Der gu­te Ton im Bier­zelt

Das Brat­hähn­chen fie­seln, mit den Maß­krü­gen zu­pros­ten, das De­kol­le­té zei­gen: Was schickt sich auf dem Fried­ber­ger Volks­fest, was nicht? Ein Ben­imm-Coach weiß Rat

Friedberger Allgemeine - - Friedberg - VON ELISA MA­DE­LEI­NE GLÖCKNER

Fried­berg Wo es Men­schen gibt, da muss es Eti­ket­te ge­ben – weiß Al­brecht von Weech. Der Ben­im­mCoach aus Mün­chen phi­lo­so­phier­te schon an der Un­ter­ber­ger Stadluni über An­stand und Sitt­lich­keit. Sei­ner An­sicht nach wim­melt es an Volks­fes­ten nur so von Ma­nie­ren. Auch in Fried­berg. „Das Fa­ta­le an die­sen Räu­men ist, dass das Bier die Hem­mun­gen weg­spült“, er­klärt der Münch­ner Ben­imm-Coach. Aber da­für sei Al­ko­hol da: „Um die In­stink­te wal­ten zu las­sen.“Klei­dung Noch zu Hau­se stellt sich die Fra­ge nach der pas­sen­den Gar­de­ro­be. Be­son­ders streng hält es Al­brecht von Weech bei die­sem The­ma nicht. „Es geht dar­um, Spaß an sich und der Klei­dung zu fin­den“, meint er. Für die Da­men eig­net sich ein Dirndl. „Mit viel Lie­be aus­ge­wählt steht die­ses Kleid ein­fach je­der Frau – egal ob dick oder dürr.“Aber auf­ge­passt: Es darf nicht zu kurz sein. „De­kol­le­té ja, aber bit­te kein Por­no­dirndl“, sagt der Ex­per­te. „Man sich ja nicht un­ter Wert ver­kau­fen.“Wie von Weech zu Le­der­ho­sen an Frau­en steht? Bloß nicht. „Das fin­de ich un­mög­lich.“Am Mann da­ge­gen sei die Le­der­ho­se se­hens­wert – aber kei­ne Pflicht. „In den 60ern ging man zum Bei­spiel im Sonn­tags­an­zug auf die Wiesn.“Trink­geld Das Zelt ist er­reicht, der Tisch be­setzt – nun hal­ten vie­le nach Bier und Be­die­nun­gen Aus­schau. 8,50 Eu­ro kos­tet die Maß in die­ser Sai­son auf dem Fried­ber­ger Volks­fest. Nun die Gret­chen­fra­ge: Wie viel Trink­geld ist an­ge­mes­sen? „Gera­de im Bier­zelt ar­bei­ten die Kell­ner und Kell­ne­rin­nen wie Tie­re“, be­tont Al­brecht von Weech. Das soll­te ver­gü­tet wer­den. Wie viel Pro­zent der Rech­nung tat­säch­lich als Trink­geld ge­ge­ben wer­den, hän­ge vom Be­neh­men des Per­so­nals ab. „Sind sie freund­lich, wer­den sie be­lohnt. Sind sie un­freund­lich, dann be­straft.“Grund­sätz­lich hält der Ex­per­te zehn Pro­zent für an­ge­mes­sen. Trin­ken Die Maß Bier steht be­zahlt auf dem Tisch. Bes­ten­falls konn­te auch die Kell­ne­rin ein gu­tes Trink­geld ab­stau­ben. Nun geht es ans Pro­sit: Aber auch bei die­sem Vor­gang lau­ern Stol­per­stei­ne, wie Al­brecht von Weech ver­si­chert. Er er­klärt: „Man sieht sich tief in die Au­gen, pros­tet sich zu, meint es ernst, trinkt und sieht sich an­schlie­ßend wie­der tief in die Au­gen.“Hin­ter die­ser Tra­di­ti­on ver­ber­ge sich ein jahr­hun­der­te­al­ter Aber­glau­be, sagt er. „Die al­ten Grie­chen und Rö­mer nah­men an, dass im Al­ko­hol ein bö­ser Geist steckt.“Durch das An­ein­an­der­schla­gen der Glä­ser ver­las­se die­ser Geist den Wein. Nur das Gu­te blei­be dar­in. „Und man kann sich am blo­ßen Al­ko­hol er­freu­en“, so der Münch­ner. Es­sen Auf der Spei­se­kar­te ste­hen ne­ben Obatz­tem und Bre­zen auch Weiß­wurst und Brat­hähn­chen – darf mit der Hand ge­ges­sen wer­den? „Ich per­sön­lich tue das nicht“, be­tont von Weech. „We­gen der fet­ti­gen Fin­ger wird bei mir mit Mes­ser und Ga­bel ge­ges­sen.“Stren­ge hält der Ma­nie­ren­fürst aber auch hier für un­an­ge­bracht. „Man muss in Bier­möch­te zel­ten und auf Volks­fes­ten im­mer lo­cker blei­ben.“Je­dem das Sei­ne sei hier das Mot­to. Tan­zen Man tut es nicht, tut es aber trotz­dem: Auf den Bän­ken tan­zen. „Frü­her war das Tan­zen auf den Bän­ken ver­pönt“, er­läu­tert der Knig­ge-Coach – zu­mal sich vie­le Zelt­gäs­te beim Hin­un­ter­stür­zen ver­let­zen kön­nen. Ein Ex­pe­ri­ment ha­be aber be­wie­sen: Die­se Bän­ke kön­nen Ton­nen tra­gen. „Au­ßer­dem ist es lus­tig“, sagt von Weech. Schun­keln und Schau­keln ist zu je­der Zeit ger­ne ge­se­hen. An­re­de­form Mit stei­gen­dem Pe­gel sin­ken die Hem­mun­gen auf dem Volks­fest­platz. Wie lernt man nun neue Leu­te ken­nen, wie spricht man sie an? „Ich per­sön­lich du­ze nie“, be­kräf­tigt von Weech. Der Grund: „Man nimmt sich selbst die Ge­le­gen­heit, je­man­dem die­sen sym­pa­thi­schen Zug an­zu­bie­ten.“Und dar­um ge­he es doch letzt­lich beim Be­neh­men: „Re­spekt zu zei­gen, ihn zu er­bit­ten und ihn auch zu pro­vo­zie­ren“, so der Ben­imm-Ex­per­te. An­nä­he­rung Mal an­ge­nom­men: Zwei Men­schen un­ter­hal­ten sich. Der ei­ne möch­te mehr. „Der Mann darf die Frau nie­mals an­ma­chen“, be­merkt von Weech. „Aber we­he, er macht sie nicht an.“Ver­wir­rend? Der Münch­ner lacht. Das Flirt­ver­hal­ten sei ein zwei­schnei­di­ges Schwert und im­mer ei­ne Grat­wan­de­rung. „Es gilt stets, das Mit­tel­maß zwi­schen Re­spekt und Pein­lich­keit zu fin­den.“

Üb­ri­gens: Wer sich auf der Pirsch be­fin­det, kann auf die Dirndl­schlei­fen der Frau­en ach­ten: „Wenn du ei­nen Mann willst, bin­dest du sie rechts. Bist du ver­hei­ra­tet, dann links“, er­klärt von Weech. Und die Mit­te? „Die wis­sen nicht, was sie wol­len.“Aber auch das ge­hört zum gu­ten Ton im Bier­zelt.

Al­brecht von Weech Ben­imm Coach und Adels­ex­per­te – was ihm Auf­trit­te in ein­schlä­gi­gen TV For­ma­ten ein­brach­te. Er hielt aber auch schon ei­nen Vor­trag über gu­tes Be­neh­men an der Stadl Uni in Un­ter­ber­gen.

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Sym­bol­fo­to: To­bi­as Hase, dpa

An Volks­fes­ten wim­melt es nur so von Ma­nie­ren, doch Bier spült Hem­mun­gen häu­fig ein­fach bei­sei­te. Der Ben­imm Coach Al­brecht von Weech gibt da­zu Tipps.

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