zo­gen“, er­in­nert sie sich. Ge­är­gert hat sie sich da­mals nicht, denn es sei im­mer noch ge­nug Platz für al­le ge­we­sen. Wenn es nach ihr gin­ge, soll­te die Lie­ge­wie­se al­ler­dings nicht mehr klei­ner wer­den. „Sonst lie­gen wir hier ir­gend­wann noch so eng wie auf Mallor­ca.“Für die Hoch­zol­le­rin ist es vor al­lem die gu­te Was­ser­qua­li­tät, die den See so at­trak­tiv macht. An Ver­an­stal­tun­gen am See stört sie sich nicht. „Ich war selbst schon hier, als ein Ki­no­abend ver­an­stal­tet wur­de“, er­zählt Wa­gner. Wenn ab und an ein Fes­ti­val statt­fin­de, ha­be sie nichts da­ge­gen. Aber ins­ge­samt hof­fe sie, dass der See so bleibt, wie er ist. Ei­ne fes­te Event­flä­che kann auch sie sich nicht vor­stel­len.

Ein Ent­wick­lungs­kon­zept für den See stößt bei Gün­ter Hel­fer aus Fried­berg eher auf Ver­wun­de­rung. „Vie­les ist pri­vat, was will man da noch groß gestal­ten“, wun­dert er sich. Auch die Was­ser­ski-An­la­ge hät­te ein Stück vom See ge­nom­men. „Frü­her konn­te man ein­fach quer durch den See schwim­men“, sagt Hel­fer, der seit 60 Jah­ren zum Ba­den kommt. „Es war ei­ne Sen­sa­ti­on für die Fried­ber­ger, als der See hier ent­stand“, er­in­nert er sich.

Da­mals sei­en al­ler­dings noch we­sent­lich we­ni­ger Leu­te da ge­we­sen. „Es kom­men im­mer mehr Leu­te auch von au­ßer­halb“, sagt er. Ein­tritt zu ver­lan­gen, wä­re nicht schlecht. „Aber nur, wenn es für die Fried­ber­ger um­sonst ist“, sagt er schmun­zelnd. „Aber mir ist schon klar, dass das nicht mach­bar ist.“Ver­an­stal­tun­gen am See fin­det er prin­zi­pi­ell in Ord­nung. „So­lan­ge es nicht über­hand­nimmt und al­les sau­ber bleibt, kann man das schon ma­chen“, sagt er. Die Ju­gend brau­che schließ­lich auch Ge­le­gen­hei­ten zum Fei­ern.

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