Freu­de fürs Au­ge und für den Ma­gen Gar­ten Ko­lum­ne

Ess­ba­re Blü­ten sind voll im Trend. Ge­würz­ta­ge­tes schme­cken nus­sig, Eis­be­go­ni­en säu­er­lich. Aber die Ent­de­ckung des Jah­res sind Korn­blu­men

Friedberger Allgemeine - - Aichach-friedberg - VON UTE KROGULL kru@augs­bur­ger all­ge­mei­ne.de

Kin­der müs­sen so viel ler­nen im Le­ben; für mei­ne Nach­bars­kin­der Fe­li und Leo kam ei­ne neue Re­gel da­zu: „Blu­men von Ute darf man es­sen, aber man darf nicht al­le Blu­men es­sen.“In kind­li­cher Ex­pe­ri­men­tier­freu­de wa­ren sie näm­lich nach meh­re­ren Grill­fes­ten mit Blüm­chen­sa­lat vom ei­ge­nen Acker

„Aus der­sel­ben Acker­kru­me wächst das Un­kraut wie die Blu­me.“

Fried­rich Mar­tin von Bo­den­stedt

bzw. Bal­kon ziem­lich be­geis­tert von der Idee, dass man Blu­men nicht nur in die Va­se, son­dern auch in den Mund ste­cken kann. Und ehr­lich ge­sagt: Ich bin 40 Jah­re äl­ter als die bei­den, aber ich pro­bie­re auch ger­ne al­le mög­li­chen Pflan­zen, die mir vor die Au­gen kom­men.

Wich­tigs­te Re­gel al­ler­dings, da­mit Sie die­sen Ar­ti­kel über­le­ben: Nichts kos­ten, was man nicht kennt, denn na­tür­lich gibt es schö­ne, aber hoch­gif­ti­ge Pflan­zen wie Fin­ger­hut. Au­ßer­dem lie­ber nicht die Gän­se­blüm­chen von der Hun­de­wie­se pflü­cken und auch von ge­spritz­ten Blu­men die Fin­ger las­sen. Aber sonst geht mehr, als man glaubt. Mit am be­kann­tes­ten sind die scharf-wür­zi­gen Blü­ten der Ka­pu­zi­ner­kres­se (auch die Blät­ter sind üb­ri­gens ess­bar oder las­sen sich als ei­ne Art bio­lo­gi­scher Un­ter­set­zer für Häpp­chen ver­wen­den). Le­cker nus­sig, auch auf ei­nem But­ter­brot sind da­ge­gen klein­blü­ti­ge Ge­würz­ta­ge­tes in ih­ren fri­schen Gelb- und Oran­ge-Tö­nen, die sich auf ei­nem grü­nen Sa­lat sehr gut ma­chen.

Rin­gel­blu­men kön­nen als gan­ze Blü­te et­was hap­pig sein, es las­sen sich die vie­len Mi­ni-Blätt­chen je­chen doch leicht ab­zup­fen und über den Sa­lat streu­en. Mei­ne Früh­jahrsÜber­ra­schung wa­ren Horn­veil­chen. Prin­zi­pi­ell gilt, so­weit ich es in Te­st­rei­hen her­aus­fin­den konn­te: Je dunk­ler, al­so veil­chen­ähn­li­cher, sie sind, des­to aro­ma­ti­scher schme­cken sie. Die Veil­chen­sü­ße passt fast bes­ser zu Des­serts oder auf Ku­chen – nicht um­sonst kan­diert man Veil­chen ger­ne. Neu­lich erst auf ei­nen Tipp hin aus­pro­biert: Eis­be­go­ni­en, oh­ne­hin ei­ne ge­mei­ner­wei­se miss­ach­te­te Pflan­ze. Lan­ge wur­de sie als Fried­hofs­blu­me ab­ge­tan, aber es gibt mitt­ler­wei­le ganz rei­zen­de Züch­tun­gen mit freund­li- und lus­ti­gen Blatt- und Blü­ten­far­ben. Die Blü­ten hal­ten prak­ti­scher­wei­se lan­ge, wenn man sie zur De­ko ver­wen­det, und schme­cken wie säu­er­li­cher Sa­lat; au­ßer­dem sind sie schön kna­ckig.

Bei Par­tys bin ich dar­auf abon­niert, Blüm­chen­sa­la­te mit­zu­brin­gen, was die meis­ten freut. Man­che wei­gern sich al­ler­dings, Blü­ten zu es­sen. Die ei­nen aus so ähn­li­chen Grün­den wie Ve­ge­ta­ri­er („die sind doch so nied­lich!“), an­de­re, weil sie fin­den, das sei nur ei­ne Mo­de und des­we­gen blöd und da ma­chen sie nicht mit. Ih­nen sei ge­sagt: Euch ent­geht et­was. Nicht je­de Mo­de ist blöd, son­dern Blü­ten es­sen labt das Au­ge, macht Spaß und ist span­nend. Das zei­gen zum Bei­spiel die Korn­blu­men.

Da schmeckt der äu­ße­re Kranz der Blü­te an­ders als der in­ne­re (näm­lich eher lang­wei­lig), wäh­rend das In­ne­re wirk­lich ein nek­tar­sü­ßes Aro­ma hat. So ähn­lich wie da­mals, als wir als Kin­der den ro­ten Klee (na­tür­lich eben­falls ess­bar) ein­zeln aus­ge­zu­zelt ha­ben. So viel zu „Blü­ten es­sen ist ei­ne Mo­de“.

Fo­to: Ute Krogull

Bun­ter Sa­lat mit ess­ba­ren Blü­ten wie Korn­blu­me und Ge­würz­ta­ge­tes.

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