Im Stadt­ar­chiv tut sich was

Seit zehn Jah­ren wird über das Haus an der Pfarr­stra­ße dis­ku­tiert. Jetzt wird es ge­räumt

Friedberger Allgemeine - - Friedberg - VON THO­MAS GOSSNER

Fried­berg Der Dach­stuhl ist ver­schim­melt, das ein­ge­la­ger­te Ma­te­ri­al teil­wei­se kon­ta­mi­niert, die Sta­tik des Hau­ses be­ein­träch­tigt – War­nun­gen we­gen des schlech­ten Zu­stands des Fried­ber­ger Stadt­ar­chivs gibt es schon lan­ge. Jetzt steht fest: Das Ge­bäu­de an der Pfarr­stra­ße wird ge­räumt. Einzelheiten da­zu wol­len Stadt­ar­chi­var Mat­thi­as Lutz und Bür­ger­meis­ter Ro­land Eich­mann heu­te be­kannt ge­ben.

Die Dis­kus­si­on über die un­zu­rei­chen­den Ver­hält­nis­se hat schon vor fast zehn Jah­ren be­gon­nen. 2009 er­hör­te der Kul­tur­aus­schuss dann den „Hil­fe­ruf“aus dem Stadt­ar­chiv. Des­sen Flä­che soll­te von 130 auf 205 Qua­drat­me­ter auf­ge­stockt wer­den, weil zu­sätz­li­che Ak­ten aus dem Stan­des­amt hin­zu­ka­men. Da­ten­schutz­recht­li­che Pro­ble­me be­rei­te­te au­ßer­dem der Um­stand, dass das Bü­ro des Stadt­ar­chi­vars gleich­zei­tig der Le­se­raum für Be­su­cher war. Der Aus­schuss be­auf­trag­te die Ver­wal­tung mit ei­nem Raum­kon­zept.

Das Haus sol­le so her­ge­rich­tet wer­den, dass es „für die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on hält“, wie der für die städ­ti­schen Lie­gen­schaf­ten zu­stän­di­ge Fi­nanz­re­fe­rent Wolf­gang Schuß 2011 ver­sprach. Doch nach der Re­no­vie­rung der Fas­sa­de stopp­te der Stadt­rat we­gen des Alt­stadt­fes­tes 2013 und des Stadt­ju­bi­lä­ums 2014 al­le Ar­bei­ten. Nach der städ­ti­schen Fi­nanz­pla­nung soll­te es zwar 2015 wei­ter­ge­hen, doch die Zeit ver­strich un­ge­nutzt. Wann und Wie war wie­der völ­lig of­fen. Schließ­lich muss­te noch ge­klärt wer­den, was mit der Fried­ber­ger Schu­le für Mu­sik ge­sche­hen soll­te, die eben­falls in dem Haus ne­ben der Stadt­pfarr­kir­che un­ter­ge­bracht ist.

„Au­ßen hui, in­nen pfui“, kom­men­tier­te der Kul­tur­pfle­ger des Stadt­rats, Franz Reiß­ner (SPD), da­mals den Zu­stand der Im­mo­bi­lie. Zwar wa­ren An­strich und Fens­ter in Ord­nung ge­bracht wor­den, drin­nen wa­ren die Zu­stän­de nach wie vor de­so­lat. Es reg­ne­te so­gar zum Dach her­ein – mit fa­ta­len Fol­gen für Ge­bäu­de und Ein­rich­tung.

We­ni­ge Mo­na­te spä­ter schlug Reiß­ner näm­lich er­neut Alarm: Im Stadt­ar­chiv brei­te sich Schim­mel aus, warn­te der Kul­tur­pfle­ger und ern­te­te da­mit er­staun­li­che Re­ak­tio­nen im Rat­haus. Der da­ma­li­ge Bür­ger­meis­ter Pe­ter Berg­mair ord­ne­te an, dass jed­we­de Be­sich­ti­gung städ­ti­scher Im­mo­bi­li­en nur noch in Be­glei­tung ver­ant­wort­li­cher Mit­ar­bei­ter statt­fin­den dür­fe. Nach ei­nem Orts­ter­min im Ar­chiv stell­te er au­ßer­dem fest: We­der auf dem Bret­ter­bo­den noch an der höl­zer­nen in­ne­ren Dach­ver­scha­lung sei Feuch­tig­keit fest­zu­stel­len. Spu­ren frü­he­rer Feuch­tig­keit sei­en seit Jah­ren ab­ge­trock­net. Ein wei­ßer kris­tal­li­ner Be­lag an ei­ni­gen Stel­len wer­de nä­her un­ter­sucht.

Im Herbst 2016 kam der nächs­te Brand­brief des Kul­tur­pfle­gers: Reich­te der Schim­mel zwei Jah­re zu­vor noch bis zum Kniestock, so ha­be er sich mitt­ler­wei­le über den gan­zen Dach­stuhl aus­ge­brei­tet. Weil auch der neue Stadt­ar­chi­var Mat­thi­as Lutz auf di­ver­se Män­gel auf­merk­sam ge­macht hat­te, war schon zu­vor ein Münch­ner In­ge­nieur­bü­ro mit ei­ner neu­en Un­ter­su­chung be­auf­tragt wor­den. Das Er­geb­nis be­stä­tig­te die War­nun­gen Reiß­ners. „Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die ein­ge­la­ger­ten Ge­gen­stän­de ei­ne Se­kun­där­kon­ta­mi­na­ti­on mit Schim­mel­pilz­be­stand­tei­len auf­wei­sen“, stell­ten die Gut­ach­ter fest. In ge­rin­ger Kon­zen­tra­ti­on wie­sen sie Asper­gil­lus fu­mi­ga­tus nach, ei­nen Schim­mel­pilz, der er­heb­lich ge­sund­heits­ge­fähr­dend ist. „Ein kurz­fris­ti­ger Auf­ent­halt im Dach­ge­schoss ist für Per­so­nen oh­ne ei­ne Schim­mel­pilz­all­er­gie mög­lich“, lau­tet das Re­sü­mee. Drin­gen­den Hand­lungs­be­darf konn­te Bür­ger­meis­ter Ro­land Eich­mann aber nicht er­ken­nen.

In­zwi­schen ha­ben Un­ter­su­chun­gen und kon­ser­va­to­ri­sche Maß­nah­men am Ge­bäu­de und am Ar­chiv­gut statt­ge­fun­den. Nun ist ge­plant, das Stadt­ar­chiv in der Pfarr­stra­ße im Lau­fe des nächs­ten Jah­res zu räu­men und die La­ger­be­stän­de in das Mu­se­ums­de­pot in den Bu­si­ness-Park zu brin­gen.

Ar­chiv­fo­to: Tho­mas Goß­ner

Der Zu­stand des Ge­bäu­des ist schlecht, das Platz­an­ge­bot zu ge­ring – jetzt zieht das Stadt­ar­chiv von der Pfarr­stra­ße in den Bu­si­ness­park.

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