Der Start­schuss bleibt heu­er aus

Zu we­nig Mel­dun­gen, zu ho­he Auf­la­gen. Der Ver­kehrs­ver­ein Fried­berg und der LC Aichach ent­schei­den sich schwe­ren Her­zens für die Ab­sa­ge des Laufs. Wie es wei­ter­ge­hen soll

Friedberger Allgemeine - - Sport - VON OTMAR SELDER UND PE­TER KLEIST

Fried­berg/Aichach Die Nach­richt kam doch über­ra­schend: Die für den kom­men­den Sams­tag, 12. Au­gust, ge­plan­te 19. Auf­la­ge der Stra­ßen­staf­fel „Wit­tels­ba­cher Land“von Fried­berg nach Aichach ist ab­ge­sagt wor­den.

Eber­hard Krug vom Ver­kehrs­ver­ein Fried­berg und Jo­sef Lech­ner vom Leicht­ath­le­tik-Club Aichach ha­ben am Mitt­woch die­se Ent­schei­dung, die nie­man­dem leicht fiel, ge­trof­fen. Aus­schlag­ge­bend war auch die ge­rin­ge Teil­neh­mer­zahl, die sich heu­er an­ge­mel­det hat­te, führ­te Eber­hard Krug aus. Der Rie­sen­auf­wand vor al­lem für die Si­cher­heit der Läu­fer und Zu­schau­er mit Po­li­zei, Feu­er­wehr und BRK wä­re un­ver­hält­nis­mä­ßig groß ge­we­sen, weil nicht ein­mal zehn Mann­schaf­ten zu je sechs Läu­fern gemeldet hät­ten.

„Ein sol­cher Lauf braucht ja ei­ne stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­che Ge­neh­mi­gung – egal, ob es sich um den Ber­lin-Ma­ra­thon oder eben um die­se Stra­ßen­staf­fel han­delt“, er­klär­te Eber­hard Krug. Da wer­de ge­nau fest­ge­legt, wie die Stre­cke zu be­set­zen ist. „Heu­er hät­ten wir 40 Feu­er- wehr­pos­ten stel­len müs­sen, und erst­mals wä­re auch ei­ne Vor­aus­si­che­rung vor­ge­schrie­ben ge­we­sen – al­so hät­te ein Au­to der Feu­er­wehr vor­aus­fah­ren müs­sen“, so Krug. „Wenn ein Feld ge­schlos­sen in ei­nem Pulk läuft, wür­de das ja ge­hen, aber bei der Staf­fel zieht sich das Feld ja weit aus­ein­an­der“, er­läu­ter­te Krug. Kurz vor dem Ziel kä­me dann nach dem Au­to und dem Füh­ren­den viel­leicht auch 30 Mi­nu­ten nichts, mein­te der Or­ga­ni­sa­tor.

Der zwei­te Grund für die Ab­sa­ge war die ge­rin­ge Zahl an Mel­dun­gen, die den Or­ga­ni­sa­to­ren vor­lag. Da­bei wa­ren es schon mal 33 Teams, die auf die 21 Ki­lo­me­ter lan­ge Stre­cke ge­gan­gen sind. Die­se Ent­wick­lung der rück­läu­fi­gen Teil­neh­mer­zah­len hat­te sich schon in den letz­ten Jah­ren an­ge­deu­tet. „Ich ha­be da auch ein biss­chen Ver­ständ­nis, der Au­gust ist Ur­laubs­zeit, und den Brü­ck­en­tag vor dem Fei­er­tag nut­zen heu­er si­cher auch vie­le für ein ver­län­ger­tes Wo­che­n­en­de“, so Krug. Auch Jo­sef Lech­ner vom LC Aichach zeig­te sich ge­knickt. „Ich bin sehr ent­täuscht. Aber das hat­te sich be­reits in den ver­gan­ge­nen Jah­ren an­ge­deu­tet. Das ist sehr scha­de – aber mit nur sie­ben Teams hät­te der Lauf auch kei­nen Sinn ge­macht“, sag­te der Vor­sit­zen­de des LCA.

Da­bei hat der Städ­telauf von Fried­berg nach Aichach und um­ge­kehrt Tra­di­ti­on. Schon in den Sech­zi­ger­jah­ren des vo­ri­gen Jahr­hun­derts wur­den da­zu eif­rig die Lauf­schu­he ge­schnürt. Da hieß es aber noch „Aichach ge­gen Fried­berg“. Je­de der bei­den Städ­te no­mi­nier­te aus ih­ren Sport­ver­ei­nen zehn ih­rer bes­ten Mit­tel­streck­ler, und auf der to­tal ge­sperr­ten Bun­des­stra­ße 300 säum­ten Tau­sen­de Zu­schau­er die 21 Ki­lo­me­ter lan­ge Stre­cke und ver­folg­ten das hoch­ka­rä­ti­ge Pres­ti­ge­du­ell der schon im­mer ri­va­li­sie­ren­den baye­ri­schen Städ­te.

Der Städ­telauf im neu­en For­mat – erst­mals ge­star­tet 1998 – für Ver­eins­mann­schaf­ten und Grup­pen auf Ne­ben­stre­cken, Fuß- und Rad­we­gen un­ter ho­hen Auf­la­gen der Si­cher­heits­be­hör­den durch den Land­kreis hat al­len­falls in den An­fangs­jah­ren an­nä­hern­des In­ter­es­se ge­fun­den. Es mag die Ur­laubs­zeit sein, die so­wohl Teil­neh­mer wie Zu­schau­er ab­hält. Viel­leicht fehlt eben je­nes „Pri­ckeln“wie bei Fuß­ball-Der­bys, wenn es heißt: „Fried­berg ge­gen Aichach“, „Mering ge­gen Kis­sing“oder „Aind­ling ge­gen Da­sing“.

Eber­hard Krug will mit sei­nem Kol­le­gen Jo­sef Lech­ner nach­den­ken, wie die Staf­fel „Wit­tels­ba­cher Land“at­trak­ti­ver ge­stal­tet wer­den kann. Denn für im­mer soll der Lauf nicht aus dem Ver­an­stal­tungs­pro­gramm des Fried­ber­ger Volks­fests ge­stri­chen wer­den. „Der Lauf hat ja ei­ne Tra­di­ti­on, die mit dem Volks­fest ver­knüpft ist – und zwar mit den Volks­fes­ten in Fried­berg und in Aichach. Frü­her wur­de im­mer dort­hin ge­lau­fen, wo das Fest war. War es in Aichach, ging’s nach Aichach, fei­er­te Fried­berg, ging’s nach Fried­berg“, er­klär­te Krug, der den Lauf aber in je­dem Fall am Le­ben er­hal­ten will. „Dar­über ha­be ich auch schon mit Da­ni­el Götz vom Ver­kehrs­ver­ein ge­spro­chen, und wir wer­den uns auch recht­zei­tig mit den Ver­ant­wort­li­chen des LC Aichach zu­sam­men­set­zen“, ver­sprach Krug. Auch Lech­ner zeig­te In­ter­es­se an ei­ner Fort­set­zung der Tra­di­ti­on, al­ler­dings wis­se man noch nicht, ob man die Staf­fel im nächs­ten Jahr wie­der aus­rich­ten kön­ne, so der Aich­a­cher.

Ein neu­es For­mat in der Gestalt, dass Städ­te und Ge­mein­den mit ih­ren bes­ten Leu­ten ge­gen­ein­an­der lau­fen, könn­te viel­leicht ei­ne Lö­sung sein. Das wür­de al­ler­dings die reiz­vol­le Fa­cet­te ver­hin­dern, dass rei­ne Hob­by­läu­fer und fan­ta­sie­vol­le The­ken­teams sich an dem Lauf be­tei­li­gen. Sport­lich wür­de die­se Form den Lauf si­cher auf­wer­ten, doch auch der Spaß soll­te ja nicht zu kurz kom­men. »Kom­men­tar Sei­te 1

Fo­to: Pe­ter Kleist

Da­ni­el Götz (mit Le­der­ho­se) und Fried­bergs Bür­ger­meis­ter Ro­land Eich­mann (mit Pis­to­le) wer­den in die­sem Jahr nie­man­den auf die Stre­cke schi­cken – die Städ­te Staf­fel wur­de ab­ge­sagt.

Fo­to: Pe­ter Kleist

Or­ga­ni­sa­tor Eber­hard Krug mit Stopp­uhr beim Staf­fel­start. Ob es die­ses Bild im kom­men­den Jahr wie­der ge­ben wird, ist noch un­ge­wiss.

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