Mit­ar­bei­ter be­stiehlt jah­re­lang die Fir­ma

Die Wa­ren im Wert von 25 000 Eu­ro bie­tet er im In­ter­net an. Dort kommt ihm schließ­lich aber auch das Un­ter­neh­men auf die Sch­li­che

Friedberger Allgemeine - - Friedberg - VON GER­LIN­DE DR­EX­LER

Aichach Fried­berg Fast drei Jah­re mach­te ein 26-jäh­ri­ger Mann aus dem Wit­tels­ba­cher Land lan­ge Fin­ger und be­stahl sei­nen Ar­beit­ge­ber. Er ließ Ob­jek­ti­ve und Mess­ge­rä­te im Wert von 25000 Eu­ro mit­ge­hen. War­um er zum Dieb ge­wor­den war, konn­te sich der An­ge­klag­te selbst nicht er­klä­ren. Ver­mut­lich sei es Scham ge­we­sen, weil er sein Le­ben nach dem Aus­zug aus dem El­tern­haus fi­nan­zi­ell nicht auf die Rei­he be­kam, sag­te der 26-Jäh­ri­ge. Was ihn selbst er­schreck­te: dass sei­ne Die­be­rei­en so aus­ge­ar­tet wa­ren.

68 Fäl­le lis­te­te Staats­an­walt Kon­stan­tin Hu­ber auf, bei de­nen der An­ge­klag­te ori­gi­nal­ver­pack­te Ob­jek­ti­ve und in Ge­brauch be­find­li­che Mess­ge­rä­te hat­te mit­ge­hen las­sen. Im In­ter­net bot er sein Die­bes­gut an und ver­kauf­te es meist un­ter Wert. Auf die Idee, dass es Mist sei, was er da macht, kam der An­ge­klag­te selbst. „Aber ich war nicht mu­tig ge­nug, um es of­fen­zu­le­gen“, gab er zu. Sei­nem Ar­beit­ge­ber war der Ver­lust ziem­lich schnell auf­ge­fal­len. Der Ge­schäfts­füh­rer: „Zu dem Zeit­punkt war das Vo­lu­men noch ge­ring und wir konn­ten kei­ne Ver­däch­ti­gen aus­ma­chen.“Klar war je­doch, dass der Dieb nur ein Mit­ar­bei­ter sein konn­te. Dann aber nah­men die Dieb­stäh­le deut­lich zu. Bei der In­ven­tur fiel das deut­lich auf. Da die Ge­rä­te nur für die in­dus­tri­el­le An­wen­dung ge­dacht wa­ren, re­cher­chier­te die Fir­ma im In­ter­net, ob sie dort an­ge­bo­ten wur­den. An­fang des Jah­res sei man fün­dig ge­wor­den, so der Ge­schäfts­füh­rer. Ein Sch­ein­kauf führ­te schließ­lich zum An­ge­klag­ten.

Der 26-Jäh­ri­ge zeig­te sich von An­fang an sehr ko­ope­ra­tiv: Er gab al­les zu und er­stell­te an­hand sei­ner Kon­to­aus­zü­ge ei­ne Lis­te al­ler ver­kauf­ten Ge­gen­stän­de. Auch den Scha­den in Hö­he von 25 000 Eu­ro be­glich er um­ge­hend. Die Fir­ma re­van­chier­te sich, in­dem sie die frist­lo­se Kün­di­gung in ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag um­wan­del­te. Das Ver­hal­ten rech­ne­te Staats­an­walt Hu­ber dem An­ge­klag­ten an. Zu sei­nen Las­ten wer­te­te er die Viel­zahl der Fäl­le und den Ver­trau­ens­miss­brauch ge­gen­über dem Ar­beit­ge­ber. Hu­ber for­der­te ei­ne zwei­jäh­ri­ge Be­wäh­rungs­stra­fe und ei­ne Geld­auf­la­ge in Hö­he von 3000 Eu­ro für ei­ne ge­mein­nüt­zi­ge Ein­rich­tung.

Ver­tei­di­ger Marc Sturm plä­dier­te für ei­ne 15-mo­na­ti­ge Be­wäh­rungs­stra­fe. Durch die Mit­ar­beit sei­nes Man­dan­ten sei der Zwei­fel an an­de­ren Mit­ar­bei­tern der Fir­ma aus­ge­räumt wor­den, so der An­walt. Der Ge­schäfts­in­ha­ber hat­te aus­ge­sagt, dass die Dieb­stäh­le das Be­triebs­kli­ma be­las­te­ten, so­lan­ge es kei­nen kon­kre­ten Ver­dacht gab.

Amts­rich­ter Wal­ter Hell ver­ur­teil­te den Mann zu ei­ner zwei­jäh­ri­gen Be­wäh­rungs­stra­fe. Als Auf­la­ge muss er 3000 Eu­ro an den Ver­ein zur För­de­rung der Be­wäh­rungs­hil­fe zah­len.

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