Kor­rek­tur läuft

Göttinger Tageblatt - - WIRTSCHAFT & BÖRSE - – 0,40 % FO­TO: FÖRS­TER/IM­A­GO

Die Kur­ve zeigt nach un­ten. Der Dax hat die Wo­che zwar mit ei­nem un­auf­fäl­li­gen Frei­tag zu En­de ge­bracht, aber zur Be­ru­hi­gung taugt das nicht. Denn es sum­mie­ren sich fast 5 Pro­zent Wo­chen­mi­nus, die 12 000 Punk­te sind mitt­ler­wei­le ein gu­tes Stück ent­fernt, und ernst­haf­te Aus­bruchs­ver­su­che gab es nicht. Auch der Frei­tag en­de­te mit ei­nem Ta­ges­tief. Da wer­den ge­ra­de auf brei­ter Front Wer­te kor­ri­giert, und lang­sam wächst die Sor­ge vor ei­nem Ver­lust­jahr an der Ak­ti­en­bör­se: Um mehr als 10 Pro­zent liegt der Dax un­ter dem Stand vom Ja­nu­ar. Der Tec-dax hat sich da­ge­gen im Stich­tags­ver­gleich kaum ver­än­dert. Ei­ne Freu­de ist das aber nur, wenn man die Zeit da­zwi­schen igno­riert. Denn der Tech­no­lo­gie­in­dex ließ sei­nen schläf­ri­gen gro­ßen Bru­der zeit­wei­se weit hin­ter sich, stieg um ein Fünf­tel auf 3000 Punk­te – und ist in­ner­halb we­ni­ger Wo­chen wie­der zum Aus­gangs­ni­veau her­un­ter­ge­rutscht. Am Frei­tag sieg­te we­nigs­tens die Ex­pe­ri­men­tier­freu­de der Tech-an­le­ger, und der Tec-dax er­hol­te sich – an­ge­trie­ben von der Nas­daq in den USA – um mehr als ein Pro­zent.

Auch der Ge­win­ner der Wo­che ist ein Tech-wert. Dia­log Se­mi­con­duc­tor hat­te drei schwa­che Bör­sen­ta­ge hin­ter sich, als der Chi­pent­wick­ler am Don­ners­tag ei­nen um­fang­rei­chen De­al mit App­le ver­kün­de­te. Der ipho­ne-kon­zern kauft nicht nur Tei­le des Un­ter­neh­mens, son­dern ga­ran­tiert auch Auf­trä­ge für meh­re­re

Jah­re. Vor al­lem die Sor­ge vor ei­nem Aus­stieg des Kun­den hat­te den Kurs be­las­tet. Ent­spre­chend sprang er am Don­ners­tag und leg­te am Frei­tag wei­te­re 5 Pro­zent zu. Für die ge­sam­te Wo­che sind es 20 Pro­zent.

Wi­re­card rap­pelt sich wie­der. Auf her­be Rück­schlä­ge folg­ten zwei Ta­ge im Plus. Am Frei­tag reich­te es für das Fin­tech mit 5,3 Pro­zent Kur­sge­winn wie­der zur Dax-spit­ze. Die Ana­lys­ten ha­ben sich ei­ni­ge Ta­ge in die jüngst prä­sen­tier­te „Vi­si­on 2025“von Vor­stands­chef Mar­kus Braun ver­tieft und fin­den Ge­fal­len an den ehr­gei­zi­gen Wachs­tums­zie­len. Nun müss­te er sie na­tür­lich er­rei­chen, aber es gibt Vor­schuss: Am­bi­tio­niert, aber glaub­wür­dig sei­en sie, heißt es beim Bank­haus Metz­ler. HSBC setzt das Kurs­ziel der­zeit auf 235 Eu­ro – 168 Eu­ro sind er­reicht –, hält auf län­ge­re Sicht aber auch 400 Eu­ro als fai­ren Wert für mög­lich. Wenn die Vi­si­on wahr wird.

Die vi­sio­nä­re Pha­se hat Za­lan­do hin­ter sich. Viel­leicht ja nur vor­über­ge­hend. Im Mo­ment je­den­falls geht es um All­tags­ge­schäft, um ei­ne ver­nünf­ti­ge Ba­lan­ce aus Wachs­tum und Er­trag. Aus Sicht der An­le­ger stimm­te sie zu­letzt nicht, der Kurs des Mo­de­händ­lers stürz­te seit En­de Ju­li um fast 40 Pro­zent. Die Cre­dit Suis­se sieht nun aber or­dent­li­ches Kur­s­po­ten­zi­al und stuf­te Za­lan­do hoch auf „Out­per­form“. Der Kurs stieg um 2,7 Pro­zent.

Es kann nur ei­nen ge­ben. Heinz Her­mann Thie­le hat bei Knorr-brem­se zwar kei­ne ope­ra­ti­ve Funk­ti­on mehr, aber na­tür­lich drück­te Hau­ke Stars, Vor­stands­mit­glied der Deut­schen Bör­se, trotz­dem ihm die Glo­cke in die Hand, als es am Frei­tag das Bör­sen­de­büt zu fei­ern gab. Schließ­lich ist der 77-Jäh­ri­ge Ei­gen­tü­mer, Eh­ren­vor­sit­zen­der des Auf­sichts­rats und vor al­lem Schöp­fer des Zu­lie­fer­kon­zerns. Nun hat er 30 Pro­zent im Wert von 3,9 Mil­li­ar­den Eu­ro ver­kauft, oh­ne frei­lich die Mehr­heit her­zu­ge­ben. Den Aus­ga­be­preis trotz star­ker Nach­fra­ge nur in der Mit­te der Preis­span­ne fest­zu­set­zen, er­wies sich als klug: Die 80 Eu­ro wur­den am ers­ten Han­dels­tag um knapp 2 Pro­zent über­trof­fen.

WIRT­SCHAFTS­RE­DAK­TI­ON

Ste­fan Win­ter

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