Je­der drit­te Ab­schluss an­er­kannt

Bil­dungs­ge­nos­sen­schaft zieht nach fünf Be­ra­tungs­jah­ren Bi­lanz

Göttinger Tageblatt - - REGIONALE WIRTSCHAFT - Von Micha­el Cas­par

Göt­tin­gen. Ärz­te wer­den auf dem Land drin­gend ge­sucht, doch die An­er­ken­nung von aus­län­di­schen Ab­schlüs­sen in die­sem Be­ruf und an­de­ren Be­ru­fen mit re­gle­men­tier­tem Zu­gang zum Ar­beits­markt er­weist sich oft als schwie­rig. Das zeig­te sich bei ei­ner Kon­fe­renz der Bil­dungs­ge­nos­sen­schaft Süd­nie­der­sach­sen (Bigs) in Göt­tin­gen.

„Seit fünf Jah­ren ge­hört un­se­re Ge­nos­sen­schaft zu den 14 Ein­rich­tun­gen des nie­der­säch­si­schen Netz­werks In­te­gra­ti­on durch Qua­li­fi­ka­ti­on, das von Eu­ro­päi­scher Uni­on, Bund und Land fi­nan­ziert wird“, be­rich­te­te Be­ra­te­rin Chris­ti­na Ham­mer den 90 Teil­neh­mern im Neu­en Rat­haus. Das Netz­werk un­ter­stüt­ze Zu­wan­de­rer, aber auch Deut­sche. Es hel­fe zu über­prü­fen, in­wie­weit im Aus­land er­wor­be­ne Be­rufs­qua­li­fi­ka­tio­nen de­nen ver­gleich­ba­rer deut­scher Be­ru­fe ent­sprä­chen. „Wir helfen beim Zu­sam­men­stel­len der not­wen­di­gen Un­ter­la­gen für die An­trä­ge, ver­mit­teln Über­set­zer und klä­ren mög­li­che Kos­ten­über­nah­men“, sag­te Ham­mer. Das Bigs ge­wäh­re zu­dem Un­ter­stüt­zung bei auf­ent­halts­recht­li­chen Fra­gen. Es stel­le Kon­takt zu wei­te­ren Be­ra­tungs­stel­len her, ver­mitt­le Prak­ti­kums- und Ar­beits­plät­ze und ko­ope­rie­re mit Hoch­schu­len.

Vier Bigs-be­ra­ter, so Ham­mer, hät­ten in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren in den Land­krei­sen Göt­tin­gen, Gos­lar und Nort­heim 1462 Per­so­nen be­ra­ten. Die meis­ten die­ser Per­so­nen sei­en zwi­schen 25 und 44 Jah­ren alt ge­we­sen; der Frau­en­an­teil ha­be bei 52 Pro­zent ge­le­gen. Zwei Drit­tel sei­en Aka­de­mi­ker. Die bis­he­ri­ge Bi­lanz: 30 Pro­zent der Be­rufs­ab­schlüs­se sei­en teil­wei­se oder ganz an­er­kannt wor­den.

Be­son­ders lan­ge dau­er­ten die zu­dem we­nig trans­pa­ren­ten Ver­fah­ren bei den re­gle­men­tier­ten Be­ru­fen, führ­te Ham­mer aus. Von 22 Leh­rern hät­ten in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren erst vier ei­ne Tei­la­n­er­ken­nung, von 14 Er­zie­hern ei­ner ei­ne vol­le An­er­ken­nung und zwei ei­nen ein­ge­schränk­ten Zu­gang zum Ar­beits­markt er­hal­ten. Von 38 Ärz­ten und Zahn­ärz­ten sei­en bis­her zwei an­er­kannt wor­den. „Bei den nicht re­gle­men­tier­ten Be­ru­fen kön­nen Zu­wan­de­rer und Deut­sche so­fort ei­ne Stel­le an­tre­ten“, führ­te Bigs-be­ra­te­rin Na­ta­lia He­fe­le aus. Ei­ne Gleich­wer­tig­keits­prü­fung des Ab­schlus­ses emp­feh­le sich trotz­dem. So lie­ße sich fest­stel­len, wo Kennt­nis­se fehl­ten. De­fi­zi­te könn­ten mit Qua­li­fi­zie­run­gen aus­ge­gli­chen wer­den. Zu­dem er­leich­te­re die Prü­fung die Ge­halts­ein­stu­fung.

Res­mi­ja Emi­ni, die 2015 nach Deutsch­land ge­kom­men ist, be­rich­te­te über ih­re Er­fah­run­gen. Sie ha­be in Ser­bi­en nach acht­jäh­ri­ger Schul­zeit vier Jah­re lang ei­ne Fach­schu­le mit dem Schwer­punkt Me­di­zin be­sucht und dort ihr Kran­ken­schwes­ter-ex­amen ge­macht. En­de 2015 ha­be das Evan­ge­li­sche Kran­ken­haus We­en­de sie als Hel­fe­rin ein­ge­stellt. Ihr Ab­schluss sei im Fe­bru­ar 2016 teil­wei­se an­er­kannt wor­den. Mit Un­ter­stüt­zung von Ur­su­la Roth, der Lei­te­rin der We­en­der Kran­ken­pfle­ge­schu­le, ha­be sie sich auf ei­ne Kennt­nis­prü­fung vor­be­rei­tet, die sie im No­vem­ber 2016 be­stan­den ha­be. Seit­her sei sie in We­en­de als Kran­ken­schwes­ter tä­tig.

Ein drei­jäh­ri­ges Stu­di­um zum Bank­kauf­mann hat Mo­ham­mad Ali in Sy­ri­en ab­sol­viert. Nach Ein­schät­zung durch die In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer ent­sprach der Ab­schluss in Deutsch­land teil­wei­se dem ei­nes ge­lern­ten Bank­kauf­manns. Die feh­len­den Kennt­nis­se er­warb Ali wäh­rend ei­nes drei­mo­na­ti­gen Prak­ti­kums bei der Santan­der Con­su­mer Bank, er­zähl­te er. Nun ver­bes­se­re er sei­ne Deutsch­kennt­nis­se, da er im Be­ra­tungs­ge­spräch noch nicht al­les ver­ste­he.

FO­TO: CAS­PAR

Dür­fen als Bank­kauf­mann und Kran­ken­schwes­ter in Deutsch­land ar­bei­ten: Mo­ham­mad Ali und Res­mi­ja Emi­ni.

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