Vom Zehn­kämp­fer zum Ju­gend­trai­ner

Ot­to Dwa­lia­wi­li fühlt sich bei den jun­gen Leicht­ath­le­ten in Aichach aus­ge­spro­chen wohl. War­um er als Ver­bands­trai­ner nicht glück­lich wur­de und wo­für er sich in sei­ner Frei­zeit in­ter­es­siert

Friedberger Allgemeine - - Sport - VON JO­HANN EIBL

Aichach Leicht­ath­le­tik ist sein Le­ben. Die­se For­mu­lie­rung trifft durch­aus zu auf Ot­to Dwa­lia­wi­li. Doch das ist nur die hal­be Wahr­heit. Der 64-jäh­ri­ge Augs­bur­ger hat auch noch ganz an­de­re In­ter­es­sen, die mit die­ser Sport­art über­haupt nichts zu tun ha­ben. Phy­sik zählt da­zu, eben­so Phi­lo­so­phie. Be­mer­kens­wert auch sei­ne Tä­tig­keit, die er als Rent­ner aus­übt: „Ich ma­che Ver­mes­sun­gen für ein In­ge­nieur­bü­ro in Augs­burg“, er­zählt er.

Dwa­lia­wi­li hat sich frü­her ei­nen Na­men als viel­sei­ti­ger Leicht­ath­let ge­macht. Im Zehn­kampf kam er auf ei­ne Best­mar­ke von 7160 Punk­ten. Wohl noch wert­vol­ler wa­ren die 4,60 Me­ter, die er mit dem Stab be­wäl­tig­te. Über 400 Me­ter Hür­den kam er auf die Best­zeit von 54,19 Se­kun­den und auf meh­re­re Teil­nah­men am End­lauf um die baye­ri­sche Meis­ter­schaft. 1977, 1978 und 1979 stand er je­weils in der Bay­ern­aus­wahl. Die Sta­tis­tik weist min­des­tens 25 schwä­bi­sche Ti­tel des viel­sei­ti­gen Man­nes auf, da­von al­lein sie­ben im Zehn­kampf.

Heu­te führt der St­ab­hoch­sprung in Aichach nur ein Schat­ten­da­sein, wohl auch des­halb, weil man da­zu ver­schie­de­ne Vor­aus­set­zun­gen mit­brin­gen muss: Lauf, Sprung, Akro­ba­tik und Mut. Au­ßer­dem ist die­se Sprung­dis­zi­plin nicht frei von Ge­fah­ren.

Seit 40 Jah­ren en­ga­giert sich Ot­to Dwa­lia­wi­li als Trai­ner, und seit 33 Jah­ren ist er Lei­ter der Leicht­ath­le­tik­ab­tei­lung im TSV Aichach, der ihn zum Eh­ren­mit­glied er­nannt hat. Sei­ne Toch­ter spielt ger­ne Vol­ley­ball und Beach­vol­ley­ball, sie stu­diert in Re­gens­burg Be­we­gungs­wis­sen­schaf­ten. Ihr Bru­der Kon­stan­tin ge­hört zum Bas­ket­ball­team des TSV Aichach. „Ich bin sel­ber be­geis­ter­ter Bas­ket­bal­ler“, sagt da­zu der Va­ter, „ich ha­be schon ein paar Tricks drauf.“

Nicht nur als Sport­ler stell­te Dwa­lia­wi­li sein Ta­lent als All­roun­der un­ter Be­weis, auch auf be­ruf­li­cher Ebe­ne: „Ich ha­be al­les Mög­li­che ge­macht.“Bei­spiels­wei­se Sport­leh­rer an der Re­al­schu­le in Aichach. Dann ar­bei­te­te er als Psy­chago­ge am Jo­se­fi­num in Augs­burg in der Kin­de­r­und Ju­gend­psych­ia­trie: „Zwölf Jah­re war ich Sta­ti­ons­lei­ter. Da ha­be ich für Leu­te ge­ar­bei­tet, die nicht auf der Son­nen­sei­te des Le­bens ste­hen.“Ei­ne Zeit lang ver­dien­te der Mann, des­sen Wie­ge in Graf­rath zwi­schen Fürs­ten­feld­bruck und Am­mer­see stand, sei­nen Le­bens­un­ter­halt auch mit sei­nem Sport, als Ver­bands­trai­ner.

Da­bei wur­de Ot­to Dwa­li­wi­li aber nicht so recht glück­lich. Im Nach­hin­ein spricht er von ei­nem Knack­punkt, den er nicht ver­ges­sen wird. Er ge­wann An­fang der 80er-Jah­re den Ein­druck, dass der Ver­band zwar nach au­ßen hin vom Kampf ge­gen das Do­ping sprach, hin­ter den Ku­lis­sen al­ler­dings das Ge­gen­teil for­der­te. Mit die­sem Wi­der­spruch konn­te und woll­te Dwa­lia­wi­li nicht le­ben. Die Dop­pel­mo­ral ist nach sei­ner An­sicht aber nicht nur für den Hoch­leis­tungs­sport ty­pisch, son­dern als Spie­gel­bild un­se­rer Ge­sell­schaft zu se­hen.

In Aichach spie­len sol­che The­men für ihn kei­ne Rol­le: „Da füh­le ich mich wohl.“Und ein nach­las­sen­des In­ter­es­se an der Leicht­ath­le­tik kann er kei­nes­falls er­ken­nen; 130 bis 140 Kin­der und Ju­gend­li­che kom­men re­gel­mä­ßig zum Trai­ning, für das im­mer­hin zehn Übungs­lei­ter zur Ver­fü­gung ste­hen. Auch den El­tern sei die­se Form der Be­we­gung wich­tig.

Trai­ner ha­ben die Auf­ga­be, ih­re Schütz­lin­ge zu mo­ti­vie­ren. Dwa­lia­wi­li woll­te sich ei­gent­lich ein we­nig zu­rück­neh­men, weil aber so vie­le jun­ge Leu­te zum Sport kom­men, taucht er nach wie vor re­la­tiv oft in Aichach auf: „Ob das so bleibt, muss man se­hen.“

Seit 1978 bil­den die Leicht­ath­le­ten des TSV Aichach und des TSV Rehling die LG Aichach-Rehling. „Ein­deu­tig ein Er­folgs­mo­dell“, ver­si­chert Ot­to Dwa­lia­wi­li: „Was scha­de ist, dass sich 1981/1982 der LC Aichach ab­ge­spal­ten hat.“

In die­sen Ta­gen flammt ein­mal mehr sei­ne Be­geis­te­rung zur al­ten Lie­be auf. Spe­zi­ell die Mehr­kämp­fer und St­ab­hoch­sprin­ger ver­folgt er bei der Welt­meis­ter­schaft, die gera­de in Lon­don statt­fin­det, am Bild­schirm. Gi­na Lü­ckenk­em­per mit ih­rer Stei­ge­rung über 100 Me­ter auf 10,95 Se­kun­den hat ihn eben­so be­ein­druckt wie Kon­stan­ze Klos­ter­hal­fen, wenn­gleich die vor­zei­tig aus­schied: „Das sind Leu­te, aus de­nen wird was“, ist sich der be­geis­ter­te Leicht­ath­let si­cher.

Drei Fra­gen an

Fo­to: Sebastian Rich­ly

Die Ath­le­ten der LG Aichach Rehling wa­ren bei den schwä­bi­schen Ju­nio­ren­meis­ter­schaf­ten sehr er­folg­reich. Un­ser Bild zeigt von links Jo­han­na Os­ter­mair, San­dra Kreit­mair, Fa­bi­an Sch­äff­ler, Mar­le­ne Zöttl und Kath­rin Wo­er­mann. Vor­ne ihr Trai­ner Ot­to Dwa lia­wi­li, der sich bei der Ju­gend aus­ge­spro­chen wohl­fühlt.

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