Was ge­schieht mit dem Me­rin­ger Dach­thea­ter?

2027 läuft der Pacht­ver­trag zwi­schen der Kom­mu­ne und dem Be­sit­zer der Schloss­müh­le aus. Ei­ne Ver­län­ge­rung ist frag­lich. Bür­ger­meis­ter Hans-Die­ter Kand­ler hat ei­ne Idee, wie man das Pro­blem lö­sen könn­te

Friedberger Allgemeine - - Mering | Ried - VON EVA WEIZ­ENEGGER

Me­ring Wer in der Markt­ge­mein­de Kul­tur ge­nie­ßen will, der muss hoch hin­auf. Zwei­mal im Jahr in­sze­nie­ren die Mit­glie­der des Neu­en Thea­ters Me­ring (NTM) im Dach­thea­ter der Schloss­müh­le ein Stück. Nach fast 20 Jah­ren an die­ser Spiel­stät­te könn­te es aber schon bald Schluss sein, denn der be­ste­hen­de Miet­ver­trag läuft aus. „Wenn wir hier raus­müs­sen und kei­ne neue Hei­mat ha­ben, ist das der Tod für das Neue Thea­ter Me­ring“, bringt es Mar­kus Schwab, Vor­sit­zen­der des Ver­eins, auf den Punkt. Im Ge­mein­de­rat si­gna­li­sier­te man deut­lich, dass in das Bür­ger­zen­trum Schloss­müh­le kein wei­te­res Geld für die Sa­nie­rung flie­ßen soll. Das Dach­thea­ter be­fin­det sich zwar in dem Be­reich des Bür­ger­zen­trums, der nicht ein­sturz­ge­fähr­det ist, den­noch droht auch den Nut­zern die­ses Trakts das bal­di­ge Aus. „Der Ei­gen­tü­mer will zu Kon­di­tio­nen ver­pach­ten, die der­zeit kei­nen ge­mein­sa­men Nen­ner im Ge­mein­de­rat fin­den“, er­klärt Bür­ger­meis­ter Hans-Die­ter Kand­ler. Be­trof­fen da­von sind in die­sem Teil das Ju­gend­zen­trum (wir be­rich­te­ten), der Spiel­manns­zug so­wie die Band Four Tu­nes.

Letz­tes Jahr fei­er­te das NTM mit ei­nem gro­ßen Faust-Fes­ti­val sein 25-jäh­ri­ges Be­ste­hen. „Es hat sich schnell ge­zeigt, vor wel­che Her­aus­for­de­run­gen es un­se­ren Ver­ein stellt, wenn wir nicht an ge­wohn­ter Spiel­stät­te spie­len“, sagt Mar­kus Schwab. Da­mals fan­den die Vors­tel- lun­gen im Saal des Papst-Jo­han­nesHau­ses statt. „Wir gin­gen prak­tisch zu­rück zu un­se­ren An­fän­gen.“

Der be­ste­hen­de Miet­ver­trag mit der Ge­mein­de geht für das NTM noch bis 2020. Die Ge­mein­de selbst hat das Ge­bäu­de noch bis 2027 ge­pach­tet. „Wenn es hier kei­ne Ei­ni­gung gibt und wir raus­müs­sen, ha­ben wir wirk­lich ein gro­ßes Pro­blem“, so Schwab.

Im Ver­ein ak­tiv sind ne­ben den Er­wach­se­nen auch die NTM-Ne­ons und die NTM-Kids. Die Ne­ons sind Ju­gend­li­che, die ent­we­der neu da­zu­ge­kom­men sind oder von der Kin­der­grup­pe ge­wech­selt ha­ben. Sie be­ste­hen seit 2013 und zei­gen die­sen No­vem­ber un­ter der Re­gie von Mau­ri­zio Kar­ge, selbst ein Mit­glied der Ju­gend­grup­pe, das be­rühm­te Aga­tha-Chris­tie-Stück „Die Mau­se­fal­le“im Dach­thea­ter. Die Kids fei­ern nächs­tes Jahr ihr zehn­jäh­ri­ges Be­ste­hen.

„Wir sind schwa­ben­weit der ein­zi­ge Thea­ter­ver­ein, der ne­ben ei­ner Er­wach­se­nen­grup­pe, die Stü­cke für Kin­der und Er­wach­se­ne spielt, auch ei­ne Ju­gend­ab­tei­lung so­wie die Kin­der­grup­pe hat und dann noch Frei­luft­thea­ter ver­an­stal­tet“, weiß Si­mo­ne Seitz, die Zwei­te Vor­sit­zen­de. Auch gibt es kaum ein pri­vat or­ga­ni­sier­tes Thea­ter, das zwei­mal im Jahr Stü­cke in­sze­niert. Schon jetzt lau­fen wie­der die Über­le­gun­gen, was nächs­tes Jahr von den Er­wach­se­nen ge­zeigt wird. Es wird üb­ri­gens das 50. Stück sein, das vom Ver­ein auf die Büh­ne ge­bracht wird.

Schwab und die Mit­glie­der des NTM hof­fen nun, dass durch die ge­plan­te Vi­si­on 2025, die ein neu­es Bür­ger­zen­trum und Rat­haus mit­ein­schlie­ßen soll, auch ei­ne Lö­sung für sei­nen Ver­ein ge­fun­den wird. „Am liebs­ten wür­den wir na­tür­lich hier oben blei­ben, aber wir wis­sen auch, in wel­chen Zwän­gen die Ge­mein­de steckt“, so Schwab. Die Kom­mu­ne müs­se sich be­wusst sein, dass Kul­tur et­was kos­te und man da­für Geld in die Hand neh­men müs­se. „Wir leis­ten mit un­se­rer Nach­wuchs­ar­beit und den an­spruchs­vol­len Stü­cken für Er­wach­se­ne ei­nen we­sent­li­chen Bei­trag da­zu hier in Me­ring“, sind Schwab und Seitz über­zeugt.

Die For­de­run­gen des Ver­eins sind da­bei nicht zu hoch ge­grif­fen: „Wir brau­chen kei­ne gro­ße Büh­ne mit Vor­hang und gro­ßem Ver­an­stal­tungs­saal“, be­to­nen die bei­den Thea­ter­ma­cher. Viel­mehr wün­schen sie sich wie­der ei­nen fes­ten Raum, der für das NTM vor­ge­se­hen ist und ge­nü­gend Platz für die mo­bi­le Büh­ne und die Zu­schau­er bie­tet. „Das war hier im Dach­thea­ter ide­al“, sagt Schwab und zeigt zugleich den Schmink­raum, das La­ger im Dach­spitz und den Be­reich für die Tech­nik.

Bür­ger­meis­ter Hans-Die­ter Kand­ler nimmt sich die­ses The­mas auch in sei­nem Som­mer­ur­laub an: „Ich schät­ze die Ar­beit des Neu­en Thea­ters Me­ring und se­he, was die hier mit ih­rer ak­ti­ven Nach­wuchs­ar­beit auf die Bei­ne stel­len.“Des­halb sei es ihm ein gro­ßes An­lie­gen, dass die Zu­kunft des Ver­eins ge­si­chert wer­de. „Mir ist schon klar, dass sie ei­ne fes­te Spiel­stät­te brau­chen“, er­klärt Kand­ler. Dies sei auch beim Ma­rio­net­ten­thea­ter not­wen­dig, das der­zeit in der al­ten Volks­schu­le un­ter­ge­bracht ist. „Mit der Vi­si­on 2025 ha­ben wir uns ge­traut, ein­mal an­de­re Ide­en zu­zu­las­sen“, so Kand­ler. Des­halb kön­ne er sich vor­stel­len, dass man sich für die bei­den Thea­ter eben­falls et­was

Thea­ter könn­ten an ei­nen neu­en Platz kom­men

Neu­es ein­fal­len las­se. „Wenn wir ein neu­es Rat­haus ha­ben, ist viel­leicht im ehe­ma­li­gen Ver­wal­tungs­ge­bäu­de Platz für die bei­den Thea­ter“, sagt Kand­ler. Dies sei aber le­dig­lich ei­ne Idee, die ihm vor­schwe­be und über die man nach­den­ken kön­ne.

Mar­kus Schwab plant, dass al­le Ver­ei­ne und Or­ga­ni­sa­tio­nen, die im ge­sam­ten Bür­ger­zen­trum Schloss­müh­le un­ter­ge­bracht sind, an ei­nem Tag die Ge­mein­de­rä­te ein­la­den, sich die Rä­um­lich­kei­ten an­zu­schau­en und ge­mein­sam ins Ge­spräch zu kom­men. „Nur so kön­nen wir deut­lich ma­chen, wie un­se­re Ar­beit hier aus­sieht und wel­che Be­dürf­nis­se wir an ei­ne even­tu­ell neue Im­mo­bi­lie ha­ben“, er­klärt Schwab.

Ar­chiv­fo­to: Pe­ter Stö­bich

Viel Ar­beit ha­ben Si­mo­ne Seitz, Mar­kus Schwab und die an­de­ren NTM Mit­glie­der in das Dach­thea­ter ge­steckt.

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