Hen­schel Quar­tett in Mer­ching aus­ge­la­den

Kir­chen­ver­wal­tung will an­de­re Ak­zen­te set­zen. Für die Or­ga­ni­sa­to­ren der Klas­sik-Kon­zert­rei­he im Pfarr­saal ist die Ab­sa­ge aber ein Schlag ins Ge­sicht

Friedberger Allgemeine - - Mering | Merching - VON CHRIS­TI­NA RIEDMANN POOCH

Mer­ching Wer Klas­sik liebt und in Mer­ching wohnt, hat Glück – rie­si­ges mu­si­ka­li­sches Glück so­gar. Es be­ginnt am frü­hen Abend des Neu­jahrs­ta­ges, fin­det et­wa je­des Vier­tel­jahr ein­mal statt so­wie An­fang Ju­li in Form ei­ner Se­re­na­de. Die Klas­sik­kon­zer­te im Pfarr­saal Mer­ching sind über die Gren­zen der Ge­mein­de hin­aus be­kannt. Doch dem Hen­schel Quar­tett, das sonst in den gro­ßen Kon­zert­sä­len der Welt spielt, wur­de in Mer­ching ei­ne Ab­sa­ge er­teilt.

Be­gon­nen ha­ben die klas­si­schen Kon­zer­te mit Pfar­rer Carl Graf, der ne­ben sei­nem geist­li­chen Amt auch in Mu­si­ker­krei­sen ei­nen Na­men hat – be­son­ders für sei­ne ein­drucks­vol­len Bach-In­ter­pre­ta­tio­nen am Kla­vier oder an der Or­gel. Ger­ne ließ er sei­ne da­ma­li­ge Kir­chen­ge­mein­de zu­hö­ren, wenn er spiel­te. Sei­ne Kon­zer­te, zu de­nen auch Mu­si­k­er­freun­de ka­men und ihn in­stru­men­tal oder ge­sang­lich be­glei­te­ten, wa­ren be­liebt und gut be­sucht.

Mit dem Bau des neu­en Pfarr­saals 2001, des­sen gro­ßer Saal sich her­vor­ra­gend für Kon­zer­te ei­g­net, in­ten­si­vier­ten sich die Be­su­che und Auf­trit­te von Mu­si­kern, dar­un­ter klang­vol­le Na­men wie Ayu­mi Jan­ke, Pro­fes­sor Chris­toph Hen­schel, Ni­na Kar­mon, Ni­ki­ta Ser­ge­en­ko, De­nis Omero­vic, Pil­vi Heino­nen, Mar­git Hen­schel, das En­sem­ble Se­re­na­ta aus Leon­berg mit Bert­hold Ma­sing, Ma­ria So­fians­ka, Re­bek­ka Heu­fel­der, Je­an-Bap­tis­te Mou­ret, Frie­de­ri­ke Ki­en­le, Jew­gen­ja Rai­sowa oder das Hen­schel Quar­tett. Al­le Klas­sik­lieb­ha­ber, die auch aus dem Um­kreis nach Mer­ching kom­men, schät­zen den klei­nen Saal mit sei­ner Akus­tik. Hier ist Klas­sik auf höchs­tem Ni­veau zu hö­ren, wie man ihr an­ders­wo in re­nom­mier­ten Kon­zert­sä­len lau­schen kann.

Der Ge­dan­ke, das kul­tu­rel­le An­ge­bot in Mer­ching zu er­wei­tern und auch so­zi­al schwä­che­ren und ge­brech­li­chen Men­schen den Be­such von Kon­zer­ten auf ho­hem Ni­veau zu er­mög­li­chen, ging auf. Grafs Wunsch war es auch, da­durch Kin­der und Ju­gend­li­che an die klas­si­sche Mu­sik her­an­zu­füh­ren, auf­stre­ben­den jun­gen Mu­si­kern wie der Grup­pe Chi­li spon­ta­ne oder her­aus­ra­gen­den Schü­lern wie de­nen von Mar­git Hen­schel Raum zu ge­ben. Die re­nom­mier­ten Mu­si­ker, die hier auf­tre­ten, schät­zen die­se Op­ti­on, ob­wohl sie kei­ne Ein­tritts­gel­der ver­lan­gen. Sie füh­ren teil­wei­se ih­re Kon­zer­te qua­si als Ge­ne­ral­pro­be vor ih­ren Kon­zert­rei­sen auf. Als Pfar­rer Graf 2011 in den Ru­he­stand ging, ließ er sei­nen Flü­gel als Leih­ga­be zu­rück, da­mit die Kon­zer­te fort­ge­setzt wer­den kön­nen.

Da die Mer­chin­ger Klas­sik­lieb­ha­ber auf die­sen Ge­nuss nicht ver­zich­ten woll­ten, über­nahm ein Or­ga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tee um die Fa­mi­li­en Le­der, Röll und Mai­er die eh­ren­amt­li­che Ko­or­di­na­ti­on. Heinz Mai­er er­in­nert sich noch genau an das ers­te Kon­zert, wel­ches das Team am 24. Fe­bru­ar 2012 or­ga­ni­sier­te: „Mit Chris­toph Hen­schel (Vio­li­ne) und Jo­sé Gall­ar­do (Kla­vier). Es war ei­ne Eh­re, dass sie zu uns nach Mer­ching ka­men.“

Mit Pfar­rer Xa­vier und der neu­en Kir­chen­ver­wal­tung 2013 wur­den an­de­re Ak­zen­te ge­setzt. Kon­zer­te durf­ten aber we­gen der po­si­ti­ven Re­so­nanz nach ge­nau­er vor­he­ri­ger Ab­spra­che wei­ter­hin statt­fin­den. „Al­ler­dings nimmt sich die Pfar­rei als Ver­an­stal­ter her­aus“, be­stä­tig­te Kir­chen­pfle­ger Jo­sef Ober­hu­ber auf Nach­fra­ge. Or­ga­ni­sa­ti­ons­und ver­si­che­rungs­tech­ni­sche Grün­de sei­en da­für ent­schei­dend. „Die Mie­te ist sehr ge­ring, so­dass jetzt nicht ein­mal der Strom be­zahlt sei“, sind sei­ne Über­le­gun­gen.

Heinz Mai­er rech­net da­ge­gen vor, dass die Mu­si­ker oft nicht ein­mal mit den Spen­den ih­re An­rei­seo­der Ver­pfle­gungs­kos­ten de­cken kön­nen – und trotz­dem ger­ne kom­men. „Man kann da­mit kei­ne Ein­nah­men für ir­gend­et­was ge­ne­rie­ren.“Die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Kon­zer­te, das Drum­her­um von Pla­ka­te­auf­hän­gen über die Be­wir­tung bis zum An­fra­gen und Be­treu­en der Mu­si­ker er­le­di­gen heu­te vor­wie­gend Irm­gard und Heinz Mai­er mit Un­ter­stüt­zung von Fa­mi­lie Le­der, die aus Lie­be zur klas­si­schen Mu­sik und den vie­len po­si­ti­ven Rück­mel­dun­gen aus der Ge­mein­de bis heu­te dar­an fest­hal­ten. „Ob­wohl es nicht im­mer ein­fach ist.“

Als Heinz Mai­er als Lei­ter des Or­ga­ni­sa­ti­ons­teams En­de Mai von Chris­toph Hen­schel die An­fra­ge be­kam, ob das Hen­schel Quar­tett even­tu­ell im Ok­to­ber zu­sätz­lich spie­len kön­ne und Mai­er bei der Kir­chen­ver­wal­tung um Ge­neh­mi­gung bat, wur­de dies ab­ge­lehnt.

Der Kir­chen­pfle­ger Jo­sef Ober­hu­ber be­stä­tig­te, dass dies ein Form­feh­ler ge­we­sen sei. Schließ­lich hät­te sich Hen­schel an die Kir­chen­ver­wal­tung wen­den müs­sen. Wenn er mit dem Quar­tett auf­tre­ten wol­le, kön­ne er dies tun – al­ler­dings als Be­ne­fiz­kon­zert für die Pfarr­ge­mein­de.

Für Mai­er ein Schlag ins Ge­sicht. Er hofft, dass die Hen­schels viel­leicht im kom­men­den Jahr doch noch in Mer­ching spie­len. Manch­mal, so be­kennt er, wür­de er am liebs­ten auf­ge­ben: „Die Mu­si­ker spie­len schließ­lich nicht für mich. Sie kom­men ger­ne nach Mer­ching – und sie spie­len aus Lie­be zur Mu­sik.“

Fotos: Chris­ti­na Riedmann Pooch

Auch das Orches­ter Se­re­na­ta aus Leon­berg un­ter Lei­tung von Bert­hold Ma­sing trat schon in Mer­ching auf. Das Hen­schel Quar­tett darf dort im Herbst je­doch nicht spie­len.

Chris­toph Hen­schel, hier mit Ayu­mi Jan­ke, woll­te ei­gent­lich mit dem Hen­schel Qu­ar tett in Mer­ching gas­tie­ren, doch er er­hielt ei­ne Ab­sa­ge.

Pfar­rer Carl Graf über­ließ den Mer­chin gern leih­wei­se sei­nen Flü­gel.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.