Stadt­ar­chiv zieht 2018 um

Das Mu­se­ums­de­pot bie­tet aus­rei­chend Platz und gu­te kon­ser­va­to­ri­sche Be­din­gun­gen. Lang­fris­tig wird aber wie­der ein Stand­ort in der In­nen­stadt an­ge­strebt

Friedberger Allgemeine - - Friedberg - VON THO­MAS GOSSNER

Fried­berg Im Lau­fe des Jah­res 2018 kehrt die Dau­er­aus­stel­lung der städ­ti­schen Samm­lun­gen vom Mu­se­ums­de­pot im Bu­si­ness­park wie­der ins Schloss zu­rück. Im De­pot wer­den dann Flä­chen frei, die dem Stadt­ar­chiv zur Ver­fü­gung ste­hen. Mit die­ser Rocha­de soll zu­min­dest vor­über­ge­hend das Raum­pro­blem des Ar­chivs ge­löst wer­den, kün­dig­te Bür­ger­meis­ter Ro­land Eich­mann an. „Lang­fris­tig trägt das aber nicht. Es muss Über­le­gun­gen ge­ben, wie wir dau­er­haft wei­ter­ma­chen.“

Wie be­rich­tet, gibt es be­reits seit zehn Jah­ren Dis­kus­sio­nen über die un­zu­rei­chen­de Un­ter­brin­gung des Fried­ber­ger Ar­chivs. Im Ge­bäu­de an der Pfarr­stra­ße 6 fehlt zum ei­nen der Platz, zum an­de­ren sind die kli­ma­ti­schen Be­din­gun­gen al­les an­de­re als op­ti­mal. Rund ein Vier­tel der Do­ku­men­te wei­se Schim­mel­be­fall auf, be­rich­te­te Ar­chi­var Mat­thi­as Lutz. Ge­ra­de die wert­volls­ten Stü­cke, al­te Rats­pro­to­kol­le, sind be­son­ders an­ge­grif­fen, weil sie schon zu­vor im Ver­wal­tungs­ge­bäu­de am Ma­ri­en­platz nicht rich­tig ein­ge­la­gert wa­ren.

In­zwi­schen sind Re­stau­ra­to­ren da­bei, die Schä­den zu be­he­ben. In zwei Punk­ten konn­ten sie be­reits Ent­war­nung ge­ben: Zum ei­nen ist die Aus­brei­tung des Schim­mels der­zeit ge­stoppt, zum an­de­ren gibt es kei­ne ir­re­pa­ra­blen Zer­stö­run­gen. „Jetzt geht es dar­um, den Be­stand zu sta­bi­li­sie­ren“, sag­te der Ar­chi­var. Der Schim­mel wer­de Blatt für Blatt ab­ge­saugt, ge­gen den Wurm­fraß sind Phe­ro­mon­fal­len im Ein­satz. Die Richt­wer­te für Tem­pe­ra­tur und Luft­feuch­tig­keit wer­den laut Lutz ein­ge­hal­ten.

„Franz Reiß­ner hat völ­lig recht ge­habt, dass er seit Jah­ren im­mer wie­der alar­miert hat“, räum­te Bür- ger­meis­ter Eich­mann im Ge­spräch mit un­se­rer Zei­tung ein. Der Kul­tur­pfle­ger des Stadt­rats hat­te re­gel­mä­ßig die Zu­stän­de im Ar­chiv kri­ti­siert – lan­ge Zeit aber oh­ne Er­folg. Als im ver­gan­ge­nen Jahr das Gut­ach­ten ei­nes Münch­ner In­ge­nieur­bü­ros den Be­fall mit ei­nem ge­sund­heits­ge­fähr­den­den Pilz fest­ge­stellt hat­te, re­agier­te der Stadt­rat schnell. Be­reits für 2017 wur­den Mit­tel für die Re­stau­rie­rung der Ar­chi­va­li­en be­reit­ge­stellt.

Par­al­lel zur Si­che­rung des Be­stands lau­fen die Über­prü­fun­gen, wel­che Tei­le der Samm­lung aus­sor­tiert wer­den kön­nen. 560 lau­fen­de Me­ter Do­ku­men­te um­fasst das Ar­chiv. Für den Herbst 2018 ist dann der Kom­plett­um­zug ins De­pot ge­plant, das die Stadt 2014 im Bu­si­ness­park am See ge­baut hat. Nach der Wie­der­er­öff­nung des Mu­se­ums im Schloss sind dort aus­rei­chend La­ge­rund Bü­ro­räu­me frei.

„Ei­ne prag­ma­ti­sche Lö­sung“, er­klär­te Mat­thi­as Lutz. Eben­so wie der Bür­ger­meis­ter fin­det der Ar­chi­var aber, dass die Do­ku­men­ten­samm­lung aus Grün­den der Iden­ti­fi­ka­ti­on ei­gent­lich in die In­nen­stadt ge­hört – ei­ne Mei­nung, die auch der Hei­mat­ver­ein ver­tritt. Das größ­te Hin­der­nis da­bei: „Wenn ich wirk­lich ein ver­nünf­ti­ges Ar­chiv ha­ben will, brau­che ich ei­nen Neu­bau“, sag­te der Bür­ger­meis­ter. Doch ge­eig­ne­te Flä­chen sind im Zen­trum rar.

Da ste­hen dem Fried­ber­ger Stadt­rat al­so noch ei­ni­ge Dis­kus­sio­nen be­vor – eben­so wie in der Fra­ge, was ei­gent­lich mit dem Ar­chiv­ge­bäu­de ge­sche­hen soll. Bis­her wur­den nur der An­strich und die Fens­ter er­neu­ert. Eich­mann schätzt, dass aus Ka­pa­zi­täts- und Fi­nanz­grün­den erst im nächs­ten Jahr­zehnt ei­ne grund­le­gen­de Sa­nie­rung an­ge­packt wer­den kann. Bis da­hin kann es wie ge­wohnt für Aus­stel­lun­gen und für den Mu­sik­un­ter­richt ge­nutzt wer­den. Ob es lang­fris­tig da­bei bleibt, ist al­ler­dings of­fen.

Fo­to: Eli­sa Glöck­ner

Mat­thi­as Lutz zeigt den Ther­mo­hy­gro­gra­fen im Stadt­ar­chiv – ein kom­bi­nier­tes Re­gis­trier­ge­rät zum Mes­sen von Luft­tem­pe­ra­tur und feuch­tig­keit.

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